Donnerstag, 24. Februar 2011

Bio-Siegel/ Fair-trade Luege

Ich habe schon oefters gehoert, dass Bauern mit Fairtrade (Starbucks) schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aber ich habe mich nie intensiv damit beschaeftigt, weil ich immer der Meinung war, man mache wenigstens etwas Gutes, wenn man Bio/Fair trade kauft. Somit war ich ueberzeugt davon und lies mich nicht auf Kritik ein.


Fair Trade bei Starkbucks

Starbucks, ein Cafe-Imperium, welches mit dem Slogen preist „100% Fair trade auf Espresso Kaffees“ und alle Menschen auf der Welt zum ueberteuertem Cappucino einladen und alle es lieben. Als Fairtrade wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, bei dem die Erzeugerpreise für die gehandelten Produkte üblicherweise über dem jeweiligen Weltmarktpreis angesetzt werden. Damit soll Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen gewaehrleistet werden als beim verkoemmlichen Handel.


Soweit die Theorie. Es gibt auch einige Kritik ueber Fair Trade mit Starbucks, aber ich moechte mich darauf konzentrieren wie der ganze Prozess ablaeuft, vor allem hier vor Ort bei den Produzenten:

Ein Angestellter von Starbucks Corperation, der sich mit der alljaehrlichen Schwankung von der Produzierung des Kaffees auskennt, kommt in die Kaffeeanbaugebiete genau nach ein paar Monaten der Ernte. Nachdem die Euphorie des ersten Geldes nach einem Jahr verflogen ist bei den Kleinbauern in der Umgebung von Villa Rica und den Familien klar wird, dass es dieses Jahr schwierig sein wird, da dieses Jahr genau das Jahr ist wo die Amplitude nach unten gegangen in der Ausbeute des Kaffees. Genau in diesem Moment kommt ein Starbucksangestellter und winkt der Familie mit vielen, grossen Geldscheinen vor der Nase und erzaehlt ihnen, dass sie es sofort bekaemen. Fast ein Jahr im Vorraus wird ihnen die Ernte bezahlt. Unterschrift. Und danach kommt die Freude. Nur leider ist den Bauern nicht klar, dass die Ernte schlecht war und naechstes Jahr wieder gut sein wird. Verzweifelt haenkt man sich an jeden Hacken der sich einem anbietet. Der schlaue Angestellte von Starbucks hat den Bauern ein bisschen mehr oder genauso viel Geld gegeben (muss ja auch ein bisschen im Sinne von Fair Trade sein), als wenn sie es zur normalen Zeit verkauft haetten. Nur leider, werden sie innerhalb von 2 Jahren kein Geld von der Kaffeeernte sehen, denn wer Geld parat hat, verprasselt es auch schnell, was verstaendlich und nur allzu menschlich ist. Fair trade? Eher Ausbeutung der Armen. Und wir, in Deutschland, trinken unseren moralisch sauberen Kaffee in Starbucks und sind davon noch uebezeugt etwas Gutes denen im globalen Sueden (politisch korretes Wort fuer Entwicklunsland, Drittes Welt Land gibt es gar nicht mehr) zu tun.

Nach dem Kauf des Kaffees von den Produzenten direkt von Starbucks, roestet und und über die konzerneigenen und lizenzierten Kaffeehaeuser vertreibt.

EIn Kritikpunkt ist die oft fehlende Transparenz der Preiszusammensetzung von Produkten des fairen Handels. Welcher Produzent oder Konsument blickt da durch? Die Preisdifferenz zwischen fair gehandelten und konventionellen Produkten im Supermarkt oder sonstigen Laeden ist gross. Wenn ein Café 10 cent pro Tasse fuer einen fair gehandelte Tasse Kaffee anbietet als einen konventionell gehandelten Kaffee, denkt der Konsument dann nicht automatisch, dass die 10 cent den armen, wirtschaftlich benachteiligten Bauern zu Gute kommt? Vermutbar ist, dass 8 cent an den Zwischenhaendler oder in meinem Falle an Starbucks geht, 1 cent fuer Verwaltungs- und Kontrollkosten der Organisationen und maximal 1 cent an den Kleinbauern.


