Donnerstag, 31. März 2011

Das Phaenomen des Sommers


Langsam, langsam verabschiedet sich der Regen. Hoffentlich, hoffen tu ich und die Bevoelkerung oestlich der Anden in Peru. 

Unzaehlige Stunden hat der Regen genervt. Kinder sind nicht in den Kindergarten gegangen, Arbeiter wollten und konnten nicht arbeiten, und ich quaelte mich aus dem Bett, in die Gummistiefeln, in meine Regenjacke, in mein Regenponcho und kam trotzdem „zu spaet“ und durchnaesst an. Zu spaet, da ich gewartet habe in meinem warmen Bettchen bis der Regen doch gnaedig sein wird und vielleicht aufhoert. 

Es gibt zwei unterschiedliche Regentypen, wie die Menschen es behaupten: macho (Maennchen) und hembra (Weibchen).  Der macho-Typ regnet heftig und verschwindet den Tag ueber auch wieder und laesst die Sonne die aufgeweichten Strassen trocknen. Der hembra-Typ, nervt den ganzen, ganzen heiligen Tag und verschwindet nicht. Der Regen ist nicht heftig, aber das ist umso schlimmer, denn weder Warten noch Rausgehen lohnt sich nicht. (Ein tolles Beispiel des Machismus.).

Als ich angekommen bin, fielen mir erst nach einer gewissen Zeit die Regenrinnen auf, die zwischen der Strasse und Gehweg sich befindet. Als mir die Villaricanesen erzaehlt haben, dass das sehr nuetzlich ist und die 60 cm tiefe und 60 cm breite Rinne sich fuellt mich schmutzigem Wasser, lachte ich bloss. „Unmoeglich“, so klang mein Fazit. „Ach, ich glaub das nicht.“, klang mein Fazit nachdem mehrere Personen mir glaubhaft machen wollten, dass das Baechlein welches durch Villa Rica fliesst, sich so weit ausbreiten wird und an Tiefe gewinnen wird, dass man 50m Entfehrnung eine Schutzmauer bauen musste, die 1 m ueber der Strasse liegt und ca 3-4 m Hoeher liegt als das Flussbrett. Na gut, ich wurde eines  besseren belehrt. 

Die wenigen Male, die ein Mitarbeiter sich auf das Campo gewagt hat und ich mit, waren katastrophal. Die Strassen verwandeln sich zu Baechen, Flusskrebse spazieren auf der Matsch-Wasser-Strasse, die bergab fuehrt. Die zahlreichen Baeche, die die Strasse durchqueren, verwandeln sich in brausende Wasserfaelle oder reissende Fluesse und es muss gewartet werden, bis das rot-braune Wasser abfliesst. Rot-braun ist die Farbe des Wasser, so wie die Farbe des Bodens, der Erde. Machmal muessen wir uns in ein Huehnerhaeuschen verstecken, wenn die Bauern nicht vorzufinden sind. Ich dachte, als mir von dem Alptraum Regenzeit erzaehlt wurde, dass die Anwohner sich daran gewoehnt haben muessen, nach all den Jahrzenten des Phaenomens. Aber nein, aber wenn es „pieselt“, bliebt das Leben stehen, aber dies hat auch mit dir Gemuetlichkeit und des Lebenstils zu tun. 

einfach abwarten

Dieses Jahr fiel besonders viel Regen, nach Angaben der Selvaner. Ich persoenlich, fand es nicht besonders schlimm, aehnlich wie in Hamburg, wo es tagein und tagaus Regnen kann. Nervend wird es aber doch, wegen der fehlenden Infrastruktur, da weder es Wasser noch Strom gibt, wenn es heftig regnet.  Die ungeteerten Strassen, verwandeln sich in Schlammmassen, die es unmoeglich machen unbeschmutzt zur Arbeit oder zur Schule mit sauberer Schuluniform zu kommen. Da frag ich mich doch, ist es besser gleich mit Flip-Flops oder doch lieber mit Gummistiefeln auf die Strasse sich zu wagen.

"spontaner" Wasserfall

Sommer, Sonne, Sonnenschein in Lima und an der Kueste. In der Sierra und in der Selva ist es aber „Winter“. Die meisten mit denen ich geredet habe, wussten gar nicht, dass es hier auch Sommer ist, nur, dass es regnet und somit die Temperatur sinkt und es sich abkuehlt. Da Lima, die Hauptstadt ist und alles sich sowieso in Lima abspielt, wegen der Zentralisierung, wurde beschlossen, dass die alle Schulkinder Sommerferien haben, aber doch leider spiegelt das bloss 11% von Peru wieder. Sierra (15% der Landflaeche) und Selva (64% der Landflaeche) ist es kalt in der Regenzeit und somit bleibt mir die Frage, was die Kinder in der freien Zeit machen sollen, mehr Fernsehen als sie sonst schon tun? Wieso die laengsten Ferien, zb in der Region des Kaffeesanbaus nicht in der Zeit legen? Die Schulkinder werden in der Zeit nicht zur Schule gehen, da sie den Eltern und Grosseltern, Tanten und Onkeln helfen muessen bei der langwierigen Ernte, die von April bis August dauert (die intensivste Ernte ist von Mai bis Juni).


Natuerlich habe ich es nicht geschafft im "tiefsten" Moment das Foto zu machen

Als ich nach Izcosasin Anfang Maerz gefahren bin, mussten wir zwei lange und tiefe Fluesse ueberqueren mit unserem Pick-Up. Diese Autos braucht man hier, um nicht um Schlamm zu versinken (mit 4-Rad-Antrieb) oder die Hoehe des Fahrzeuges um einen Fluss zu ueberqueren. Viele Autos haben ein Rohr, dass vom Motor ueber die Windschtzscheibe langt, um den Motor von Wasser zu befreien, falls er wortwortlich abgetaucht ist. 

In einem kritischen Moment, mein Herz blieb mehrmals stehen, langte das Wasser sogar bis zum Fenster.
Asi es la vida, c’est la vie, so ist das Leben im regenreichen Jahr in der Selva.

Zum Schluss noch ein paar Fotos aus Pucallpa von Alessandro Huelser, auch ein weltwerts-Freiwilliger, die die Ueberschwemmungen in diesem Jahr zeigen:





Montag, 21. März 2011

100 Jahre Internationaler Weltfrauentag


In Polen wird er gross gefeiert. Jede Frau bekommt Rosen, ob vom Vater, Freund, Opa oder Klassenkamaraden. In Deutschland weiss ich es gar nicht so recht. Ich glaube es wird begluecktwuenscht.
Aber in Peru?
Seit 100 Jahren gibt es den Weltfrauentag. Angefangen hat alles in New York. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas(SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, welches beschloss, einen besonderen Tag ins Leben zu rufen,  um fuer das Frauenstimmenrecht zu kaempfen. Die Idee gefallen vielen Menschen auf der Welt. Und somit wurde der erste richtige Weltfrauentag 3 Jahre spaeter,  Maerz 1911,  in vier Laendern gefeiert (Daenemark, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz).


Ein paar Tage vor dem 8.03.2011:
Mein Chef hat mich zu sich gerufen und mich nach meiner Meinung zu einem Logo gefragt fuer den Weltfrauentag, fuer eine „Reunion“ in Izsosasin. Zur Auswahl hab es etwas, was ich nicht sofort wiedererkannt habe:

Mir aber gefiel etwas subtiles und feines. Eine abstrakte Rose und eine abstrakte Frau gab es darauf zu sehen.
Meinem Chef gefielen aber beide Logos nicht sonderbar und somit bekam ich meine erste sinnvolle Aufgabe seit ich hier angekommen bin, ein Logo selber zu entwerfen oder zu finden mit einem Slogan. Als mein Chef mich gefragt habe welches Logo ich lieber mag, dachte ich an meine eigene Meinung was eine Frau wiederspiegelt- etwas zartes und doch starkes. Aber das wurde gar nicht gefragt, sondern welche Adjective beschreiben eine Frau in Izsosasin, welches Bild verkoerpert eine Frau, die hart auf den Kakaofeldern arbeitet, die Haus, Tier, Feld, Kinder und Mann pflegt. 

Ich fuhr spaeter auch nach Izsco fuer ein paar Tage, da ich als Frau eingeladen wurde. Die verschiedenen Presentationen und die verschieden Presentadoren waren „normal“ meiner Meinung, nichts besonderes und die Referate nicht sehr tiefgruendig. Aber das spaetere Feetback war beachtlich. Die 300 Frauen aus der Hinterwaeldern von Izscosasin (Izsco selbst ist winzigklein, besteht jediglich seit 25 Jahren und bis heute hat es keinerlei Infrastruktur: kein Handynetz, kein Internet. Strom gibt es mal 3 Tage nicht und falls es ihn gibt, geht er 10 mal pro Tag fuer 30 min weg), haben zum ersten Mal davon gehoert, dass sie Rechte haben als Frau. Was fuer ein Feedback! Zum ersten Mal haben diese vielen Frauen davon gehoert, dass sie eine Meinung haben, dass sie mitbestimmen MUESSEN (!) wie viele Kinder sie haben wollen, dass Schlaege und Vergewaltigungen STRAFTATEN sind. Frauen die wirklich und wahrhaftig mehr leisten als ihre Maenner, bekommen kein Dank, keine Beachtung, nur Schlaege (Aussagen von Frauen). Ihre Maenner gehen von 8 Uhr frueh bis 17 Uhr arbeiten, zwischendruch haben sie eine 2 stuendige Siesta. Und ihre Frauen? Sie arbeiten bis spaet in die Nacht um fuer ihre Maenner, Kinder und sie selbst du kochen fuer das Mittagessen, welches sie mitnehmen auf ihre Finka. Putzen, waschen, Huehner, Meerschweinchen und Kuehe pflegen. 
 
Als eine Referatin und ich uns eine Kokosnuss kaufen wollten am selben Tag am fruehen Abend, sassen wir uns an einem Tisch wo ein aelterer Herr zu Abend ass. Wir kamen ins Gespraech und wir erzaehlten, dass wir fuer den Weltfrauentag hier waeren. Und der aeltere Mann unterbrach uns sofort und sagte: „ Ach, die Frauen. Immer meckern sie, immer wollen sie mehr diese Nichtstuer.“. Eine Meinung von vielen, wie Frauen gesehen werden. Putzen, kochen, waschen, buegeln, Kinder sorgen sei ja keine Arbeit. Und Frauen wuerden auf den Feldern eh nicht so stark mithelfen, da sie schwach sind. Statistiken belgen aber das Gegenteil, die Frau traegt nicht so viel wie ein Mann, dafuer aber haeufiger! Somit arbeitet sie MEHR als ein Mann, der sie aber als ein Nichtstur beschimpft, schlaegt und sie sexuell vergewaltigt. Sie verdient auch weniger, genau 10 Soles weniger! Eine Frechheit. 

Mir war das alles bewusst und nichts Neu, aber fuer diese Frauen haben sich Horizonte und Zuenfte geoeffnet. Hoffnungen habe sie bekommen. Gesetze in die Hand gedrueckt bekommen, oeffentliche Stellen fuer Hilfe und alles was sie braeuchten.
Wenn NGOs Praesentationen halten, in der Einladung zurvor verschickt adressiert an die ganze Familie, kommen die Maenner, natuerlich ohne Kinder. Wenn wir die Frauen spaeter ansprechen, wieso sie nicht gekommen sind, antworten sie mit Gegenfragen, wer denn fuer ihre Kinder aufpassen sollte und wer denn die ganzen Arbeiten erledigt haette. Als sie Einladung nur an Frauen adressiert wird, muessen sie morgens frueher ausstehen oder abends spaeter ins Bett gehen um die Besorgungen und andere Taetigkeiten fuer die naechsten Tag zu erledigen. Natuerlich muessen sie auch ihre Kinder mitbringen und die NGOs muessen sich dafuer etwas einfallen lassen, z.B. die Kinder mit Bonbons vernuegen, damit sie 3 Stunden „mas o menos“ ruhig sind.
Alles in allem, hat sich auch mein Horizont geweitet. Nicht nur an mich denken und was ich weiss. Sondern sich Stufen, Bildungen und Lebensbedingungen runterzustellen um das richtige Logo, Themen fuer Referate und Gespraeche zu finden. 

Der 8. Maerz, der interationale Weltfrauentag (internaccional dia de la mujer), ist sogar in die tiefsten Urwaelder dieser wundervollen Erde vorgedrungen um die Gleichberechtigung von Frau und Mann und all die anderen Themen zu besprechen!

La mujer es la mitad de la población mundial y madre, de la otra mitad.
Die Frau ist die Haelfte der Weltbevoelkerung und Mutter der anderen Haelfte.




Mittwoch, 16. März 2011

Bosque (Wald) Sho'llet



Das war ein einzigartiger Tag. Mit dem Motorad sind Socrates, mein Freund, und ich zum Reservepark gefahren, der links und rechts von der Schotterstrasse zwischen Villa Rica und Oxapampa liegt im Nebelwald. Unbeachtet von vielen Touristen und Einwohnern,  gebuehren dem Nanowald viel mehr Aufmerksamkeit als er bekommt.


gut getarnter gruener Vogel
Der Boden ist beschmueckt
Seit Februar sollte DESCO eigentlich auch dort im Reserveschutz arbeiten, sowohl als auch an der Lagune in Villa Rica selbst, als Foerderung des laendlichen Tourismus. Aber die Gelder vom Fondo Peruano sind noch nicht da (wohl gemerkt es ist schon Mitte Maerz!). 


Ein Grund wieso keiner dem Wald viel Interesse schenkt, ist vielleicht die fehlenden Pfaede, Informationen und vor allem Infrastruktur. Falls ein Tourist sich dorthin „verirren“ moechte, muesste er ein normales Collectivo (zu 4 oder mehr geteiltest Taxi) von Villa Rica nach Oxapampa nehmen und dann auf halber Strecke aussteigen. Der Weg zurueck ist problematischer, da man so lange warten muesste, bis ein Auto gnaedig waere und ihn mitnehmen wuerde (auch sehr gefaehrlich fuer beide: Fahrer und Tourist) oder ein Colletivo vorbeikommt. Aber die Collectivos sind meistens schon voll, denn sie fahren erst ab, wenn alle Plaetze belegt sind. 

Und auch wenn der Tourist das alles im Vorfeld geplant hatte, muesste er sich gut auskennen oder jemanden mitgenommen der sich gut auskennt. Broschueren,Mappen oder sonstiges Infomaterial gibt es nicht.
Deswegen koennten wir bloss eine der drei Lagunen finden, obwohl Socra ein paar Mal dort war. 

wilde Orchideen
Der Park ist aber bezaubernd- atemberaubend. Ich befand mich fuer 1 Stunde in einer neuen Welt (eine Stunde, da das Motorad bei der Strasse stand, und die Selva Central ist nicht gerade bekannt fuer ihre Sicherheit (Terrorismus gibt es bis heute, obwohl es „laut Regierung“ keine mehr seit 2001 gibt)). Alle Pflaenzchen waren minimalistisch-klein und nicht viele. Aber diewinzigen Pflaezchen habe ich noch nie zuvor gesehen. Falls es im grossen Reich der Gallazie ein anderen Planet gibt der bewohnbar ist, stelle ich mir ihn genauso vor, wie der magische Bosque Shollett.

Da kein anderer Mensch dort war, waren wir ganz allein auf den ganzen hektern. Nur die Natur und wir.
Ein wundervoller Wald, den hoffentlich mehr Menschen in Zukunft ihn Zuerleben bekommen.