Mittwoch, 23. Februar 2011

NRO- Dead Aid? (Tote Hilfe?)


An meinem letzten Arbeitstag vor meiner Reise nach Lima zum Zwischenseminar besuchten Erik und ich die riesige,ueber 100h grosse Kaffeeplantage von Herrn Hans Brack. Er ist einer der vielen deutschen Nachkommen in Villa Rica und Umgebung, und hat ueber 4 Generationen Kaffeeerfahrung, deshalb ist er auch Spitzenreiter in Allem.


Brack wusste schon das wir bei der Nichtregierungsorganisation DESCO arbeiten und immer wieder wiederholte er seinen Hass auf die NRO (der aeltere Herr leitet unter einer Nervenkrankheit). Obowohl mir sein Krankheitsfall mir bekannt war,  war klar spuerbar wie sehr er nicht mit der Politik von DESCO uebereinstimmt. Er, der Vorreiter, erzaehlte uns nicht nur Theorien, sondern zeigte uns Schritt fuer Schritt wieso und weshalb etwas falsch ist (immer in Bezug auf was DESCO macht).

Die Kaffeestaude
Angefangen mit der komplementaer Pflanze Banane, die DESCO von dem einem Bauern abkauft fuer 1 Sol pro Staude mit Wurzeln (-> Geldquelle fuer den Kleinbauern) und die Pflanze an einen anderen Kleinbauern zu verkaufen (um sie wieder einzupflanzen/ ein zweites Standbein zu schaffen fuer die Kleinbauern, da die Bananenpflanze das ganze Jahr produziert (Kaffee bloss 1 ½ jaehrig)/ Bodendegradierung zu vermeiden), wobei der Bauer erst bei der ersten Ernte das Geld an DESCO bezahlt, und auch nur die Haelfte. Gut, soweit die Theorie von der ich ueberzeugt war und mit Seele und Taten mitgeholfen habe. Hans Brack zeigte uns, dass die Kleinbauern, die eh nur so wenig haben (0,5 h- 3 h -> im Gegensatz zu Brack der 100h besitzt), dieses nur noch aermer macht. Und wieso? Ganz klar, wenn man Ahnung von Landwirtschaft in der Selva hat und die Kenntnisse ueber die genannten Pflanze n besitzt. Kaffee und Banane besitzen flache, brettaehnlich Wurzeln. Beide benoetigen Kalium, nehmen sich das gegenseitig weg und somit produziert die Kaffeepflanze weder Kaffee, noch die Bananenpflanze Bananen. Somit verarmen die sowieso schon aermste Bevoelkerungsschicht noch weiter. So... Und wo liegt die Wahrheit? In der Mitte? Glauben tue ich eher Brack, da er die gewisse Erfahrung hat. Nicht umsonst waere er zu so einem Reichtum gekommen.

Ein "Kaffeetal" mit Bananenpflanzen

Ausserdem bezeugt er, dass keiner in der Selva arm sein muesste. Davon war ich auch ueberzeugt. Ich meinte nicht materialistisch, sondern das keiner hier hungern muesste (ueber das ganze Jahr wird produziert). Er hingegen meinte, dass in der Selva baja (also die waermere Selva) jeder Mensch 40 h besitzen muesste/koennte, nur da spielt die Regierung nicht mit (will es wahrscheinlich auch nicht). In der „Augenbraue der Selva“ wo ich lebe, koennte jeder 10 h besitzen und somit koennte eine Familie sich gut unterhalten und die Kindern auf die Universitaeten schicken. 

DESCO hat „Theorien“ wie z.B. mit dem Abschneiden der alten Kaffeepflanzen und es klingt immer sehr ueberzeugend, wenn den Bauern und mir eine moderne Powerpointpraesentation gezeigt wird. Aber keiner der Ingenieure, die natuerlich auch Kaffee privat anbauen, wendet die Theorie an ihrer Finka an. Laesst das nicht schon zu denken? Brack hat seine Meinung dazu: Die Theorien wurden aufgestellt in den Universitaeten, weit weg von dem Ort des Geschehens; nichts wurde erprobt und alles ist bloss „Theorie“ ohne Absicherung ob es wirklich funktioniert. Die Arbeiter von der NRO sind jung und unerfahren, meistens haben sie bloss 25 Jahren. Die Kleinbauern haben fast genauso wenig Ahnung von Kalzium, Kalk und PH-Wert wie ich. Wenn ihnen jemand etwas plausibel erklaert, wird das nicht geglaubt? Und wer leited dann darunter? Wieder die jednigen, die hilflos und naiv ihrer Familie zu einem hoeheren Lebensstandart verhelfen wollen. Die meisten Arbeiter, muss ich erlich sagen, sind auch sehr unmotiviert. Halten immer mal wieder an um eine „gaseosa“ also ein kohlensaeurehaltiges Erfrischungsgetraenk zu sich zu nehmen oder falls man den einen oder anderen Bauern nicht findet, ist das auch nicht allzu schelcht, da man frueher Feierabend machen kann. 


Nach dem Besuch der Finka und sehr grosszuegigen Geschenken, naehmlich 1 kg des Geisha-Kaffees, der zweit teuersten Kaffeesorte (die sogar gar nicht fuer den kommerziellen Verkauf und Verbrauch gedacht ist), war ich froh danach 2 Wochen nach Lima zum Zwischenseminar zu fahren. Ich war und bin verwirrt und eine Loesung  oder Antwort finde ich nicht fuer all das. Ich bin aber froh, dass ich diese Erfahrung aus erster Hand mache und nicht aus der Presse oder der Schule mir die Meinung aufgedrueckt bekomme. 



Dead Aid- ein Buch der sambische Ökonomin Dambisa Moyo in dem sie kritisch ein Ende der klassischen Entwicklungshilfe (Notfallhilfen nimmt allerdings explizit von dieser Forderung aus) innerhalb von 5 Jahren befuerwortet.

Sehr interessantes Interview:

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