Freitag, 17. Dezember 2010

Reisefiebrig

Die Tage gehen, die Tage kommen. Monate gehen und Monate kommen. Vorfreude steigt mit jeder Sekunde, Stunde, mit jedem vergangenen Tag. Bald gehts los! Urlaub ist angesagt. Fuer 3 Wochen werde ich hin und her Reisen. Im Allgemeinem „nur“ in Nordperu und Ecuador. Auf der Landkarte sehen die Abschnitte mikrig klein aus, so wie ein Tagesausflug, maximal ein Wochenendausflug. Doch das irrt gewaltig. Allein fuer meine erste Station brauche ich 2 Tage. Von Villa Rica nach Lima 10 Stunden Busfahrt, rasante, riskante, voller Serpentienen und Erdrutschgefahren. Von Lima nach Moyobamba sind es etwa 24 Stunden...

Die Nordkueste erstreckt sich 1300km lang inmitten einer Wuestenlandschaft und inmitten der Wuestenlandschaft Oasen. Im sommerlichen Peru werde ich von Stadt zu Stadt, von Fischerdorf zu Fischerdorf, von Fischrestaurants zu Fischrestaurants gehen, wandern oder fahren.

Mein Plan sieht folgendermassen aus. Zu beachten ist doch, dass in Peru niemals etwas nach Plan gelingt- deswegen ist der Plan auch nur ein Plan in „mas o menos“ Sinne.

18.12 - 25.12 Moyobamba
25.12 - 27.12 Chiclayo
27.12 - 29.12 Piura
29.12 - 01.01 Máncora
01.01 - 02.01 Tumbes
02.01 - 04.01 Cuenca (Ecuador)
04.01 - 06.01 Riobamba
06.01 - 09.01 Quito
09.01 – nach Hause auf schnellstem Wege, der wahrscheinlich eh viel zu lange dauern wird…

Bis Moyobamba, in der noerdlichen Selva, werde ich allein sein. In Moyobamba sind 4 Freiwillige bei denen wir schlafen werden. Auch Weihnachten verbring ich mit anderen Freiwilligen aus Pucallpa bei denen in Moyo. Zusammen, ca. 10 Leute, fahen wir nach Chiclayo. Versuchen werden wir immer bei anderen Freiwilligegn zu uebernachten, somit vermindern sich die Kosten fuer die Reise immens. Denn Essen und Transportkosten sind laecherlich gering. Ausserdem ist es schoen die Staedte nicht von der touristischen Seite zu sehen, sondern von der „dort lebenden Bevoelkerung auf Zeit“, also und Weltwaertslern : )

Ich freu mich den Sommer an der Kueste zu geniessen, neues zu entdecken und neue Seiten an bezaubern Peru zu sehen. Viel Fisch zu essen, Sonne zu tanken, mich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen wie es denn uns ginge.

