Die Zeit rennt, sprintet, laeuft weg, enflieht. Ich weiss gar nicht wo sie geblieben ist. Bin ich in Peru wirklich schon 3 ½ Monate? Revue passierend, seh ich vor mir wie ein Film vor meinem geistigen Auge, alle meine Erlebnisse davonziehen. Obwohl ich in der letzten Zeit fast ausschliesslich im Buero war, vergingen die Tage trotzdem rasend schenll. Ich habe jetzt auch eine Aufgabe, naehmlich eine Webpage fuer DESCO Selva Central zu erstellen. Obwohl ich keinerlei Erfahrung davor hatte mit Informatik, freue ich mich neue Herausforderungen zu bekommen und mich ihnen zu stellen.
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| Erdrutsch auf der Strasse |
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| Fluss, Wasserfall auf Strasse |
Die zwei Male die ich auf dem Campo dann doch war in den letzten Wochen, waren eine reine Katastrophe. Und ich uebertreibe auch nicht. Nicht im geringsten. Es fing alles damit an, dass es Samstag war und ich um 6 Uhr schon im Buero sein sollte. Es hat in Stroemen geregnet, als wenn die Wolken sich ausweinen wollten und dann schliesslichen zusammenbrachen. Innerhalb von 5 Minuten war ich durchnaesst. Meine teuere Regenjacke, durchgenaesst. Meine Gummistiefel, nass. Alles nass. Als ich im Buero ankam, war keiner aufzufinden. Ich war ein bisschen zu spaet, aber auch nur 5 Minuten. Sonst kommen alle anderen mal 30 Minuten spaeter, mal 1 Stunde. Ich rief einen Mitarbeiter an und der sagte sie seien schon im „vivero“ und laden die Baumpflaenzchen auf. Sie kamen aber wieder und wuerden mich abholen. Nach 40 Minuten kamen sie mich abholen und als ich ins Auto stieg, musste ich lachen. Es war vielleicht 7 Uhr in der Morgendstunde und da gucken mich 6 durchnaesste Dackelaugen an. Die 3 Mitarbeiter waren so durchnaesst, dass sogar die Unterwaesche nass war. Trotz Regenponcho, trotz Regenjacke, trotz Gummistiefeln. Ich lachte und fragte mich ob es nicht gleich besser ist nackt oder nur leicht bekleidet im Regen zu arbeiten.
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| Vakuum |
Wir hatten 1500 Pflaenzchen auf der Ladeflaeche, die wir 30 verschiedenen „beneficarios“ (netter Ausdruck fuer Bauern, die mit uns kooperieren). Nach ca. 20 Jahren, sind die Baeume sehr viel Geld wert. In der Zwischenzeit geben sie Schatten und andere Naehrstoffentzug, sowie Biomasse an die Kaffeeplantage ab.Es regnete so heftig, dass die Strasse sind zu reinen Fluessen ausbreitete. 4-Rad-Antrieb ist notwendig, sowie dieses Rohr am Autoanfang, welches verhindert, dass der Motor absaeuft in der Fluss-Strasse. Ganze zwei Stunden mussten wir warten, da der Mini-bach der sonst die Strasse kreuzt sich ver-x-facht hat, sodass Steine ins Rollen kamen und die Strasse unpassierbar war.
Und das ist noch das kleinste Uebel. Durch Erdrutsche war ein paar Mal die Strasse wieder einmal unpassierbar. Baeume entwurzelt lagen auf der Strasse. Als das alles beseitigt wurde, blieben wir entweder stecken im Schlamm. Schlamm ist gar kein Ausdruck den ich aus Deutschland kenne. Das was ich Deutschland Schlamm nannte, das ist hier eine nationale Landstrasse. Hier ist ein Bild von dem Wort Schlamm mit einer neuen Bedeutung:
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| Links ist die Strasse, rechts oben normalerweise ein kleiner Bach |
Einfach mal steckenbleiben und wie im Vakuum werden meine Gummistiefel eingesogen und mit jedem Versuch rauszukommen, sink ich tiefer ein. Angst ist wenig gesagt an den Gefuehlen die ich hatte...
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| Beulenpest |
Da meine Hose so schmutzig war, wollt ich sie gleich am Abend waschen. Gesagt, getan. Und ploetzlich merke ich einen Biss oder Stich. Klein und unbedeutend kam er mir vor. Gestochen werde ich hier andauernd und meine Beine sehen aus als wenn ich die Beulenpest durchleide und das schon seit 3 Monaten. Der Stich oder Biss war an meiner rechten Hand am Zeigefinger. Da es nicht gejuckt hat, noch gebrannt, machte ich mir keinerlei Sorgen, auch wenn ich nicht wusste was es war. Ungefaehr 30 Minuten spaeter, war ich doch beunruhigt als mein Finger anschwoll, rot wurde und fiebrig heiss war. Nach einer Fenistilbehandlung, kehrten meine Gedanken dem am naechsten Tag folgenden Besuch. Ramon sollte kommen aus Santiago de Chile, den ich vor 3 Jahren das letzte Mal gesehen hab in Kalifornien. Meine Vorbereitungen konnte ich nicht beenden fuer den Besuch, denn nachdem ein Finger angeschwollen war, schwillen die 3 anderen auch an. Meine Handflaeche schwillte darauf bis zur Haelfte an. Meine Hand hatte die doppelte Groesse als vorher. Dies war ein bisschen beunruhigend, aber was solls. „Bestimmt nichts schlimmes“ dachte ich mir. Unter dem Motto „geht gleich wieder weg“ sass ich in meinem Zimmer und wartete auf einen peruansichen Freund, der zu mir kommen sollte. Als er kam, zeigte ich ihm meine verkrueppelte Hand und schnell setzte er mich auf sein Motorad und wir fuhren zur Apotheke. Die Apotheker haben auch nicht schlecht geguckt, als sie meine Hand gesehen haben. Nach 8 komischen Pillen und 2 Tagen ging die Schwellung weg.
