Nichts ahnend fuhr ich mit auf das Campo mit einer Mitarbeiterin, die ein neues Projekt gestartet hat, dass sich mit Wiederaufforstung beschaeftigt. Begleitet wurden wir von der municipalidad also der Gemeindeverwaltung. Bei den langen Wartezeiten bis der Fluss an Wasser verliert oder beim Warten bis alle Menschen sich versammeln etc, kommt man ins Gespraech. Irgendwie kamen wir auf das Thema „Catacion“, ich weiss nicht wie das richtige deutsche Wort dafuer uebersetzt ist, ... Kaffeeverkoestigung, Kaffeetester o.ae. Sie erzaehlte mir, dass ein Kurs gestartet sei, um die Qualitaet des Kaffees und die Aufmerksamkeit der Bauern auf Qualitaet zu lenken, aber nur fuer die cafeteleros, Kaffeebauern, oder die im Institut fuer Kaffee und Kakao lernen.
Mich haelt aber nichts davon ab, trotzdem zu fragen, ob ich mitmachen kann. Mit zwei, drei schnell angehaengten Argumenten an meine Frage, nachdem ich den verirrten Blick meiner Gespraechspartnerin gesehen habe, sagte sie : „Wieso denn eigentlich nicht!?“.
Und so fing die schoene Geschichte an, meine Geschichte der Catacion.
Ich wusste schon vorher, dass ich „ein Talent“ habe (Talent ist zu stark ausgedrueckt), denn verschiedene Marken, Flaschen von Wasser kann ich am Geschmack erkennen. Und Wasser ist nicht gleich Wasser. Wenn mir ein Glas Wasser eingeschenkt wird, merke ich sofort, dass es z.B. eine Wasserflasche von Aldi ist. Ich finde es schmeckt bitter, das mag wohl an den zugesetzten Mineralien liegen, schmecken tut es mir jedoch nicht. Meiner Mutter faellt so etwas nie auf. Als wir zu Besuch waren, habe ich einen Witz gemacht, dass sie Wasser bei Aldi einkaufen, daraufhin erzaehlte mir der Mann, dass ich zwei Tassen schwarzen Tee machen soll. In die eine Tasse Zucker hinzufuegen sollte und dann allein am Geruch feststellen, welche Tasse gezuckert und welche ungezuckert ist. Von vornerein war mir klar, dass Zucker ein Geruch hat und somit es gar kein „Test“ , ob ich feine Geschmacksnerven habe. Nun gut, meine Mutter, Oma und Opa haben getestet und wussten es nicht. Ich habe richtig geraten. Das war aber 2007.
Jetzt hatte ich die Moeglichkeit reinzuschnuppern in die Welt des grossen Testens. Nach einem (Schnupper)Kurs von zwei Wochen wurden, die anfaenglichen 90 Personen die sich eingeschrieben hatten, nach Begabung und Lernlust die Gruppe runderreduziert auf 16 Personen. Denn die Gemeinde hat 50 000 Millionen in den Kurs investiert um Kaffeepruefer auszubilden. In Peru gibt es allein nur 2-5 qualifizierte Tester, bei Wettbewerben hier in der Stadt wurden immer Tester aus anderen Laendern eingeflogen, denn es gab im Land und im Umkreis keine/wenige (die Zeit hatten).
In den zwei Wochen, haben wir jeden zweiten Tag drei Stunden alles ueber den Geschmack an sich, Kaffee, Theorie des Testens und der korrekten Vorgehensweise etc. etc. etc. gehoert, gelernt und erprobt.
Es begann auch gleich am ersten Tag interessant an: vier Geschmackssinne (plus einen neuen in der Wissenschaft, der 5 Geschmackssinn: Umami, fuer den orientalischen Geschmack, der einem sehr gefaellt, aber nicht einordnen kann, wieso der einem gefaellt). Anders als in der Schule, lernten wir nicht nur die Theorie, sondern erprobten auch. Es wurden 4 Becher mit einer durchsichtigen Substanz vor uns gestellt. Mit einem vorher eingetunkten Wattestaebchen sollten wir die Zunge beruehren in verschiedenen Zonen. Das Wasser war gesuesst, welches ich aber nicht geschmeckt habe in der hinteren Zungenpartie. Man schmeckt den Geschmack nur Vorne an der Zungenspitze. Was fuer ein Naturwunder! Dabei habe ich auch einmal mehr gemerkt, dass wir „essen, da wir essen“, aber es nicht richtig wahrnehmen. Wie oft habe ich schon in meinem Leben gegessen. Wie oft habe ich ueber Geschmack gehoert, dass es fuer jede Geschmacksrichtung eine Zone gibt. Aber gemerkt/ausprobiert habe ich es nicht. Das gleiche gilt auch fuer die anderen drei Geschmackrichtungen: sauer, bitter und salzig.
Nach dem Wattestaebchen, sollten wir „schluerfen“. Und wieder die Erkenntniss, dass ich es sehr bewusst nur an einen paar Millimetern den Geschmack wahrgenommen habe!
Die naechsten Theoriestunden waren auch sehr spannend, aber vieles war mir schon bekannt, auf Grund der zahlreichen Kurse, die desco gehalten hat. Langweilig fande ich die ganzen Krankheiten zu lernen, denn die meisten Kursteilnehmern sind mit dem Kaffeeanbauen aufgewachsen und kennen sie in- und auswenidig. Fuer mich sahen die ungeroesteten Bohnen alle gleich aus, nur mit einem schwarzen Punkt mehr oder weniger, bisschen verkruemmt und halt ein bisschen heller : )
Ganz oft haben wir Fruechte, Schokolade und Kaffee getestet und Punkte verteilte nach Saeure, Suesse, Bitter und Salzgehalt, was sich leichter anhoert als es ist: „Ist die Organge weniger suess als die Papaya, ist Zartbitterschokolade salziger als eine Traube?“. Alle Lebensmittel MUESSEN alle vier Basisgeschmackrichtungen aufweisen... was man schwer glauben mag, dass Kaffee auch salzig schmeckt.
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| Krankheiten: Namen,Ursache,Veraenderung des Geschmacks etc |
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Das Kaffeeschluerfen und beschreiben, fand ich sehr interessant, obwohl das Fachvokabular natuerlich fehlte (gerstig, floral, ranzig...). Ich stellte mir Tester als einen Job sehr angenehm vor, den ganzen Tag „rumprobieren“ und ein bisschen notieren. Aber es ist so viel mehr Arbeit als man es sich vorstellt. Erst im Labor ueberprueft man in 350g ungeroesteten Kaffee, wie viele Krankheiten es gibt, zaehlt jedes einzelne Korn, wiegt dies und rechnet die %- Zahlen aus. Alle Sorten Kaffee muessen die gleiche Farbe bei der Roestung bekommen, dies musst ueberprueft werden, ein Tag spaeter wird der Kaffee gemahlen. Jede Sorte Kaffee muss minimum 3 mal getestet werden: heiss, lauwarm, kalt. Die Kaffeesorten waren jetzt nicht so lecker (auch vom letzten Jahr und mit relativ vielen Defekten) und somit war es eine Qual drei Tassen der gleichen Sorte drei Mal zu testen und insgesamt gab es 8 Sorten. Spass gemacht hat es trotzdem.

Ich lernte schoen fleissig, vor allem Fachwoerter und Anbau von Kaffee. Und schon war es so weit mit dem Test, der alle Teilnehmer unter die Lupe nehmen konnte. Ich wusste von vornerein, dass ich nur diese zwei Wochen mitmachen konnte, da ich keine Kaffeebaeuerin bin, aber ich moechte auch niemanden sein wertvolles Stipendium wegnehmen, welches eventuell das Leben aendern koennte und eine riesige Chance bietet. Der praktische Test war wichtiger als der Theorietest um 80%. Nicht jeder Mensch hat die Faehigkeit Tester zu sein. Raucher, „Alkohlgeniesser“ und Menschen die gerne scharf essen, besitzen in vielen Faellen „nicht mehr“ die Feinheit der Geschmacksnerven. Der Theorietest war relativ einfach und der praktische Test bestand aus 8 Spielen mit jeweils 3 Tassen. Jede Tasse hatte einen Geschmack und zur Auswahl standen 2 verschiedene Intensivitaetsstufen. Unsere Aufgabe war es alle Tassen zu probieren und in das Schema mit x einzufuellen. Nach dem Test redeten alle durcheinander und mir schien es, als habe ich die Aufgabenstellung falsch verstanden. Die anderen stimmten mir ueberein als ich meine Ergebnisse erzaehlt habe.
Drei Tage spaeter bekam ich die Antwort, dass ich von 70 Teilnehmerin aus ganz Villa Rica als Beste abgeschnitten habe mit 98 %. Ich hatte nur einen Fehler gemacht beim Theorietest. Platz 2 und 3 hatten 80% richtig. Ich konnte es nicht glauben, habe mich sehr gefreut. Auch da es mein erster Test auf Spanisch war. Obwohl und vielleicht auch deswegen, da es nicht sehr wichtig war, wie ich abschneide, konnte ich mich ganz darauf einlassen... und obwohl ich dachte, dass ich ganz falsch lag, lag ich richtig!
Hoch lebe Kaffee!
PS: Da ich so gut abgeschnitten habe, werde ich vielleicht 17 Person sein die weitermachen darf, aber nur als Zuschauerin. Das Angebot ging vom Buergermeister hochpersoenlich aus : )