Auf geht’s zum Weltwaerts-Toursimus :D



Mittwoch, 15. Dezember 2010

Luegen haben kurze Beine und ein noch schlechteres Gewissen



Eigentlich nennen mich und beschreiben mich hier alle als „taff“. Taff, da ich hier ohne meinen „Eheman“ (wie kann denn eine Frau ohne Ehemann reisen); taff, da ich ohne meinen Vater in Peru bin  (wie kann denn als Senorita ohne Vater reisen); taff, da ich mich ohne Probleme eingelebt habe und alles mit vollen Zuegen geniesse. Doch als ich einen Tag „krank“ war, spielten alle verrueckt. Und das Schlimmste, ich war ja gar nicht krank. Ich wollte bloss mit Ramon an einem Dienstag eine Wanderung mit einem Tourguide machen, und das Einfachste war zu sagen, ich sei krank... Magen-Darm... so unwahrscheinlich ist das ja nicht in einem Entwicklungsland. Morgens fuhren wir los, wanderten 10 km und als ich wieder Empfang auf der Bergspitze hatte, sah ich auf meinem Handydisplay, dass ich 3 Anrufe in Abwesendheit hatte. Mich ruft hier keiner an, also muss meine Arbeit gewesen sein. Nach tollen Eindruecken, einem kalten Bad im Wasser und einem kleinen, tropischen Regenschauer wanderten und fuhren anschliessend nach Hause nach unserer 6 Stuendigen Wanderung. 
Ich rief Erik an um nachzufragen wie die allgemeine Situation war im Buero. Er sagte mir alle seien so beunruhigt wegen mir, den ganzen Morgen wollten Mitarbeiter zu mir fahren und Medikamente vorbeibringen. Zu Hause angekommen duschte ich und wusch ich die schmutzigen Sachen, und  sass anschliessend auf meinem kleinen Treppenansatz zum Bad und schnitt mir die Findernaegel. Die Tuer stand weit offen, da es heiss-feucht von der Dusche war. Auf einmal guckte ich nach oben und seh 4 Frauen in der Tuer stehen: meine Vermieterin, ihre Tochter und 2 Mitarbeiterinnen. Mein Chef, der aus Lima zu besuch war, wartete im Auto unten. Sie fragten nach wie es mir denn ginge und ob ich irgendetwas benoetige... Oh man, ich hab mich so schlecht gefuehlt. Die machten sich ernsthaft Sorgen um mich, und mir ging es besser als nie zu vor. Doch ...ich glaube aber doch, dass meine psychische Verfassung sich auch in meinem Gesicht wieder spiegelte, denn sie meinten mir ging es gut, aber noch nicht gut genug um zur Arbeit zu gehen. Nach so einem schoenen, wundervollen und exotischem Tag hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass die Schoenheit des Wasserfalls weggeblasen war und nur mein schlechtes Gewissen im Vordergrund meiner Gedanken war.

Ic h hatte das Glueck oder Unglueck am Freitag auf das Campo zu fahren in meine Lieblingsregion. Die Region ist fast gar nicht infrastruktuell beschlossen, deswegen gibt es auch nicht so viele Kaffeefinkas in den Bergen und die Natur ist sich selber ueberlassen. Losgefahren sind ein Mitarbeiter und ich um 5 Uhr morgens. Zurueckkehren sollten wir um 14 Uhr. Nach einem Tag im Campo muss ich auch nicht bis um 18:30 Uhr im Buero sein. Also gefiel mir die Idee ein etwas laengeres Wochenende zu haben. Angekommen auf der eigenen Finka von dem Mitarbeiter begruesste uns die Mutter herzlich. Ich lief mit ihr ins Maisfeld um Maiskolben fuer das Fruehstueck zu sammeln. Ich hatte, Gott sei Dank, ein Stueck Kaese aus Villa Rica mitgenommen. Choclo nennt man das kleine Gericht fuer Zwischendurch, welches aus einer weissen Maiskolbe besteht mit einem kleinen Stueck weissem, salzigen Kaese. Und das hatte ich zum Fruehstueck. Selber gepflueckt und gekocht ueber dem Feuer schmeckte es hervorragend zum Kaffee von der eigenen Finka, natuerlich auch selber geroestet. Wir waren dort im Auftrag von DESCO Kaffeepflaenzchen abzuladen. Die Cooperation, die wir als NGO auch foerdern zu bilden, bekommt pro Bauer 1500 Kaffeepflaenzchen, die erst nach der ersten Ernte zurueckbezahlt werden sollen fuer die Kosten der Pflanze und Transport. Abgeladen, wollten wir noch eine „asitencia tecnica“ machen. 