Quelle: flickr.com/ flickr.com

Ich moechte Fair Trade oder Starbucks nicht im schlechten Licht darstehen lassen. Ich wollte bloss aufmerksam machen, dass wir als Konsumenten kritischer sein sollten und nicht alles hinnehmen wie es ist- so wie ich das gemacht habe und auch wahrscheinlich machen werde. Die Problematik ist klar, dass etwas gemacht werden muss. Und es ist ein sehr guter Ansatz. Viele Konsumenten zeigen auch den Willen mehr fuer ein Produkt zu kaufen fuer eine gerechtere Welt. Daran ist nichts auszusetzten, von Grund auf sehr lobenswert und nobel.


Bio

Alles wo Bio drauf steht, ist Bio drin! ... ? ... Klar ist, dass unter dem Siegel Arbeit steckt (Pruefung, Vermarktung etc), also muss dafuer auch gezahlt werden. Klar! Unmoeglich ist das fuer einen einzelnen Bauern einen Siegel zu bekommen, allein wegen der finanziellen Gruenden. Ein Siegel aus meiner Kenntniss kostet hier in Peru um die 1500 Soles (ca. 500 Euro), wobei ein Mittagessen um die 5 Soles kostet (als Vergleich). Also vereinigen sich Kleinbauern zu einer Gruppe und „erkaufen“ sich das Siegel. Natuerlich kommt einer um darueber zu reden, Vertrag zu unterschreiben, zu ueberpruefen. Aber wie kann eine Gruppe von Menschen, die fuer Bio arbeitet, auch wissen, dass wirklich nichts mit Chemikalien bespritzt ist? Und vor Allem, wo ist die Grenze zwischen chemischen und natuerlichen Stoffen? Kalzium? Ist doch natuerlich, oder etwa nicht? Gefunden wird das ja in der Natur. Biologisches Kalzium ist auch nur dort, wo Kalzium auch mit dem Siegel abgebaut wird. Und die „Siegel-Mitarbeiter“ schauen sich die Finkas an und gucken nur, ob dort auch Fliegen, Muecken, Voegel und Schmetterlinge zu finden sind. Denn wenn „zu viele“ Chemikalien vorzufinden wuerden waeren, wuerde man keine Lebewesen vorfinden. Die Kontrollmoeglichenkeiten sind auch begrenzt oder gar nicht vorhanden. Trotzdem und vielleicht deswegen, habe ich laut auflacht als ich von der sehr innovativen Technik gehoert habe.


Hans Brack (aus dem letzten Artikel) ist gegen "bio". Aber auch nur hier in Peru. In Deutschland und in den entwickelteren/reicheren Staaten befuerwortet er es. Der Grund ist, da Deutschland die Technik besitzt wirklich auch biologisch anzubauen, ohne den Boden zu verarmen. Hier nennt sich ein Produkt "bio" indem keinerlei Naehrstoffe extra hinzugefuegt wurden. Eine Pflanze benoetigt, zieht aus der Erde und verbraucht Naehrstoffe. Gibt aber diesen Naehrstoff eventuell nur gering wieder zurueck zum Boden. Somit laugt der Boden aus und verarmt. Somit hat das fatale Folgen fuer den Boden. Mit "chemikalischen" Naehrstoffen, die in den Boden getan werden, verringert sich drastisch die Bodendegration. Auch wenn es nicht auf natuerliche Weise (wie mit ausgezeichneten Techniken aus Deutschland) ist die chemische Methode besser.

