Langsam, langsam verabschiedet sich der Regen. Hoffentlich, hoffen tu ich und die Bevoelkerung oestlich der Anden in Peru.
Unzaehlige Stunden hat der Regen genervt. Kinder sind nicht in den Kindergarten gegangen, Arbeiter wollten und konnten nicht arbeiten, und ich quaelte mich aus dem Bett, in die Gummistiefeln, in meine Regenjacke, in mein Regenponcho und kam trotzdem „zu spaet“ und durchnaesst an. Zu spaet, da ich gewartet habe in meinem warmen Bettchen bis der Regen doch gnaedig sein wird und vielleicht aufhoert.
Es gibt zwei unterschiedliche Regentypen, wie die Menschen es behaupten: macho (Maennchen) und hembra (Weibchen). Der macho-Typ regnet heftig und verschwindet den Tag ueber auch wieder und laesst die Sonne die aufgeweichten Strassen trocknen. Der hembra-Typ, nervt den ganzen, ganzen heiligen Tag und verschwindet nicht. Der Regen ist nicht heftig, aber das ist umso schlimmer, denn weder Warten noch Rausgehen lohnt sich nicht. (Ein tolles Beispiel des Machismus.).
Als ich angekommen bin, fielen mir erst nach einer gewissen Zeit die Regenrinnen auf, die zwischen der Strasse und Gehweg sich befindet. Als mir die Villaricanesen erzaehlt haben, dass das sehr nuetzlich ist und die 60 cm tiefe und 60 cm breite Rinne sich fuellt mich schmutzigem Wasser, lachte ich bloss. „Unmoeglich“, so klang mein Fazit. „Ach, ich glaub das nicht.“, klang mein Fazit nachdem mehrere Personen mir glaubhaft machen wollten, dass das Baechlein welches durch Villa Rica fliesst, sich so weit ausbreiten wird und an Tiefe gewinnen wird, dass man 50m Entfehrnung eine Schutzmauer bauen musste, die 1 m ueber der Strasse liegt und ca 3-4 m Hoeher liegt als das Flussbrett. Na gut, ich wurde eines besseren belehrt.
Dieses Jahr fiel besonders viel Regen, nach Angaben der Selvaner. Ich persoenlich, fand es nicht besonders schlimm, aehnlich wie in Hamburg, wo es tagein und tagaus Regnen kann. Nervend wird es aber doch, wegen der fehlenden Infrastruktur, da weder es Wasser noch Strom gibt, wenn es heftig regnet. Die ungeteerten Strassen, verwandeln sich in Schlammmassen, die es unmoeglich machen unbeschmutzt zur Arbeit oder zur Schule mit sauberer Schuluniform zu kommen. Da frag ich mich doch, ist es besser gleich mit Flip-Flops oder doch lieber mit Gummistiefeln auf die Strasse sich zu wagen.
Sommer, Sonne, Sonnenschein in Lima und an der Kueste. In der Sierra und in der Selva ist es aber „Winter“. Die meisten mit denen ich geredet habe, wussten gar nicht, dass es hier auch Sommer ist, nur, dass es regnet und somit die Temperatur sinkt und es sich abkuehlt. Da Lima, die Hauptstadt ist und alles sich sowieso in Lima abspielt, wegen der Zentralisierung, wurde beschlossen, dass die alle Schulkinder Sommerferien haben, aber doch leider spiegelt das bloss 11% von Peru wieder. Sierra (15% der Landflaeche) und Selva (64% der Landflaeche) ist es kalt in der Regenzeit und somit bleibt mir die Frage, was die Kinder in der freien Zeit machen sollen, mehr Fernsehen als sie sonst schon tun? Wieso die laengsten Ferien, zb in der Region des Kaffeesanbaus nicht in der Zeit legen? Die Schulkinder werden in der Zeit nicht zur Schule gehen, da sie den Eltern und Grosseltern, Tanten und Onkeln helfen muessen bei der langwierigen Ernte, die von April bis August dauert (die intensivste Ernte ist von Mai bis Juni).
| Natuerlich habe ich es nicht geschafft im "tiefsten" Moment das Foto zu machen |
Als ich nach Izcosasin Anfang Maerz gefahren bin, mussten wir zwei lange und tiefe Fluesse ueberqueren mit unserem Pick-Up. Diese Autos braucht man hier, um nicht um Schlamm zu versinken (mit 4-Rad-Antrieb) oder die Hoehe des Fahrzeuges um einen Fluss zu ueberqueren. Viele Autos haben ein Rohr, dass vom Motor ueber die Windschtzscheibe langt, um den Motor von Wasser zu befreien, falls er wortwortlich abgetaucht ist.
In einem kritischen Moment, mein Herz blieb mehrmals stehen, langte das Wasser sogar bis zum Fenster.
Asi es la vida, c’est la vie, so ist das Leben im regenreichen Jahr in der Selva.
Zum Schluss noch ein paar Fotos aus Pucallpa von Alessandro Huelser, auch ein weltwerts-Freiwilliger, die die Ueberschwemmungen in diesem Jahr zeigen:
