Das weltwaerts-Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Deswegen wollte ich raus aus dem Kaffeeparadies und rein in das Kakaoparadies von Izcosasin. Gesagt, getan und somit fuhr ich fuer 10 Tage in die „Selva baja“ also die niedrig gelegene Selva ungefaehr auf der Hoehe von 400 m ueber NN.
Die ersten Tage waren kaum auszuhalten vor der schwuelen, feuchten Luft. Mir schien als wenn eine Wand voller Feuchtigkeit vor mir stehen wuerde. Als beim Mittagessen auch noch heisse Suppe ausgeschenkt wurde, wo das Salz zum Wuerzen wahrscheinlich von meinem Gesicht kam, lehnte ich dankend ab. Aber nach 3 Tagen hat sich der Koerper daran gewoehnt.
Eigentlich war es geplant, dass ich jeden Tag aufs Campo fahre und so viel wie moeglich lerne. Aber aufgrund des 25jaehrigen Jubilaeums, stand das Doerfchen still und alle wollten nur feiern. Somit verbrach ich meine Zeit beim Sport zugucken, den desco-Stand zu planen und Masato zu trinken. Masato ist ein hochprozetiges Getraenk aus den Yanesha- Gemeinden, die das Getraenk aus gereibter Yuca (Maniok) und Kamote (Suesskartofell) oder zerkauter und ausgespuckter Yuca fermentieren lassen. Mich hatte man sogar gefragt, ob ich nicht die Schoenheitskoenigen waehlen moechte mit drei anderen Juroren. Spontan ja gesagt, ohne Licht und ohne Wasser musste ich mich schnell fertig machen. In Izco ist die Entwicklung noch sehr ruecklaeufig. Auf Grund einer Verwechslung gibt es bis heute in dem 5000 Einwohner Dorf kein Handynetz, da man die Region von Palcazu mit dem Fluss Palcazu verwechselt hat. Der Strom geht und kommt. Die Frage lautet nicht, ob es wieder keinen Strom gibt, sondern ob es mal Strom gibt. Somit gab es 6 von 10 Tagen keinen Strom und im 2 Stock kein Wasser, denn dazu braeuchte man einen Motor mit Pumpe um das Wasser hochzupumpen. Die Feierlichkeiten wurden alle mit Motor angetrieben wozu man Benzin brauchte, was die Kosten natuerlich hochschlug.
An einem Tag ging es dann doch aufs Campo, was mich sehr gefreut hatte. Die Arbeit mit Kakao ist um wesentliches leichter und weniger aufwendig als die Arbeit mit Kaffee.
Zu den Hauptfeiertagen kam Socra aus Villa Rica um mich zu besuchen. Da ich mich schon an alles gewoehnt in Izco habe, und Izco sowieso schon kenne und es wirklich sehr gern habe, war ich gespannt was Socra fuer Eindruecke haben wird. In der 1 Stunde, als er angekommen ist, hatte er sich 3 mal geduscht und hat sie ganze Zeit gemeckert, dass wir hier in einer Mikrowelle leben : ). Jetzt hatte er die Umstellung und Eingewohnungszeit.
An dem letzten Tag wollten wir noch einmal rein in die Natur, denn das Jubilaeum lief schleppend ab, sehr unorganisiert und chaotisch. Wir wollten einen Wasserfall besuchen. Deswegen haben wir zahlreiche Personen dazu befragt, z.B. wie man dahinkommt, ob mit Sandalien oder mit Gummistiefel, etc. Die Beauftragte fuer den ruralen Oeko-turismus zeichnete uns eine Karte wie wir denn zu einem Herren hinkommen, der uns die Cascaden per Bootstour zeigen sollte. „Nach der Bruecke“pan de azucar“ einfach nach links bis die Strasse aufhoert und dort befindet sich das Haus von Senor Mesa und dahinter das Dorf mit der Schule etc“. Im Dorf bei der Bruecke waren sie Ansassigen erstaunt, als wir mit dem Motorrad auf die Strasse zu dem anderen Dorf fahren wollten. Es waere unmoeglich, nach deren Meinung. Sie meinten ebenfalls, dass wir nicht der Strasse bis zum Ende folgen sollen, sondern uns an der linken Seite halten sollen und dann den Fussabdruecken folgen bis wir zu einer Abzweigung kommen.
Wen sollten wir denn nun Glauben schenken? Wir liefen einfach darauf los. Die Beauftragte vom Turismus sagte es werdern 30 min gebraucht zu Fuss und 15 min per Motorrad. Insgesamt liefen wir 3 Stunden in der Hitze hin und her und wir fanden kein Dorf und keine Abzweigung. Voellig Dehydriert wollte ich umkehren, als wir dann eine Familie angetroffen haben. Sie zeigten uns die Abzweigung und beschrieb uns den Weg, der uns am Fluss entlang ueber 2 Kuehweiden, ueber den jungfraeuchlichen Dschungel und ueber 2 Fluesse zum Haus von Herr Mesa fuehrt. Wie konnte die Beauftragte uns so eine falsche Information gegeben haben?
Als wir alles ueberstanden haben, sahen wir 20 riesige, uebergrosse, wilde Stiere auf der Weide. Ich dachte sie wuerden uns schon nichts tun, deswegen lief ich voran. Alle 40 Stieraugen guckten uns an, als wir uns ihnen naehrten. In einem Moment liefen alle auf uns zu in einer Geschwindigkeit, die mit bis heute Gaensehaut beschert. Socra schrie nur noch: „Lauf zum Dschungel“. Ich lief, mit meinen Flip-Flops und schmiss mich einfach in das Unkraut und in den ganzen Gruenkram von Dschungel. Voller Angst warteten wir 20 min, dann stieg Socra auf um nachzuschauen, ob die Stiere verschwunden sind. Aber nein, immer noch guckten die 20 Stiere auf uns hinab im dichten Urwald. Wir stiegen weiter hinunter bis zum Fluss, denn ueber die Weide wagten wir uns nicht mehr. Nach einer weiteren Stunde, also schon 5 Std per Fuss mit Gummisandalen unterwegs, war ich fix und fertig und wollte nur noch umkehren. Und endlich stiessen wir auf eine weitere Familie. Die Frage nach Senor Mesa war positiv, denn der Herr stand genau vor uns. Er war naemlich auch in Izco gewesen und hat schon dort gehoert, dass eine Deutsche und ein Riese ihn suchen wuerden. Er hatte seine 90 jaehrige Mutter hinter sich gelassen, damit sie langsam voranschreitet, und er selber ist den ganzen Weg gerannt... Wie dankbar man sich fuehlen kann... Nach 2 Tassen Flussasser und Milch in dem Heim von Mesa, fuehlten wir uns gestaerkt und fuhren mit der ganzen Familie zum Wasserfall, der winzig war. Hmm, der ganze Aufwand fuer das... Das schoenste war die Bootsfahrt und allein dafuer hat sich der Ausflug gelohnt. Ausserdem im Nachhinein kann ich nur noch lachen, wie naiv wir den Ausflug machen wollten und wie die Stiere uns attackiert haben : ).
In Villa Rica wieder angekommen, scheint mir, als waeren wir jetzt gerade in der Sierra, so kalt wie es ist. Obwohl es immer noch 25 Grad sind, friere ich und sehne mich nach der Hitze in Izco.
 |
| Masato trinkend mit dem Yanesha Praesidenten |
 |
| als Juror |