Wir gingen los und ich sah bunte Samen mit denen Yanesha Nativas Schmuck herstellen. Ich habe schon einige Sachen mit denen gebastelt, aber auf dem Stueck Land waren so unendlich viele Samen, sodass ich nicht daran einfach vorbeigehen konnte. Ich blickte Frederico, den Mitarbeiter, fragend und bittend zu gleich an, ob er ohne mich gehen koennte. Ich wuerde hier auf ihn warten. Nach 20 Minuten kam er wieder, half mir weiterzusammeln. Ein paar Schritte weiter, fanden wir neue Buesche mit den Samen. Ich pflueckte eifrig. Der Besitzer des Stueck Landes kam entgegen und Frederico lachte, dass ich, „die Gringa“ Kaffee stehlen wuerde. Der Besitzer lachte und meinte, dass er dort gar keine Kaffeepflanzen haette. Nach einer kurzen Plauderei, schenkte er mir 8 Avocados und 4 Zitronen. Nach dem tollen Mittagsessen auf der Finka von Frederico wollten wir los. Um 13:30 Uhr um genau zu sein. Nach den ersten 100 Metern sahen wir, dass es einen Erdrutsch gab. Und zwar keinen kleinen, einen gewaltigen. Unser Pick-Up konnte ihn nicht ueberqueren. Eine Stunde versuchten wir vergeblich Steinchen um Steinchen so hinzulegen, sodass das Auto den neuen Berg ueberwinden konnte. Nach der einen Stunde fing es an zu regnen... Der Matsch wurde schwerer, tiefer. Das Auto sponn mehr und mehr.Durchnaesst und durchgeschwitzt konnte ich nichts in Bewegung bekommen. Frederico sass am Steuer und sonst waren wir allein. Ich habe mich so hilflos gefuehlt. Fast so wie in einer Matheklasur als ich keinen Ansatz kannte die Aufgabe zu loesen. In Mathe war mit bloss wichtig zu bestehen oder die Note „befriedigend“ zu bekommen. Aber hier ging es um mehr. Kein Handynetz, das naechste Dorf 7 km weit weg, Kaelte, Hitze, Hunger, Wut und Frust. Es gab keinen Ausweg. Dachte ich zumindestens. Nach 1 ½ Stunden haben wir es wie durch ein Wunder geschafft. Frederico hatte zum Glueck einen Hammer dabei womit er die keilen Steine abschlug.

Die Strasse voll mit spitzen Steinen, die vom Erdrutsch 1 Tag zuvor runtergefallen sind und die Strasse unpassierbar machte. Ein Tag noch spaeter, fiel ein Stein der 3m x 5m gross war rechts neben die Bretter... dort stand, den Tag zuvor, unser Auto fuer 1 1/2 Stunden...

Losgefahren sahen wir, dass andere Gefahren und Risiken auf uns warten. Nach einem anderen Erdrutsch verengte sich sie Strasse. Es gibt hier sowieso nur eine Fahrspur und wenn die weiter verengt wird durch Erde und Steine, und auf der anderen Seite der Spur ein steiler Hang runter ins Tal fuehrt, muss man starke Nerven haben um das Auto zu passieren. Der Regen verwandelte sich in Platzregen und Gewitter. Die 24 km, die sonst nur 2 Stunden dauern, dauerten auf dem Rueckweg ganze 5 Stunden! 24 km! Und das auf einer Landstrasse. Wie lange faehrt man in Deutschland auf einer Landstrasse 24km? Ganz nach Villa Rica kamen wir auch gar nicht an mit unserem Auto. Denn „schlaue“ Ingenieure (entschuldigt bitte meinen Sarkasmus) fangen mitten in der Regenzeit an, so etwas wie eine Ueberleitung aus Beton fuer die zahlreichen Fluesse zu bauen. Die Strasse wird einfach gesperrt fuer 3 Tage, da sich alles durch den Regen verzoegert und keiner vorher bescheid weiss. Wir liefen ca. 2 km bis wir wieder Empfang hatten (Gott sei Dank, waren wir schon nah an Villa Rica, nicht auszumalen waere wenn es zu weit waere um Empfang im Handy zu bekommen), riefen wir einen Mitarbeiter an, der uns bitte abholen wuerde. Das Auto parkten wir genau vor der Baustelle, da es unmoeglich war zu drehen (-> zu eng die Strasse) oder rueckwerts zu fahren (-> Schlamm). Das Auto steht da schon seit 2 Tagen und andere Autos warten auch vergeblich.

Also, hier kommen ein paar Ueberlebenstipps, aus 3 ½ Monaten Erfahrung in der Extreme:

-Da man nie weiss, wie lange die Reise dauern wird, bitte immer mehr:

1.) immer und auch wirklich immer Geld einplanen
2.) immer und auch wirklich immer Essen dabei haben
3.) immer und auch wirklich immer mit mehr Zeit rechnen die benoetigt wird.
4.) in einer Autoausruestung ist sind Macheten, Hammer, Seile, Naegel und sonstige handwerklichen Gegenstaende von Noeten
5.) Decken, Handtuecher sind so wichtig wie ein Erste-Hilfe-Kasten
6.) in das Handreisegepaeck immer 2 Paar von allem haben:Schuhe- Gummistiefel und Flip-Flops (das Wetter schwankt von einem Moment von 35 Grad auf 20 Grad mit Regenguessen), Hosen- lange und kurze fuer diejenigen, die sehr schnell schwitzen, sowie Pullis, Regenjacke und T-Shirt
7.) Sonnencreme, da wenn die Wolken nach einem Regenguss sich verziehen, wandelt sich weisse Haut in 5 Minuten in ein Krebsrot und Repellent (wichtig, es muss Repellent sein), denn kein anderes Anti-Muecken-Spray hilft gegen die Biester im Dschungel
8.) Mindestens ein Ersatzreifen, am Besten natuerlich 2 oder mehr, denn oft platzen sie einfach von den Gewichten oder Steinen... und all die anderen Gruende wieso das passiert

Montag, 13. Dezember 2010

Biss, Stich, Tod

Die Zeit rennt, sprintet, laeuft weg, enflieht. Ich weiss gar nicht wo sie geblieben ist. Bin ich in Peru wirklich schon 3 ½ Monate? Revue passierend, seh ich vor mir wie ein Film vor meinem geistigen Auge, alle meine Erlebnisse davonziehen. Obwohl ich in der letzten Zeit fast ausschliesslich im Buero war, vergingen die Tage trotzdem rasend schenll. Ich habe jetzt auch eine Aufgabe, naehmlich eine Webpage fuer DESCO Selva Central zu erstellen. Obwohl ich keinerlei Erfahrung davor hatte mit Informatik, freue ich mich neue Herausforderungen zu bekommen und mich ihnen zu stellen. 

Erdrutsch auf der Strasse
Fluss, Wasserfall auf Strasse
Die zwei Male die ich auf dem Campo dann doch war in den letzten Wochen, waren eine reine Katastrophe. Und ich uebertreibe auch nicht. Nicht im geringsten. Es fing alles damit an, dass es Samstag war und ich um 6 Uhr schon im Buero sein sollte. Es hat in Stroemen geregnet, als wenn die Wolken sich ausweinen wollten und dann schliesslichen zusammenbrachen. Innerhalb von 5 Minuten war ich durchnaesst. Meine teuere Regenjacke, durchgenaesst. Meine Gummistiefel, nass. Alles nass. Als ich im Buero ankam, war keiner aufzufinden. Ich war ein bisschen zu spaet, aber auch nur 5 Minuten. Sonst kommen alle anderen mal 30 Minuten spaeter, mal 1 Stunde. Ich rief einen Mitarbeiter an und der sagte sie seien schon im „vivero“ und laden die Baumpflaenzchen auf. Sie kamen aber wieder und wuerden mich abholen. Nach 40 Minuten kamen sie mich abholen und als ich ins Auto stieg, musste ich lachen. Es war vielleicht 7 Uhr in der Morgendstunde und da gucken mich 6 durchnaesste Dackelaugen an. Die 3 Mitarbeiter waren so durchnaesst, dass sogar die Unterwaesche nass war. Trotz Regenponcho, trotz Regenjacke, trotz Gummistiefeln. Ich lachte und fragte mich ob es nicht gleich besser ist nackt oder nur leicht bekleidet im Regen zu arbeiten.
Vakuum
Wir hatten 1500 Pflaenzchen auf der Ladeflaeche, die wir 30 verschiedenen „beneficarios“ (netter Ausdruck fuer Bauern, die mit uns kooperieren). Nach ca. 20 Jahren, sind die Baeume sehr viel Geld wert. In der Zwischenzeit geben sie Schatten und andere Naehrstoffentzug, sowie Biomasse an die Kaffeeplantage ab.
Es regnete so heftig, dass die Strasse sind zu reinen Fluessen ausbreitete. 4-Rad-Antrieb ist notwendig, sowie dieses Rohr am Autoanfang, welches verhindert, dass der Motor absaeuft in der Fluss-Strasse. Ganze zwei Stunden mussten wir warten, da der Mini-bach der sonst die Strasse kreuzt sich ver-x-facht hat, sodass Steine ins Rollen kamen und die Strasse unpassierbar war.
Und das ist noch das kleinste Uebel. Durch Erdrutsche war ein paar Mal die Strasse wieder einmal unpassierbar. Baeume entwurzelt lagen auf der Strasse. Als das alles beseitigt wurde, blieben wir entweder stecken im Schlamm. Schlamm ist gar kein Ausdruck den ich aus Deutschland kenne. Das was ich Deutschland Schlamm nannte, das ist hier eine nationale Landstrasse. Hier ist ein Bild von dem Wort Schlamm mit einer neuen Bedeutung:

Links ist die Strasse, rechts oben normalerweise ein kleiner Bach

Einfach mal steckenbleiben und wie im Vakuum werden meine Gummistiefel eingesogen und mit  jedem Versuch rauszukommen, sink ich tiefer ein. Angst ist wenig gesagt an den Gefuehlen die ich hatte...

Beulenpest
Da meine Hose so schmutzig war, wollt ich sie gleich am Abend waschen. Gesagt, getan. Und ploetzlich merke ich einen Biss oder Stich. Klein und unbedeutend kam er mir vor. Gestochen werde ich hier andauernd und meine Beine sehen aus als wenn ich die Beulenpest durchleide und das schon seit 3 Monaten. Der Stich oder Biss war an meiner rechten Hand am Zeigefinger. Da es nicht gejuckt hat, noch gebrannt, machte ich mir keinerlei Sorgen, auch wenn ich nicht wusste was es war. Ungefaehr 30 Minuten spaeter, war ich doch beunruhigt als mein Finger anschwoll, rot wurde und fiebrig heiss war. Nach einer Fenistilbehandlung, kehrten meine Gedanken dem am naechsten Tag folgenden Besuch. Ramon sollte kommen aus Santiago de Chile, den ich vor 3 Jahren das letzte Mal gesehen hab in Kalifornien. Meine Vorbereitungen konnte ich nicht beenden fuer den Besuch, denn nachdem ein Finger angeschwollen war, schwillen die 3 anderen auch an. Meine Handflaeche schwillte darauf bis zur Haelfte an. Meine Hand  hatte die doppelte Groesse als vorher. Dies war ein bisschen beunruhigend, aber was solls. „Bestimmt nichts schlimmes“ dachte ich mir. Unter dem Motto „geht gleich wieder weg“ sass ich in meinem Zimmer und wartete auf einen peruansichen Freund, der zu mir kommen sollte. Als er kam, zeigte ich ihm meine verkrueppelte Hand und schnell setzte er mich auf sein Motorad und wir fuhren zur Apotheke. Die Apotheker haben auch nicht schlecht geguckt, als sie meine Hand gesehen haben. Nach 8 komischen Pillen und 2 Tagen ging die Schwellung weg.


Lagune in Villa Rica
Ramon kam am Sonntag  um 6 Uhr in der Frueh an. Muede zeigte ich ihm was Villa Rica besonders macht. Da es nicht so viel ist, liefen wir fast 10 km um die Lagune in Villa Rica und als wir an einem Bootausleih ankamen, welches Gott sei Dank schon auf hatte, gingen wir rein. Der Besitzer und 4 weitere Touriste waren dort. Ich wollte mich hinsetzten und stieg die 3 Treppenstufen herauf wo sich ein kleines Cafe befindet. Was sind schon 3 Treppenstufen. Was sind schon 5 bellende Hunde. Hier gibt es Hunde auf der Strasse wie Sand am Meer, Millionen, Billionen. Alle kamen angerannt und bellten. Nach paar Sekunden gingen der groesste, grosse, mittlere und mittel-kleine Hund weg. Der allerkleinste, bescheuerte, hirnverbrannte Hund blieb aber, bellte und  biss mich in meinen Knoechel. Er verfing sich dort und ich stand ausser mir. Ich konnt gar nicht reagieren. Als er endlich losliess, guckte ich mir die Wunde an... Blut, Blut, Blut. Die Wunde war nicht gross, aber tief. Tollwut? Ich habe schon in den 3 Monaten 4 Hunde mit Tollwut gesehen... Ich glaub nicht, dass dieser Hund Tollwut hat. Aber... aber was um GOTTES WILLEN haben aggressive Hunde die wildfremde Touristen beissen in einem touristischen Ort zu tun? Villa Rica moechte mehr und mehr Touristen werben,... ja toll... wenn mich ein Hund in einem Bootsverleih beisst,  komm ich bestimmt nicht wieder... per Mundpropaganda kommen meine Freunde nicht und deren Freunde auch nicht... Ich war so wuetend. Innerhalb von 12 Stunden wurde ich von bescheuerten Mistfichern gebissen und das nicht gestreichelt oder sonst was harmloses! Meine Hand die mutiert und mein Bein das eine klaeffende Wunde hat und bis nach Villa Rica es 5 km sind. Der Besitzer sollte nur : „Sorry“. Ich fragte nach Desenfektionsmittel, Alkohol oder wenigstens Wasser um die Wunde zu reinigen. Nach einem genuschelten „bueno“ kam er mit Wasser, ohne Watte, oder wenigstens Klopapier... 

In Villa Rica angekommen mit Ramon wusste ich nicht mal wo das Krankenhaus ist. Ich wusste auch nicht was ich denn alles brauche. Reisepass, Impfpass, Geld...? In solchen Momenten fuehl ich mich so allein gelassen und sauer auf mich selber: „Haett‘ ich doch besser zu gehoert bei den zahlreichen Seminaren...“.  Gott sei Dank, wurde mein Name auf der Strasse gerufen und ich sah einen Freund auf einem Motorad der mit einem Fahrer im Auto sprach. Den Mann im Auto kannte ich nur zu gut, Walter, ein toller Mitarbeiter. Ich zeigte ihnen die Wunde und er fuhr mich zu mir nach Hause, ich holte die notwendigen Papiere und Geld ab und er fuhr mich zum Krankenhaus, begleitete mich dort und blieb die ganze Zeit. Es kam noch 2 andere Freunde, auch Mitarbeiter, entgegen, die auch mit mir im Saal waren. Insgesamt waren 6 Maenner um mich herum versammelt und ich lag und zischte nur als die Krankenschwester mir die Wunde desinfiziert hat und verbunden hat.

Das Fazit des Wochenende war noch bis in die naechste Woche zu spueren: Durchgenaesst von Samstag hatte ich eine leichte Erkaeltung; die Hand, die mutiert war, mutierte und mutierte um; der Biss am Knoechel tat weh und ich nahm fuer 6 Tage 2 verschiedene Antibiotika (wenn ich nur wuesste wofuer, doch leider versteh ich nur wenig Arzt-Deutsch-Fachchinesisch, von Arzt-Spanisch-Fachchinesisch will ich gar nicht erst anfangen).

Nur Ramon tat mir Leid, da er sowieso schon aengstlich war: vor dem Essen, vor Salat, vor Saeften, vor Insenkten, vor dem Dschungel, vor Muecken und vor der Sonne. Er hatte sogar Angst vor dem Matsch auf der Strasse ; ) Durch meine Ungluecksseligkeit hatte er noch mehr Angst in Peru... tja, ich nenne es Realitaet... die Ami’s mal wieder mit ihrer Ueberempfindlichkeit.