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| Lagune in Villa Rica |
Ramon kam am Sonntag um 6 Uhr in der Frueh an. Muede zeigte ich ihm was Villa Rica besonders macht. Da es nicht so viel ist, liefen wir fast 10 km um die Lagune in Villa Rica und als wir an einem Bootausleih ankamen, welches Gott sei Dank schon auf hatte, gingen wir rein. Der Besitzer und 4 weitere Touriste waren dort. Ich wollte mich hinsetzten und stieg die 3 Treppenstufen herauf wo sich ein kleines Cafe befindet. Was sind schon 3 Treppenstufen. Was sind schon 5 bellende Hunde. Hier gibt es Hunde auf der Strasse wie Sand am Meer, Millionen, Billionen. Alle kamen angerannt und bellten. Nach paar Sekunden gingen der groesste, grosse, mittlere und mittel-kleine Hund weg. Der allerkleinste, bescheuerte, hirnverbrannte Hund blieb aber, bellte und biss mich in meinen Knoechel. Er verfing sich dort und ich stand ausser mir. Ich konnt gar nicht reagieren. Als er endlich losliess, guckte ich mir die Wunde an... Blut, Blut, Blut. Die Wunde war nicht gross, aber tief. Tollwut? Ich habe schon in den 3 Monaten 4 Hunde mit Tollwut gesehen... Ich glaub nicht, dass dieser Hund Tollwut hat. Aber... aber was um GOTTES WILLEN haben aggressive Hunde die wildfremde Touristen beissen in einem touristischen Ort zu tun? Villa Rica moechte mehr und mehr Touristen werben,... ja toll... wenn mich ein Hund in einem Bootsverleih beisst, komm ich bestimmt nicht wieder... per Mundpropaganda kommen meine Freunde nicht und deren Freunde auch nicht... Ich war so wuetend. Innerhalb von 12 Stunden wurde ich von bescheuerten Mistfichern gebissen und das nicht gestreichelt oder sonst was harmloses! Meine Hand die mutiert und mein Bein das eine klaeffende Wunde hat und bis nach Villa Rica es 5 km sind. Der Besitzer sollte nur : „Sorry“. Ich fragte nach Desenfektionsmittel, Alkohol oder wenigstens Wasser um die Wunde zu reinigen. Nach einem genuschelten „bueno“ kam er mit Wasser, ohne Watte, oder wenigstens Klopapier...
In Villa Rica angekommen mit Ramon wusste ich nicht mal wo das Krankenhaus ist. Ich wusste auch nicht was ich denn alles brauche. Reisepass, Impfpass, Geld...? In solchen Momenten fuehl ich mich so allein gelassen und sauer auf mich selber: „Haett‘ ich doch besser zu gehoert bei den zahlreichen Seminaren...“. Gott sei Dank, wurde mein Name auf der Strasse gerufen und ich sah einen Freund auf einem Motorad der mit einem Fahrer im Auto sprach. Den Mann im Auto kannte ich nur zu gut, Walter, ein toller Mitarbeiter. Ich zeigte ihnen die Wunde und er fuhr mich zu mir nach Hause, ich holte die notwendigen Papiere und Geld ab und er fuhr mich zum Krankenhaus, begleitete mich dort und blieb die ganze Zeit. Es kam noch 2 andere Freunde, auch Mitarbeiter, entgegen, die auch mit mir im Saal waren. Insgesamt waren 6 Maenner um mich herum versammelt und ich lag und zischte nur als die Krankenschwester mir die Wunde desinfiziert hat und verbunden hat.
Das Fazit des Wochenende war noch bis in die naechste Woche zu spueren: Durchgenaesst von Samstag hatte ich eine leichte Erkaeltung; die Hand, die mutiert war, mutierte und mutierte um; der Biss am Knoechel tat weh und ich nahm fuer 6 Tage 2 verschiedene Antibiotika (wenn ich nur wuesste wofuer, doch leider versteh ich nur wenig Arzt-Deutsch-Fachchinesisch, von Arzt-Spanisch-Fachchinesisch will ich gar nicht erst anfangen).
Nur Ramon tat mir Leid, da er sowieso schon aengstlich war: vor dem Essen, vor Salat, vor Saeften, vor Insenkten, vor dem Dschungel, vor Muecken und vor der Sonne. Er hatte sogar Angst vor dem Matsch auf der Strasse ; ) Durch meine Ungluecksseligkeit hatte er noch mehr Angst in Peru... tja, ich nenne es Realitaet... die Ami’s mal wieder mit ihrer Ueberempfindlichkeit.