Ein weiteres, in meiner Meinung, sehr starkes Argument von Hans Brack oder besser ausgedrueckt, ein Fakt ist, dass auf 1 h biologisch angebauten Kaffee (Duengung nur mit Kompost) 30-35 quintal Kaffee produziert (1 quintal = ca 55kg). Hingegen auf 1 h konventionell angebauter Kaffee (Duengung mit 11 chemischen Elementen wie Kalium, Kalzium, Phosphor etc und Kompost) produziert bis zu 70 quintales Kaffee. Der Preisunterschied zwischen den zwei unterschiedlichen Anbaumethoden sei aber zu gering, um es, nach Meinung von Brack, zu befuerworten.


Daten:

-Biologischer = 30-35 quintal (55.2 kg pergamino (Kaffee in Schale) = 46 kg gruener Kaffee-> in der Form wird er exportiert)
-Konventionellre = bis zu 70 quintal (55.2 kg pergamino (Kaffee in Schale) = 46 kg gruener Kaffee-> in der Form wird er exportiert)

Alles in allem, muessen in der Zukunft sich eininge Gegenbenheiten aendern, dies ist schon allen klar. In Bezug auf „bio“ muessen die gut entwickelten Techniken aus Deutschland zum Beispiel, auch in den globalen Sueden zugaenglich gemacht werden. Aber das loest dann auch das Problem nicht, dass die Technik unbezahlbar waere fuer die aermlichen Bauern.


Abschliessend, moechte ich mit Michaels Jackons Worten abschliessen aus dem Lied „Man In The Mirror“:


“And No Message Could Have Been Any Clearer:
If You Wanna Make The World
A Better Place
Take A Look At Yourself, And
Then Make A Change”

“Denn eines ist mir jetzt klar geworden:
Wenn du die Welt zu einem besseren Ort
machen willst,
dann fang zuerst einmal bei dir selbst an,
etwas zu verändern.“


Mittwoch, 23. Februar 2011

NRO- Dead Aid? (Tote Hilfe?)


An meinem letzten Arbeitstag vor meiner Reise nach Lima zum Zwischenseminar besuchten Erik und ich die riesige,ueber 100h grosse Kaffeeplantage von Herrn Hans Brack. Er ist einer der vielen deutschen Nachkommen in Villa Rica und Umgebung, und hat ueber 4 Generationen Kaffeeerfahrung, deshalb ist er auch Spitzenreiter in Allem.


Brack wusste schon das wir bei der Nichtregierungsorganisation DESCO arbeiten und immer wieder wiederholte er seinen Hass auf die NRO (der aeltere Herr leitet unter einer Nervenkrankheit). Obowohl mir sein Krankheitsfall mir bekannt war,  war klar spuerbar wie sehr er nicht mit der Politik von DESCO uebereinstimmt. Er, der Vorreiter, erzaehlte uns nicht nur Theorien, sondern zeigte uns Schritt fuer Schritt wieso und weshalb etwas falsch ist (immer in Bezug auf was DESCO macht).

Die Kaffeestaude
Angefangen mit der komplementaer Pflanze Banane, die DESCO von dem einem Bauern abkauft fuer 1 Sol pro Staude mit Wurzeln (-> Geldquelle fuer den Kleinbauern) und die Pflanze an einen anderen Kleinbauern zu verkaufen (um sie wieder einzupflanzen/ ein zweites Standbein zu schaffen fuer die Kleinbauern, da die Bananenpflanze das ganze Jahr produziert (Kaffee bloss 1 ½ jaehrig)/ Bodendegradierung zu vermeiden), wobei der Bauer erst bei der ersten Ernte das Geld an DESCO bezahlt, und auch nur die Haelfte. Gut, soweit die Theorie von der ich ueberzeugt war und mit Seele und Taten mitgeholfen habe. Hans Brack zeigte uns, dass die Kleinbauern, die eh nur so wenig haben (0,5 h- 3 h -> im Gegensatz zu Brack der 100h besitzt), dieses nur noch aermer macht. Und wieso? Ganz klar, wenn man Ahnung von Landwirtschaft in der Selva hat und die Kenntnisse ueber die genannten Pflanze n besitzt. Kaffee und Banane besitzen flache, brettaehnlich Wurzeln. Beide benoetigen Kalium, nehmen sich das gegenseitig weg und somit produziert die Kaffeepflanze weder Kaffee, noch die Bananenpflanze Bananen. Somit verarmen die sowieso schon aermste Bevoelkerungsschicht noch weiter. So... Und wo liegt die Wahrheit? In der Mitte? Glauben tue ich eher Brack, da er die gewisse Erfahrung hat. Nicht umsonst waere er zu so einem Reichtum gekommen.

Ein "Kaffeetal" mit Bananenpflanzen

Ausserdem bezeugt er, dass keiner in der Selva arm sein muesste. Davon war ich auch ueberzeugt. Ich meinte nicht materialistisch, sondern das keiner hier hungern muesste (ueber das ganze Jahr wird produziert). Er hingegen meinte, dass in der Selva baja (also die waermere Selva) jeder Mensch 40 h besitzen muesste/koennte, nur da spielt die Regierung nicht mit (will es wahrscheinlich auch nicht). In der „Augenbraue der Selva“ wo ich lebe, koennte jeder 10 h besitzen und somit koennte eine Familie sich gut unterhalten und die Kindern auf die Universitaeten schicken. 

DESCO hat „Theorien“ wie z.B. mit dem Abschneiden der alten Kaffeepflanzen und es klingt immer sehr ueberzeugend, wenn den Bauern und mir eine moderne Powerpointpraesentation gezeigt wird. Aber keiner der Ingenieure, die natuerlich auch Kaffee privat anbauen, wendet die Theorie an ihrer Finka an. Laesst das nicht schon zu denken? Brack hat seine Meinung dazu: Die Theorien wurden aufgestellt in den Universitaeten, weit weg von dem Ort des Geschehens; nichts wurde erprobt und alles ist bloss „Theorie“ ohne Absicherung ob es wirklich funktioniert. Die Arbeiter von der NRO sind jung und unerfahren, meistens haben sie bloss 25 Jahren. Die Kleinbauern haben fast genauso wenig Ahnung von Kalzium, Kalk und PH-Wert wie ich. Wenn ihnen jemand etwas plausibel erklaert, wird das nicht geglaubt? Und wer leited dann darunter? Wieder die jednigen, die hilflos und naiv ihrer Familie zu einem hoeheren Lebensstandart verhelfen wollen. Die meisten Arbeiter, muss ich erlich sagen, sind auch sehr unmotiviert. Halten immer mal wieder an um eine „gaseosa“ also ein kohlensaeurehaltiges Erfrischungsgetraenk zu sich zu nehmen oder falls man den einen oder anderen Bauern nicht findet, ist das auch nicht allzu schelcht, da man frueher Feierabend machen kann. 


Nach dem Besuch der Finka und sehr grosszuegigen Geschenken, naehmlich 1 kg des Geisha-Kaffees, der zweit teuersten Kaffeesorte (die sogar gar nicht fuer den kommerziellen Verkauf und Verbrauch gedacht ist), war ich froh danach 2 Wochen nach Lima zum Zwischenseminar zu fahren. Ich war und bin verwirrt und eine Loesung  oder Antwort finde ich nicht fuer all das. Ich bin aber froh, dass ich diese Erfahrung aus erster Hand mache und nicht aus der Presse oder der Schule mir die Meinung aufgedrueckt bekomme. 



Dead Aid- ein Buch der sambische Ökonomin Dambisa Moyo in dem sie kritisch ein Ende der klassischen Entwicklungshilfe (Notfallhilfen nimmt allerdings explizit von dieser Forderung aus) innerhalb von 5 Jahren befuerwortet.

Sehr interessantes Interview: