Freitag, 17. Dezember 2010

Reisefiebrig

Die Tage gehen, die Tage kommen. Monate gehen und Monate kommen. Vorfreude steigt mit jeder Sekunde, Stunde, mit jedem vergangenen Tag. Bald gehts los! Urlaub ist angesagt. Fuer 3 Wochen werde ich hin und her Reisen. Im Allgemeinem „nur“ in Nordperu und Ecuador. Auf der Landkarte sehen die Abschnitte mikrig klein aus, so wie ein Tagesausflug, maximal ein Wochenendausflug. Doch das irrt gewaltig. Allein fuer meine erste Station brauche ich 2 Tage. Von Villa Rica nach Lima 10 Stunden Busfahrt, rasante, riskante, voller Serpentienen und Erdrutschgefahren. Von Lima nach Moyobamba sind es etwa 24 Stunden...

Die Nordkueste erstreckt sich 1300km lang inmitten einer Wuestenlandschaft und inmitten der Wuestenlandschaft Oasen. Im sommerlichen Peru werde ich von Stadt zu Stadt, von Fischerdorf zu Fischerdorf, von Fischrestaurants zu Fischrestaurants gehen, wandern oder fahren.

Mein Plan sieht folgendermassen aus. Zu beachten ist doch, dass in Peru niemals etwas nach Plan gelingt- deswegen ist der Plan auch nur ein Plan in „mas o menos“ Sinne.

18.12 - 25.12 Moyobamba
25.12 - 27.12 Chiclayo
27.12 - 29.12 Piura
29.12 - 01.01 Máncora
01.01 - 02.01 Tumbes
02.01 - 04.01 Cuenca (Ecuador)
04.01 - 06.01 Riobamba
06.01 - 09.01 Quito
09.01 – nach Hause auf schnellstem Wege, der wahrscheinlich eh viel zu lange dauern wird…

Bis Moyobamba, in der noerdlichen Selva, werde ich allein sein. In Moyobamba sind 4 Freiwillige bei denen wir schlafen werden. Auch Weihnachten verbring ich mit anderen Freiwilligen aus Pucallpa bei denen in Moyo. Zusammen, ca. 10 Leute, fahen wir nach Chiclayo. Versuchen werden wir immer bei anderen Freiwilligegn zu uebernachten, somit vermindern sich die Kosten fuer die Reise immens. Denn Essen und Transportkosten sind laecherlich gering. Ausserdem ist es schoen die Staedte nicht von der touristischen Seite zu sehen, sondern von der „dort lebenden Bevoelkerung auf Zeit“, also und Weltwaertslern : )

Ich freu mich den Sommer an der Kueste zu geniessen, neues zu entdecken und neue Seiten an bezaubern Peru zu sehen. Viel Fisch zu essen, Sonne zu tanken, mich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen wie es denn uns ginge.

Auf geht’s zum Weltwaerts-Toursimus :D



Mittwoch, 15. Dezember 2010

Luegen haben kurze Beine und ein noch schlechteres Gewissen



Eigentlich nennen mich und beschreiben mich hier alle als „taff“. Taff, da ich hier ohne meinen „Eheman“ (wie kann denn eine Frau ohne Ehemann reisen); taff, da ich ohne meinen Vater in Peru bin  (wie kann denn als Senorita ohne Vater reisen); taff, da ich mich ohne Probleme eingelebt habe und alles mit vollen Zuegen geniesse. Doch als ich einen Tag „krank“ war, spielten alle verrueckt. Und das Schlimmste, ich war ja gar nicht krank. Ich wollte bloss mit Ramon an einem Dienstag eine Wanderung mit einem Tourguide machen, und das Einfachste war zu sagen, ich sei krank... Magen-Darm... so unwahrscheinlich ist das ja nicht in einem Entwicklungsland. Morgens fuhren wir los, wanderten 10 km und als ich wieder Empfang auf der Bergspitze hatte, sah ich auf meinem Handydisplay, dass ich 3 Anrufe in Abwesendheit hatte. Mich ruft hier keiner an, also muss meine Arbeit gewesen sein. Nach tollen Eindruecken, einem kalten Bad im Wasser und einem kleinen, tropischen Regenschauer wanderten und fuhren anschliessend nach Hause nach unserer 6 Stuendigen Wanderung. 
Ich rief Erik an um nachzufragen wie die allgemeine Situation war im Buero. Er sagte mir alle seien so beunruhigt wegen mir, den ganzen Morgen wollten Mitarbeiter zu mir fahren und Medikamente vorbeibringen. Zu Hause angekommen duschte ich und wusch ich die schmutzigen Sachen, und  sass anschliessend auf meinem kleinen Treppenansatz zum Bad und schnitt mir die Findernaegel. Die Tuer stand weit offen, da es heiss-feucht von der Dusche war. Auf einmal guckte ich nach oben und seh 4 Frauen in der Tuer stehen: meine Vermieterin, ihre Tochter und 2 Mitarbeiterinnen. Mein Chef, der aus Lima zu besuch war, wartete im Auto unten. Sie fragten nach wie es mir denn ginge und ob ich irgendetwas benoetige... Oh man, ich hab mich so schlecht gefuehlt. Die machten sich ernsthaft Sorgen um mich, und mir ging es besser als nie zu vor. Doch ...ich glaube aber doch, dass meine psychische Verfassung sich auch in meinem Gesicht wieder spiegelte, denn sie meinten mir ging es gut, aber noch nicht gut genug um zur Arbeit zu gehen. Nach so einem schoenen, wundervollen und exotischem Tag hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass die Schoenheit des Wasserfalls weggeblasen war und nur mein schlechtes Gewissen im Vordergrund meiner Gedanken war.

Ic h hatte das Glueck oder Unglueck am Freitag auf das Campo zu fahren in meine Lieblingsregion. Die Region ist fast gar nicht infrastruktuell beschlossen, deswegen gibt es auch nicht so viele Kaffeefinkas in den Bergen und die Natur ist sich selber ueberlassen. Losgefahren sind ein Mitarbeiter und ich um 5 Uhr morgens. Zurueckkehren sollten wir um 14 Uhr. Nach einem Tag im Campo muss ich auch nicht bis um 18:30 Uhr im Buero sein. Also gefiel mir die Idee ein etwas laengeres Wochenende zu haben. Angekommen auf der eigenen Finka von dem Mitarbeiter begruesste uns die Mutter herzlich. Ich lief mit ihr ins Maisfeld um Maiskolben fuer das Fruehstueck zu sammeln. Ich hatte, Gott sei Dank, ein Stueck Kaese aus Villa Rica mitgenommen. Choclo nennt man das kleine Gericht fuer Zwischendurch, welches aus einer weissen Maiskolbe besteht mit einem kleinen Stueck weissem, salzigen Kaese. Und das hatte ich zum Fruehstueck. Selber gepflueckt und gekocht ueber dem Feuer schmeckte es hervorragend zum Kaffee von der eigenen Finka, natuerlich auch selber geroestet. Wir waren dort im Auftrag von DESCO Kaffeepflaenzchen abzuladen. Die Cooperation, die wir als NGO auch foerdern zu bilden, bekommt pro Bauer 1500 Kaffeepflaenzchen, die erst nach der ersten Ernte zurueckbezahlt werden sollen fuer die Kosten der Pflanze und Transport. Abgeladen, wollten wir noch eine „asitencia tecnica“ machen. 

Wir gingen los und ich sah bunte Samen mit denen Yanesha Nativas Schmuck herstellen. Ich habe schon einige Sachen mit denen gebastelt, aber auf dem Stueck Land waren so unendlich viele Samen, sodass ich nicht daran einfach vorbeigehen konnte. Ich blickte Frederico, den Mitarbeiter, fragend und bittend zu gleich an, ob er ohne mich gehen koennte. Ich wuerde hier auf ihn warten. Nach 20 Minuten kam er wieder, half mir weiterzusammeln. Ein paar Schritte weiter, fanden wir neue Buesche mit den Samen. Ich pflueckte eifrig. Der Besitzer des Stueck Landes kam entgegen und Frederico lachte, dass ich, „die Gringa“ Kaffee stehlen wuerde. Der Besitzer lachte und meinte, dass er dort gar keine Kaffeepflanzen haette. Nach einer kurzen Plauderei, schenkte er mir 8 Avocados und 4 Zitronen. Nach dem tollen Mittagsessen auf der Finka von Frederico wollten wir los. Um 13:30 Uhr um genau zu sein. Nach den ersten 100 Metern sahen wir, dass es einen Erdrutsch gab. Und zwar keinen kleinen, einen gewaltigen. Unser Pick-Up konnte ihn nicht ueberqueren. Eine Stunde versuchten wir vergeblich Steinchen um Steinchen so hinzulegen, sodass das Auto den neuen Berg ueberwinden konnte. Nach der einen Stunde fing es an zu regnen... Der Matsch wurde schwerer, tiefer. Das Auto sponn mehr und mehr.Durchnaesst und durchgeschwitzt konnte ich nichts in Bewegung bekommen. Frederico sass am Steuer und sonst waren wir allein. Ich habe mich so hilflos gefuehlt. Fast so wie in einer Matheklasur als ich keinen Ansatz kannte die Aufgabe zu loesen. In Mathe war mit bloss wichtig zu bestehen oder die Note „befriedigend“ zu bekommen. Aber hier ging es um mehr. Kein Handynetz, das naechste Dorf 7 km weit weg, Kaelte, Hitze, Hunger, Wut und Frust. Es gab keinen Ausweg. Dachte ich zumindestens. Nach 1 ½ Stunden haben wir es wie durch ein Wunder geschafft. Frederico hatte zum Glueck einen Hammer dabei womit er die keilen Steine abschlug.

Die Strasse voll mit spitzen Steinen, die vom Erdrutsch 1 Tag zuvor runtergefallen sind und die Strasse unpassierbar machte. Ein Tag noch spaeter, fiel ein Stein der 3m x 5m gross war rechts neben die Bretter... dort stand, den Tag zuvor, unser Auto fuer 1 1/2 Stunden...

Losgefahren sahen wir, dass andere Gefahren und Risiken auf uns warten. Nach einem anderen Erdrutsch verengte sich sie Strasse. Es gibt hier sowieso nur eine Fahrspur und wenn die weiter verengt wird durch Erde und Steine, und auf der anderen Seite der Spur ein steiler Hang runter ins Tal fuehrt, muss man starke Nerven haben um das Auto zu passieren. Der Regen verwandelte sich in Platzregen und Gewitter. Die 24 km, die sonst nur 2 Stunden dauern, dauerten auf dem Rueckweg ganze 5 Stunden! 24 km! Und das auf einer Landstrasse. Wie lange faehrt man in Deutschland auf einer Landstrasse 24km? Ganz nach Villa Rica kamen wir auch gar nicht an mit unserem Auto. Denn „schlaue“ Ingenieure (entschuldigt bitte meinen Sarkasmus) fangen mitten in der Regenzeit an, so etwas wie eine Ueberleitung aus Beton fuer die zahlreichen Fluesse zu bauen. Die Strasse wird einfach gesperrt fuer 3 Tage, da sich alles durch den Regen verzoegert und keiner vorher bescheid weiss. Wir liefen ca. 2 km bis wir wieder Empfang hatten (Gott sei Dank, waren wir schon nah an Villa Rica, nicht auszumalen waere wenn es zu weit waere um Empfang im Handy zu bekommen), riefen wir einen Mitarbeiter an, der uns bitte abholen wuerde. Das Auto parkten wir genau vor der Baustelle, da es unmoeglich war zu drehen (-> zu eng die Strasse) oder rueckwerts zu fahren (-> Schlamm). Das Auto steht da schon seit 2 Tagen und andere Autos warten auch vergeblich.

Also, hier kommen ein paar Ueberlebenstipps, aus 3 ½ Monaten Erfahrung in der Extreme:

-Da man nie weiss, wie lange die Reise dauern wird, bitte immer mehr:

1.) immer und auch wirklich immer Geld einplanen
2.) immer und auch wirklich immer Essen dabei haben
3.) immer und auch wirklich immer mit mehr Zeit rechnen die benoetigt wird.
4.) in einer Autoausruestung ist sind Macheten, Hammer, Seile, Naegel und sonstige handwerklichen Gegenstaende von Noeten
5.) Decken, Handtuecher sind so wichtig wie ein Erste-Hilfe-Kasten
6.) in das Handreisegepaeck immer 2 Paar von allem haben:Schuhe- Gummistiefel und Flip-Flops (das Wetter schwankt von einem Moment von 35 Grad auf 20 Grad mit Regenguessen), Hosen- lange und kurze fuer diejenigen, die sehr schnell schwitzen, sowie Pullis, Regenjacke und T-Shirt
7.) Sonnencreme, da wenn die Wolken nach einem Regenguss sich verziehen, wandelt sich weisse Haut in 5 Minuten in ein Krebsrot und Repellent (wichtig, es muss Repellent sein), denn kein anderes Anti-Muecken-Spray hilft gegen die Biester im Dschungel
8.) Mindestens ein Ersatzreifen, am Besten natuerlich 2 oder mehr, denn oft platzen sie einfach von den Gewichten oder Steinen... und all die anderen Gruende wieso das passiert

Montag, 13. Dezember 2010

Biss, Stich, Tod

Die Zeit rennt, sprintet, laeuft weg, enflieht. Ich weiss gar nicht wo sie geblieben ist. Bin ich in Peru wirklich schon 3 ½ Monate? Revue passierend, seh ich vor mir wie ein Film vor meinem geistigen Auge, alle meine Erlebnisse davonziehen. Obwohl ich in der letzten Zeit fast ausschliesslich im Buero war, vergingen die Tage trotzdem rasend schenll. Ich habe jetzt auch eine Aufgabe, naehmlich eine Webpage fuer DESCO Selva Central zu erstellen. Obwohl ich keinerlei Erfahrung davor hatte mit Informatik, freue ich mich neue Herausforderungen zu bekommen und mich ihnen zu stellen. 

Erdrutsch auf der Strasse
Fluss, Wasserfall auf Strasse
Die zwei Male die ich auf dem Campo dann doch war in den letzten Wochen, waren eine reine Katastrophe. Und ich uebertreibe auch nicht. Nicht im geringsten. Es fing alles damit an, dass es Samstag war und ich um 6 Uhr schon im Buero sein sollte. Es hat in Stroemen geregnet, als wenn die Wolken sich ausweinen wollten und dann schliesslichen zusammenbrachen. Innerhalb von 5 Minuten war ich durchnaesst. Meine teuere Regenjacke, durchgenaesst. Meine Gummistiefel, nass. Alles nass. Als ich im Buero ankam, war keiner aufzufinden. Ich war ein bisschen zu spaet, aber auch nur 5 Minuten. Sonst kommen alle anderen mal 30 Minuten spaeter, mal 1 Stunde. Ich rief einen Mitarbeiter an und der sagte sie seien schon im „vivero“ und laden die Baumpflaenzchen auf. Sie kamen aber wieder und wuerden mich abholen. Nach 40 Minuten kamen sie mich abholen und als ich ins Auto stieg, musste ich lachen. Es war vielleicht 7 Uhr in der Morgendstunde und da gucken mich 6 durchnaesste Dackelaugen an. Die 3 Mitarbeiter waren so durchnaesst, dass sogar die Unterwaesche nass war. Trotz Regenponcho, trotz Regenjacke, trotz Gummistiefeln. Ich lachte und fragte mich ob es nicht gleich besser ist nackt oder nur leicht bekleidet im Regen zu arbeiten.
Vakuum
Wir hatten 1500 Pflaenzchen auf der Ladeflaeche, die wir 30 verschiedenen „beneficarios“ (netter Ausdruck fuer Bauern, die mit uns kooperieren). Nach ca. 20 Jahren, sind die Baeume sehr viel Geld wert. In der Zwischenzeit geben sie Schatten und andere Naehrstoffentzug, sowie Biomasse an die Kaffeeplantage ab.
Es regnete so heftig, dass die Strasse sind zu reinen Fluessen ausbreitete. 4-Rad-Antrieb ist notwendig, sowie dieses Rohr am Autoanfang, welches verhindert, dass der Motor absaeuft in der Fluss-Strasse. Ganze zwei Stunden mussten wir warten, da der Mini-bach der sonst die Strasse kreuzt sich ver-x-facht hat, sodass Steine ins Rollen kamen und die Strasse unpassierbar war.
Und das ist noch das kleinste Uebel. Durch Erdrutsche war ein paar Mal die Strasse wieder einmal unpassierbar. Baeume entwurzelt lagen auf der Strasse. Als das alles beseitigt wurde, blieben wir entweder stecken im Schlamm. Schlamm ist gar kein Ausdruck den ich aus Deutschland kenne. Das was ich Deutschland Schlamm nannte, das ist hier eine nationale Landstrasse. Hier ist ein Bild von dem Wort Schlamm mit einer neuen Bedeutung:

Links ist die Strasse, rechts oben normalerweise ein kleiner Bach

Einfach mal steckenbleiben und wie im Vakuum werden meine Gummistiefel eingesogen und mit  jedem Versuch rauszukommen, sink ich tiefer ein. Angst ist wenig gesagt an den Gefuehlen die ich hatte...

Beulenpest
Da meine Hose so schmutzig war, wollt ich sie gleich am Abend waschen. Gesagt, getan. Und ploetzlich merke ich einen Biss oder Stich. Klein und unbedeutend kam er mir vor. Gestochen werde ich hier andauernd und meine Beine sehen aus als wenn ich die Beulenpest durchleide und das schon seit 3 Monaten. Der Stich oder Biss war an meiner rechten Hand am Zeigefinger. Da es nicht gejuckt hat, noch gebrannt, machte ich mir keinerlei Sorgen, auch wenn ich nicht wusste was es war. Ungefaehr 30 Minuten spaeter, war ich doch beunruhigt als mein Finger anschwoll, rot wurde und fiebrig heiss war. Nach einer Fenistilbehandlung, kehrten meine Gedanken dem am naechsten Tag folgenden Besuch. Ramon sollte kommen aus Santiago de Chile, den ich vor 3 Jahren das letzte Mal gesehen hab in Kalifornien. Meine Vorbereitungen konnte ich nicht beenden fuer den Besuch, denn nachdem ein Finger angeschwollen war, schwillen die 3 anderen auch an. Meine Handflaeche schwillte darauf bis zur Haelfte an. Meine Hand  hatte die doppelte Groesse als vorher. Dies war ein bisschen beunruhigend, aber was solls. „Bestimmt nichts schlimmes“ dachte ich mir. Unter dem Motto „geht gleich wieder weg“ sass ich in meinem Zimmer und wartete auf einen peruansichen Freund, der zu mir kommen sollte. Als er kam, zeigte ich ihm meine verkrueppelte Hand und schnell setzte er mich auf sein Motorad und wir fuhren zur Apotheke. Die Apotheker haben auch nicht schlecht geguckt, als sie meine Hand gesehen haben. Nach 8 komischen Pillen und 2 Tagen ging die Schwellung weg.


Lagune in Villa Rica
Ramon kam am Sonntag  um 6 Uhr in der Frueh an. Muede zeigte ich ihm was Villa Rica besonders macht. Da es nicht so viel ist, liefen wir fast 10 km um die Lagune in Villa Rica und als wir an einem Bootausleih ankamen, welches Gott sei Dank schon auf hatte, gingen wir rein. Der Besitzer und 4 weitere Touriste waren dort. Ich wollte mich hinsetzten und stieg die 3 Treppenstufen herauf wo sich ein kleines Cafe befindet. Was sind schon 3 Treppenstufen. Was sind schon 5 bellende Hunde. Hier gibt es Hunde auf der Strasse wie Sand am Meer, Millionen, Billionen. Alle kamen angerannt und bellten. Nach paar Sekunden gingen der groesste, grosse, mittlere und mittel-kleine Hund weg. Der allerkleinste, bescheuerte, hirnverbrannte Hund blieb aber, bellte und  biss mich in meinen Knoechel. Er verfing sich dort und ich stand ausser mir. Ich konnt gar nicht reagieren. Als er endlich losliess, guckte ich mir die Wunde an... Blut, Blut, Blut. Die Wunde war nicht gross, aber tief. Tollwut? Ich habe schon in den 3 Monaten 4 Hunde mit Tollwut gesehen... Ich glaub nicht, dass dieser Hund Tollwut hat. Aber... aber was um GOTTES WILLEN haben aggressive Hunde die wildfremde Touristen beissen in einem touristischen Ort zu tun? Villa Rica moechte mehr und mehr Touristen werben,... ja toll... wenn mich ein Hund in einem Bootsverleih beisst,  komm ich bestimmt nicht wieder... per Mundpropaganda kommen meine Freunde nicht und deren Freunde auch nicht... Ich war so wuetend. Innerhalb von 12 Stunden wurde ich von bescheuerten Mistfichern gebissen und das nicht gestreichelt oder sonst was harmloses! Meine Hand die mutiert und mein Bein das eine klaeffende Wunde hat und bis nach Villa Rica es 5 km sind. Der Besitzer sollte nur : „Sorry“. Ich fragte nach Desenfektionsmittel, Alkohol oder wenigstens Wasser um die Wunde zu reinigen. Nach einem genuschelten „bueno“ kam er mit Wasser, ohne Watte, oder wenigstens Klopapier... 

In Villa Rica angekommen mit Ramon wusste ich nicht mal wo das Krankenhaus ist. Ich wusste auch nicht was ich denn alles brauche. Reisepass, Impfpass, Geld...? In solchen Momenten fuehl ich mich so allein gelassen und sauer auf mich selber: „Haett‘ ich doch besser zu gehoert bei den zahlreichen Seminaren...“.  Gott sei Dank, wurde mein Name auf der Strasse gerufen und ich sah einen Freund auf einem Motorad der mit einem Fahrer im Auto sprach. Den Mann im Auto kannte ich nur zu gut, Walter, ein toller Mitarbeiter. Ich zeigte ihnen die Wunde und er fuhr mich zu mir nach Hause, ich holte die notwendigen Papiere und Geld ab und er fuhr mich zum Krankenhaus, begleitete mich dort und blieb die ganze Zeit. Es kam noch 2 andere Freunde, auch Mitarbeiter, entgegen, die auch mit mir im Saal waren. Insgesamt waren 6 Maenner um mich herum versammelt und ich lag und zischte nur als die Krankenschwester mir die Wunde desinfiziert hat und verbunden hat.

Das Fazit des Wochenende war noch bis in die naechste Woche zu spueren: Durchgenaesst von Samstag hatte ich eine leichte Erkaeltung; die Hand, die mutiert war, mutierte und mutierte um; der Biss am Knoechel tat weh und ich nahm fuer 6 Tage 2 verschiedene Antibiotika (wenn ich nur wuesste wofuer, doch leider versteh ich nur wenig Arzt-Deutsch-Fachchinesisch, von Arzt-Spanisch-Fachchinesisch will ich gar nicht erst anfangen).

Nur Ramon tat mir Leid, da er sowieso schon aengstlich war: vor dem Essen, vor Salat, vor Saeften, vor Insenkten, vor dem Dschungel, vor Muecken und vor der Sonne. Er hatte sogar Angst vor dem Matsch auf der Strasse ; ) Durch meine Ungluecksseligkeit hatte er noch mehr Angst in Peru... tja, ich nenne es Realitaet... die Ami’s mal wieder mit ihrer Ueberempfindlichkeit.

Dienstag, 30. November 2010

Stillstand

Noch ganz genau 17 Tage und dann bin ich erloest... endlich! In Villa Rica, der ganzen Selva, in den NGO, das Leben und der ganze Rest wurde auf einen weiteren Gang runtergeschaltet. Wenn nicht sogar in den Leerlauf.

Seit zwei Wochen bin ich die meiste Zeit im Buero und mit dem Nichtstun beschaeftigt. Eines der Gruende sind das Wetter. Regen, Regen, Regen. Mehr Woerter fallen mir dazu nicht ein. Aber das komische ist, dass zwischendurch auch die Sonne scheint. Und dann ist es mal wieder unglaublich heiss und Freibadwetter. Also alles hat ein Ende und hoffentlich die langweilige Phase auch. Ich bin ganz zuversichtlich, denn ein weiterer Grund ist der Jahr das bald zuende gehen wird. Zwischenberichte, Abschlussberichte, Abrechnungen und all der andere buerokratische Kram ist die andere Seite der Goldmedaille. Dies muss natuerlich auch gemacht und abgeschickt  werden, verstaendlich, und deswegen bin ich auch im Buero, da fast keiner auf das Campo faehrt. 

Ein paar Male ging es dann doch ganz spontan auf das Campo um Bananenstauden von einem Bauern auf den Pick-up zu tragen, zu zaehlen, festzubinden und zum anderen Bauern zu fahren, abzuladen, zu zaehlen. Vielleicht ist Bananenstaude das falsche Wort, denn es ist eigentlich nur der Stamm der Bananepflanze, abgeschnitten mit einer Machete nur bis zu 40 cm Laenge mit den Wurzeln. Diese werden problemlos wieder eingepflanzt und es waechst innerhalb kuerzester Zeit ein neuer Bananenbaum. Der widerrum in nur wenigen Jahren weitere Bananenpflanzen per Wurzeln wachsen laesst. Also eine Bananenstaude produziert in kuerzester Zeit Bananen zum Essen und andere Bananenbaeume, die verkauft werden koennen. Eine weitere positive Eigenschaft ist, dass Bananenpflanzen eine super Ergaenzung, eine komplementaer Pflanze zu Kaffee darstellt. Die zwei Pflanzen brauchen andere Naehrstoffe, produzieren viele organische Abfaelle (die dann zu Kompost werden, dies passiert sehr schnell wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und hohen Temperatur) und ausserdem dienen die Blaetter hervorragend als Schatten fuer die Kaffeepflanzen. Eine Bananenstaude kostet 1 Sol, also 25 europaeische Cent. Dies bezahlt im Vorraus DESCO und in einem Jahr, wenn die erste Ernte und somit der erste Ertrag von den neueingepflanzten Bananenbaeumen Gewinne erziehlt, bezahlen sie DESCO mit ein Jahr Verspaetung. Pro Bauern laden wir jeweils 800 Bananenstaude auf- und ab, jeder einzelne wiegt zwischen 0,5 kg und 4 kg. Ausserdem ist die Arbeit sehr dreckig, denn der Saft der Bananenpflanze ist unmoeglich rauszuwaschen mit oder ohne Persil. Aber wenigsten heitert das den trueben Alltag ein bisschen auf. Vor allem wenn wir zufaellig ins Tal fahren, wo es natuerlich ein ganz anderes Klima gibt...heisser ist es wahrscheinlich um 5 Grad... und somit Kokosnuesse ueberall zu finden sind. Ich werde hier richtig zum Kokosnuss-Esser und Geniesser. Alles esse ich gern mit Kokosnuessen und alle moeglichen Gerichte, Kekse und alles was sonst annaehernd mit Kokos zu tun hat : ) Koko-Manie : )
Am Wochenende war auch die Miss Pasco Wahl. Wortwoertlich hiess die Veranstaltung: „Miss Pasco World“. Huch? Pasco ist der Nabel der Welt... also wer das noch nicht wusste, ist jetzt schlauer geworden. Pasco ist uebrigens ein „Bundesland“ : D . Die Veranstaltung sollte um 19 Uhr anfangen laut Radiosendungen, laut Broschueren und Plakaten. Um 18:30 wollten Erik und ich los um uns mit einer Gruppe von Freunden vor der Halle zu treffen und um gute Plaetze zu erwischen. Auf dem Weg wurden wir angehalten von unserer Vermieterin und Restaurantbesitzerin und sie fragte was wir denn so frueh machen wuerden... Die Moral der Geschichte ist, dass die Misswahl erst um 21 Uhr anfaengt. Woher sie das wuessten, wissen sie selber nicht. Denn nach Programm faengt es ja um 19 Uhr an. Wir besuchten unsere Freunde, mit denen wir eigentlich verabredet waren um 18:30, auf dem Sportplatz, da sie ein Basketballspiel hatten. Natuerlich auch mit Verspaetung. Das Spiel sollte um 18 Uhr aufgehoert haben, angefangen hat es leider erst mit der „hora peruana“ (Peruanische Uhrzeit) um 19:30. Die Misswahl hatte insgesamt 4 Stunden Verspaetung. Und um 24 Uhr haben sollte es eigentlich schon zu Ende sein, aber dann hatten sie immer noch Technikprobleme und haben dann erst den Soundtest gemacht... naja, sollte man ihn nicht frueher, vor der Veranstaltung machen? Dementsprechend war auch meine Laune. Um 1 Uhr nachts lief immer noch nichts glatt, das Publikum musste aufgeheitert werden mit Applaus. In etwa: „Villa Rica klatscht jetzt. Wer ist alles aus Oxapampa...? ...“

So in etwa laeuft alles in Peru ab. Meine Freunde lachen auch immer, wenn ich genervt mit meinen Augen rollen und schreien laut: „Perruuuu“. Alle sind sich bewusst, dass das die Mentalitaet ist und eigentlich eine Unmoeglichkeit darstellt ein Event puenktlich anzufangen. Denn man wisse schon, dass es Verspaetung hat und deswegen kommt man auch spaeter an. Die kirchlichen Messen fangen sogar mit einer 30-minuetigen Verspaetung an. Wegen Bauarbeiten kommt das DESCO-Team einfach 4 Stunden zu spaet zu einem sehr wichtigem „cursco“ mit Presentatoren und allem drum und dran.

In 17 Tagen bin ich erst mal auf Reisen in Nordperu und Ecuador mit einer Gruppe von Weltwaertslern. Wir werden viele Staedte besuchen und jeweils immer bei den Freiwilligen vor Ort schlafen. Eine sehr guenstige Reiseform : ) Ich freu mich schon sehr. Endlich wieder bekannte Gesichter zu Gesicht bekommen und in sommerlichen Kueste zu reisen. Ein anderes mit bekanntes Gesicht werde ich am Wochenende wiedersehen. Ein Freund aus Amerika, der jetzt zur Zeit in Santiago de Chile studiert, wird mich besuchen kommen. Ihn habe ich schon 3 Jahre nicht mehr gesehen und ich freu mich unglaublich!

Mal schauen, ob mein Freund aus Amerika auch mit der „hora peruana“ ankommt! : )

Vamos a ver, como siempre. (Wir werden mal schauen, wie immer)

Donnerstag, 18. November 2010

Der Brautschleier und ein Geburtstag

In manchen Momenten kommt mir das Leben so surreal vor und dann wieder, in einem anderen Moment, werde ich mit Tatsachen auf den Bodens geworfen. Genau so ploetzlich geschieht dieser Sprung wie das Wetter hier wechselt. Die Regenzeit. Es faengt an. Der Untergang. Aber dazu wann anderes Mal, denn jetzt ist es gerade noch sonnig und ich moechte nichts hervorrufen. Zwar kann ich keinen Regentanz tanzen, aber vielleicht gibt es ja sowas wie ein „Blogartikel-Regen-Gefuehl“, wer weiss. Hier ist alles moeglich : ). Deswegen lass ich es lieber und schreibe dann auch ueber meinen Fortschritt des Bauen einer Arche Noah!


Das Team an dem Tag
Eines dieser Tage wie im Maerchenbuch, gefuellt mit Lachern, Erfahrungen, Spannung, Wehmut, Hoehepunkten und Tiefpunkten war dieser eine Tage als vier DESCO-Mitarbeiter und ich nach Yunculmas (zur der Comunidad Nativa worueber ich schon einmal berichtet habe („Mein grosses, grosses Herz“). Um kurz zur erklaeren: Das letzte Mal als wir dort waren, auf Anfrage des Praesidenten  der Kaffeeorganisation, haben wir einen „Curso“ gemacht ueber die Arbeit der NGO DESCO und wie wir ihnen ehrenamtlich helfen moechten den Lebensstandart zu verbessern. Die Bauern muessten wirklich nicht viel machen, nur mitarbeiten und Willen zeigen. Keine Unterschrift. Kein Druck. Kein (fast)Gar nichts.). An dem besagten Tag sollten wir die Kaffeeplantagen besichtigen, fuer das erste Einschaetzen und vielleicht fuer die kleinen ersten Verbesserungen. Denn die meisten Plantagen sind 30 Jahre alt, nicht gepflegt, arm an Ertrag. Aber mit ein paar wenigen Handgriffen, koennten sofort Erfolge erzielt werden wie z.B Ventilation der Finka (ein paar Aeste wegbrechen, die eh abgetrocknet sind) und aehnliche banale Arbeiten. Angekommen, erwarten uns schon 20 „Indigenas“. Langsam, langsam warm geworden, erzaehlen sie uns, dass sie Angst haben. Angst vor was, fragten wir uns. Vor der Mitarbeit. Abhaengig zu sein. Veraeppelt zu werden. Wir versuchten mit ihnen zu reden, ihre Aengste zu nehmen. Aber es gab keinen Erfolg. Sie haben Angst zu etwas zu unterschreiben, denn sie bezeichnen sich selber als ungebildet und nichtswissend. Sie muessten nichts unterschreiben, wollten wir ihnen erklaeren, aber nein. Ich weiss nicht wie ich es erklaeren soll. So viele Comunidad Nativas haben sehr gute Erfahrung mit uns, Mitarbeiter sind auch Indigenas, die auch die indigene Sprache sprechen koennen; aber wieso haben sie so Angst. Ich stelle mir das so schrecklich vor, Angst zu haben jemanden zu vertrauen zu koennen. Vor allem jemanden zu vertrauen, der nur die Hand ausstreckt und wirklich nicht viel mehr erwartet als die Hand anzunehmen und zusammen weiterzuarbeiten. Sie blockieren sich selber und werden diese Mentalitaet wahrscheinlich weiter leben und weiter an die Kinder geben. 

Enttaeuscht fuhren wir Fuenf weiter mit dem Auto. Wir sind zwei ganze Stunden gefahren um nur ein „nein“ zu hoeren. Wirklich enttaeuscht waren wir alle, aber ich war auch noch fassungslos dazu. Nach Hause oder in das Buero wollte keiner und somit fuhren wir durch die Gegend. Sinnloses Benzinvergeuden. Nicht ganz, denn als wir zufaellig in ein Dorf kamen, haben wir Plakate gebastelt um vielleicht dort mit Bauern eine Kaffeeorganisation zu gruenden (Um Maerkte erschliessen zu koennen muessen Bauern einer Organisation zugehoerig sein. Fuer Kleinbauern, ohne Organisation, ist es unmoeglich den Kaffee zu verkaufen ohne Einbussen zu erleiden.) und dort taetig zu werden mit der „asistencia tecnica“. Das war schnell erledigt und wir fuhren weiter. Vier erwachsene Maenner und ich, wie die Blume unter all dem  Gras (ein spanisches Sprichwort, worueber sie gelacht haben), die einen Humor haben wie kleine Kinder, buntes Kaugummieis moegen und sich mit Gras bewerfen, fuhren den ganzen Tag herum. Von 6 Uhr morgens bis um 17 Uhr.  Verschwendung der Entwicklungsgelder? (Kritik darf wohl geaeussert werden!) Sie erzaehlten und redeten irgendetwas von Brautschleier die ganze Zeit. Ich verstand nicht, dachte ich mir, dass ich mit meinem Brocken Spanisch bestimmt da ganz falsche Schluesse ziehe; so unwahrscheinlich ist das ja nicht. Schliesslich sind alle verheiratet und haben mehrere Kinder. Wieso dann der Brautschleier? Um 17 Uhr und ganz genau 200 km (da wir kreuz und quer gefahren sind und natuerlich die bekannten 10-30km/h) spaeter erfuhr ich das Geheimnis. Ein wahrhaftiges Geheimnis mitten im Dschungel. Ich habe alles richtig verstanden. Es ist ein wunderschoener, riesiger, inspirierender Wasserfall. 50 m fliesst er in die Tiefe, gigantisch. Unten vereinigen sich ein Fluss aus einer suedlicheren Richtung und der Wasserfall, bzw. der Fluss aus westlicher Richtung. Ploetzlich geht der erste Mitarbeiter ins Wasser, der Zweite folgt. Ich zoegerte nicht lange und rannte los ins warme Nass. Nicht zu leugnen ist, dass es schon November ist, und ich bade im Fluss, hoere vor mit den Wasserfall, der so duenn und ewig fliessend aussieht wie ein wunderschoener, unschuldiger Brautschleier. Ich lege mich auf das Wasser und sehe die ganzen bunten Voegel am Himmel kreisen. Sehe die Mitarbeiter lachen und rumplanschen. Ach, so schoen koennen Novemberabende sein. Nach einer Kokosnuss fuer uns alle und 5 Mangos fuer einen Sol (ca 25 cent) fuhren wir zurueck. Nach zahlreichen Chupetes (Milch-,Kokosnusseis, selbstgemacht und himmlisch lecker) erreichten wir Villa Rica. Arbeit kann ganz schoen anstregend sein, nicht wahr? Auf dem Heimweg wurde ich so oft gefragt, ob das ein schoener Tag fuer mich war. Ob ich mir Peru so vorgestellt habe und ob ich zufrieden bin. Ich habe das Gefuehl, dass sie das nur fuer mich gemacht haben. Was kann ich denn sagen, als dass das ein einzigartiger Tag war, ein Tag der sich wahrscheinlich so nie 
wiederholen wird. 

El Velo de la Novia


So wie die Tage gehen und kommen, so gehen und kommen die Jahre. Ich wurde 20. Angstvoll und doch total neutral entgegnete ich dem Tag. Als ich eine Austauschschuelerin in Amerika 2007 war, war mein Geburtstag  eine reine Katastrophe. Es war der einzige Tag an dem ich Heimweh hatte. Aber das war kein Heimweh mehr, 24 Stunden, eine gefuehlte Ewigekeit, habe ich bloss geweint. Deswegen war ich ein bisschen nervoes, wie es denn jetzt sein wird. Drei Jahre spaeter, in einem noch exotischerem Land und ganz allein (ohne Gastfamilie). Aber der Tag fuehlte sich an wie ein ganz normaler Tag, Alltag. Nur morgens wurde ich von einem munterem Erik aufgeweckt mit einer Torte voller Pfannkuchen. Zwischen den Pfannkuchen waren ganze Obstschichten und Schichten aus Haferschleim. Hmm... sooooo unglaublich lecker. Damit hat mir Erik so eine Freude gemacht. Auf der Arbeit war nichts los. Als wir dann abends gehen wollten, stoppten uns die Mitarbeiter. Wir assen noch Torte (richtige Sahne-, Kaffeetorte) und tranken Inka Cola bis zum spaeten Abend. Ein Geburtstag, ein wahrhaft toller Geburtstag, doch leider ganz ohne das Bewusstsein, dass ich schon 20 Jahre alt bin. Frueher in der Kindheit, habe ich mit Hilfe von Haenden gerechnet. Am 11.11. wurde ich ganze 4 Haende alt... Das klingt doch fuerchterlich! 

Die Pfannkuchentorte
Am Wochenende kam Alessandro, auch ein weltwaerts-Freiwilliger aus Pucallpa (Hamburg). Seinen Besuch habe ich ganz vergessen, deswegen war es um so lustiger und natuerlich spontaner. Wir gingen in eine kleine Bar und haben „Katzenkralle“ getrunken. Dies ist ein Getraenk aus der Selva, hergestellt aus einer Wurzel und getrunken wird es mit Cola. Spaeter sind wir noch in die Disco gegangen. Drei Gringos. Wir wurden auf Biere eingeladen und generell war es ein sehr gelungener Tag und ein umso gelungener 20-Geburtstag, vor dem ich so viel Angst hatte von vornerein. Unbegruendete Angst.

Und jetzt noch mal zur Kritik an dem weltwaerts-Programm. Seit 2008 gibt es dies nun schon und dieses Jahr wird es evaluiert. Ich habe von vielen Freiwilligen gehoert, dass sie keine richtigen Aufgaben haben, da es einen Vertrag gibt, dass keine Arbeitskraefte vor Ort entlassen werden duerfen wegen uns, die kostenlos arbeiten. Aber was bleibt denn da noch uebrig fuer Aufgaben? Helfen sollen wir, aber im Buero, wo jeder nur an seinem Computer sitzt? Alessandro erzaehlte auch von dem Problem. Im Campo sei viel zu helfen, aber im Buero... Genauso geht es Erik und mir und all den anderen. Aber ist es denn nicht Sinn des Programmes etwas zu lernen, mitzunehmen und wenn auch nur ein klitzekleiner Teil von uns, Weltwaertslern, in der Entwicklungspolitik taetig werden, hat es dann nicht schon seinen Sinn vollbracht? Ich meine, dass ich so viel selber als Person mitnehme. So unglaublich viel, dass Woerter dies nicht ausdruecken koennen. Und vielleicht erreiche ich ja mit den vielen, kleinen alltaeglichen Geschichten und  Bildern von Menschen, die ich im Blog versuche zu beschreiben, ja auch jemanden in Deutschland. Ist das nicht schon genug?  Ich weiss es nicht, ich hoffe es. Dies muesst ihr mir sagen. Aber was ich als aller Erstes gelernt habe und was, meiner Meinung nach, am Praegensten ist, dass in der Schule nur mit Definitionen gehandhabt wird. Was ist Bruttoinlandsprodukt, was ist Armut, was ist... BIP ist das und das;  Armut ist, wenn Menschen weniger als unter 2 US$ am Tag haben, extreme Armut 1 US$; Unterernaehrung ist weniger als 1400kcal zu sich nehmen... Was nuetzen denn solche Definitonen? Die Menschen im Campo (dies bezieht sich alles auf meine Erfahrungen im Campo in der Selva, wo man nie verhungern wird; in Staedten, anderen Klimazonen etc. sieht das natuerlich ganz anders aus) brauchen  gar kein Geld. Sie haben alles was sie zum alltaeglichen Leben brauchen, bauen alles selber an. Sie sind arm, nach der Definition, extrem arm.  Was ist denn extrem arm, bitte? Sie haben Kleidung, Essen, Schulbildung, gruenden und sind taetig in Organisationen, haben Hoffnung und streben ihre Ziele an. Extrem arm? Fuer mich sind diese Menschen reich, sogar sehr reich. Manch einer wuerde sich diese positive Einstellung am Leben nur wuenschen. 

Bitte beurteilt selber ueber das weltwaerts-Programm. Der Landesdirektor des Deutschen Entwicklungsdienstes in Peru, Gerhard Friedrich, besuchte Freiwillige in ganz Peru. Darueber gibt es einen Artikel. Wer Lust hat, kann weiterlesen : )

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6209049,00.html 


Donnerstag, 4. November 2010

Fabelhafte Welt

So verrueckt wie mein Leben mir selber hier vorkommt, erscheint mir auch alles drum herum erfreulicherweise verrueckt... somit fuehl ich mich nicht ganz einsam in meiner kleinen, fabelhaften Welt am Rande des Wahnsinns... ach nein, Urwalds.

Mein "super" Markt in Villa Rica
Ganze zwei Tage hatten wir in DESCO eine „Reunion“ (Versammlung, oder neudeutsch Meeting ;) ) gehabt. Diese konzentrierte sich hauptsaechlich auf das beliebte Thema des Mann-Frau-Verhaeltnisses, unter anderem am Arbeitsplatz, Benachteiligungen/Bevorzugung, Diskrimination und so weiter, und so weiter. Zum ersten Mal sah ich die ganze Mannschaft von DESCO:
-  DESCO Urbano (in Lima -> all die staedtischen Probleme)
- DESCO Sierra (in Arequipa -> Entwicklungszusammenarbeit hauptsaechlich mit Frauen und Alpaka-,bzw. Lamawolle)
- DESCO Selva Central mit der Zweigstelle in Izscozasin (Kaffee-, Kakaobauern plus Bananen als komplimentaer Pflanze, Lebensverbesserung mit Latrinen und Kuechenbau...)

Ausserdem gab es eine weitere NGO Ramona Maria, die sich nur mit Frauenrechten etc  auseinandersetzt. Die ganze Thematik, so wichtig und essentiell sie ist, wurde nicht ernst genommen. Hauptsaechlich wurde es bemerkt in den Kommentaren, Witzen und Vorschlaegen, die auf Kosten des anderen Geschlechts gemacht wurde. Wenn jemanden bewusst sein wuerde, dass dieses Problem existiert und somit ernst genommen wuerde, wuerden keine Witze im Raum von 40 Leuten Platz haben. Dieses Problem existiert aber, dass sieht man am einfachen Campo-Beispiel, welches wir alle Tag fuer Tag miterleben. Alle maennlichen Mitarbeiter werden „Ingeniero“ bezeichnet (auch wenn sie diesen Titel nicht besitzen), aber alle weiblichen Mitarbeiterinnen (die unter anderem Ingenieure sind) werden jediglich als kleine, suesse, verniedliche „Señoritas“ bezeichnet. Zwei Tage haben sich langgezogen und aendern wird sich eh nichts, um ganz optimistisch zu sein...

Das dieses Problem so offensichtlich ist, wird in allen Alltagsgeschichten und alltaeglichen Anektoden wiedergefunden: Samstag Nachts in einer vollen Disko in Villa Rica tanzen wir in einem Kreis von vielleicht 6 Personen (3 weibliche und 3 maennliche Geschoepfe). Ploetzlich kommt ein Mann auf einen im Kreis stehenden Freund (! maennliche Person !)  zu und fragt ob er mit mir tanzen kann. Aehhm, Entschuldigung?! In welchem Zeitalter befinden wir uns? Haben wir kein Mitspracherecht, wenn es um mich als Person geht? Wenn es  sich doch nur um einen Tanz handelt? Mittelalter war doch schon vorgestern.
Leckere Chicha (lila Mais), stilvolles Getraenk aus der Plastiktuete

Am langem Wochenende ueber dem 1.November fuhren Erik und ich nach Oxapampa (dem Staedchen/Doerfchen/Provinzhauptstaedchen von der Region Pasco, alles faellt hier eine Nummer kleiner aus, hab ich das Gefuehl : ) ) um andere weltwaerts-Freiwillige zu besuchen. Am Samstag angekommen, viel mir sofort diese geordnete, diese struktuelle Vorgehensweise auf, in allen Aspekten. Die Stadt ein reines Schachbrettmuster. Der Park penibel sauber gehalten. Alles pikobelo fein- nicht ganz Peru like. Das sind halt die vielen deutschen Einfluesse. Schliesslich waren es diejenigen auch, die die Stadt erbaut haben, inmitten der Augenbraue der Selva- zwischen Anden und dem tropischen Urwald. Gleich nach zwei Stunden Aufenthalt, lernten wir 4 weitere weltwaerts-Freiwillige kennen. Dies wird Vernetzung der Weltwaertsler genannt oder wie die Kritik von den Politikern ueber das weltwaerts-Programm belaechelnd bezeichnet wird als „Entwicklungstourismus“. Jedenfalls habe ich mich mit den 2 Maedchen sofort super verstanden und fuhr am Sonntag mit einem Collectivo zu ihnen nach Quillacú. Ein Collectivo ist ein ganz normales Auto (z.B. VW Combi) welches als Taxi oder Kleinbus dient. Je nach der Definition der jeweiligen Person-subjektiv. In unserem Beispiel vom Combi gibt es vorschriftsmaessig und eigentlich auf physikalisch nur 4 Plaetze plus den Fahrer. Naja... knapp... in meinem Fall: 
Die besten Plaetze sind hinten- Schulweisheit

1. Reihe: 5 Personen vorne- der Fahrer auf einem Sitzplatz und auf dem Beifahrerplatz: unten der Mann, rechts oben auf dem Schoss die Frau, links oben auf dem Schoss das eine groessere Kind und in der Mitte der Frau und des Kindes ein kleineres Kind.
2. Reihe des Autos (also theoretisch, die letzte im Combi) weitere 5 Personen eingequetscht
 Und im Kofferraum (und ein exlusiver Rabatt von 50% vom regularen Fahrpreis) sassen stolze 5 Personen...und ich, also 6- aber ich als Riese sollte eigentlich als 2 Personen zaehlen. 4 Personen quetschten sich normal mit dem Ruecken anlehnend an der Lehne und 2 Kinder hockten auf unseren Fuessen. Also, liebe Matheliebhaber, wie viele Leute waren es insgesamt? Et voila, die stolze Summe von 14 Personen in einem Combi- jetzt die subjektive Frage: Taxi oder Busunternehmen sind die Collectivos? Jedenfalls wird so lange vor der Abfahrt gewartet bis alle Platze, auch die imaginaeren, besetzt sind. Guenstig  ist die Fahrt jedenfalls, ob sicher, da bin ich mir sicher, dass es nicht so ist. Aber es wird ja bloss die maximale Geschwindigkeit von 40 km/h erreicht, also alles ist loco. Mi vida loca.

Weiter geht es verrueckt vor. Wie gesagt, am Sonntag fuhr ich zu den Maedels, die in einer sozialen NRO, Prosoya, arbeiten. Diese beschaeftigt sich mit jungen Maedchen vom 14 bis zum 18 Lebensalter. Die Eltern hatten kein Geld fuers Essen, fuer die Schule und/oder wurden geschlagen. Jetzt in einem Haeuschen haben sie alles was sie brauchen. Viele Kurse (Chor, Vollkornbrotbacken, Pralinenfabrik, Schmuckherstellung aus Samen etc) und andere attraktive Aktivitaeten geben den Maedchen Hoffnung auf ein Leben voller Zukunft. Sie erlernen ihr Selbstvertrauen zurueck, arbeiten hart, lernen fleissig, und wissen, dass sie alles im Leben schaffen koennen, wenn sie nur daran arbeiten und sich selber nicht vergessen. Dies war so ein schoener Tag. Ich habe so viel Kraft getankt, wie schon lange nicht mehr. Ich ging mit den Freiwilligen an den Fluss, assen auf den grossen Steinen Granadinen und sprangen die Steine flussaufwaerts entlang. Bald wird der Fluss sich ausbreiten in der Regenzeit. Dies mussten wir also ausnutzen und fanden viele tolle Plaetze um Lagerfeuer mit gegrillten Marshmallows zu machen mit dem jungen Maedchen aus Prosoya. Zurueck im Haus, sahen wir auf der Auffahrt ein „deutsches Rotes Kreuz“ Auto. Wer koennte das denn sein? Zahnaerzte-, und Helferinnen, die die Gaumenspalte kostenlos operieren und von dem tollen Projekt gehoert haben und doch gleich vorbei gekommen sind. Wieder Deutsche : ) Alles Deutsche : ) Doch komischerweise, erschienen sie mir doch sehr steif im Gegensatz zu den offenen und herzlichen Peruanern. Obwohl wir uns geduzt haben, als Entwicklungstoursiten auf Zeit (sie arbeiten nur im Urlaub im Ausland, so etwa wie Aertze ohne Grenzen), aber zum Abschied gabs nur einen kalten, aber auch herzlichen Haendeschuetteln.

Señor de los Milagros, alles aus Blumen
Zum Schluss, kurz vor Abfahrt, lernte ich noch einen polnischen Pfarrer kennen. Also um mich auch klar auszudruecken. Das Doerflein besitzt gerade einmal 15 oder ein bisschen mehr Haeuser. Und ausgerechnet dort finde ich zwei eingesaessene Deutsche (Ladeninhaber), zwei deutsche Freiwillige, fuenf „deutsches Rotes Kreuz“ Helfer und einen polnischem Pfarrer. Ist das Glueck, Zufall oder Schicksal? Naja jedenfalls war dieser kurze Besuch bei dem Pfarrer so herzerwaermend. Einfach unglaublich. Er war so polnisch : Gleich war der ganze Tisch voll mit Popcorn, suessen und salzigen Nuessen, Pfirsichen, Schokolade, Teesito und Kaffeesito (also die perunische suesse Verkleinerungsformen fuer Tee und Kaffee). Zwar war ich verwirrt, erschrocken, entsetzt oder welches Wort am passensten erscheint, da sein Haus ein reinster Luxus war- von Mikrowelle, Mixer, Gigantenkuehlschrank bis hin zum Riesenfernsehschirm und Ledercouch... Und im Nachbarhaus muessen Kinder zur Prositution gezwungen werden, damit wenigstens ein bisschen Geld ins Haus reinkommt. Es wird nicht „Prositution“ gennant, aber „kellnern in einer Bar bis zur Morgendaemmerung“... Jedenfalls ist es das Gleiche, haben uns die deutschen Ladenbesitzer gesagt. Aber freundlich, herzlich und wohlwollend ist der liebe Pfarrer aus meiner zweiten Heimat doch. Der ganze Tag war einfach vollkommend. Herzerwaermend von vorne bis hinten. Und natuerlich so loco wie es immer sein muss- jedenfalls bei mir  oder in Peru verlief die Heimfahrt mit dem Collectivo nach Oxa. Eine Frau mit Kind begleitete mich nach Hause zum Freund, da ich ihr sympatisch war und sie totales Interesse an Deutschland hatte. Und zusaetzlich habe ich den Ueberblick im Kaestchensustem der Stadt verloren. Ein Mann drueckte mir eine kleine Plastikkarte mit einem Gebet und dem Abbild der Jungfrau Maria in die Hand und 3 Kinder machten Fotos von sich mit meiner Kamera als Erinnerung fuer mich.

schrecklich ueberlichtetest Bild, aber eine tolle Erinnerung






Ein kurzer Einblick in mein kleines, fabelhaftes, verruecktes Leben am Rande des Urwalds- mi loca vida.

Samstag, 23. Oktober 2010

„Mein grosses, grosses Herz...“

Immer wieder werde ich nach meiner Herkunft gefragt. Ganz ploetzlich wie aus dem Nichts kommend, unverschaemt direkt, werde ich auf der Strasse einfach angesprochen, aber irgendwie finde ich es sympathisch. So oft wie die Frage kommt, genau so oft bekomme ich eine Geschichte zu hoeren ueber Deutsche, die hier leben. Irgendwie erschreckend und heimisch zugleich ist es zu wissen, dass hier viele Deutsche und Oesterreicher leben. Aber unheimlich ist mir, dass die ganze Region und die 3 Staedte, Oxapampa, Villa Rica und Pozuzo, von Deutschen Einwanderern um 1900 gegruendet wurde. Noch abscheuerlicher ist der Gedanke, dass erst seit den 70er Jahren in Pozuzo Perunar (vermischte Gruppen mit asiatischem, europaeischen (meist spanischen) und afroperuanischem Blut), Indigene und andere Gruppen eingezogen sind. Ungefaehr 70 Jahre haben 10 Familien Inzest betrieben. Letztens habe ich auch ein Maedchen aus Pozuzo kennengelernt. Sie ist „mehr“ deutsch als ich, ... reinrassig, arisch wuerde ich es schon fast nennen wollen. Die Haeuser sind nach tirolischem Stil gebaut, es gibt eine deutsche Disko dort. Gott sei Dank, ist es bei mir in Villa Rica „weniger deutsch“. Nur  viele Nachnamen wie „Schuler, Hauser, Brack“ etc. tauchen in meinem Alltag auf, sowie gute und schlechte Geschichten ueber meine deutschen Vorgaenger.

Seit die Deutschen den Urwald eroberten sind viele Jahre vergangen. Hier lebten natuerlich schon zuvor Yanesha und Ashaneka Indigene, aber wie oft bekommt man zu hoeren, dass Columbus Amerika eroberte. Die Geschichte sollte immer mit „Zweitens“ beginnen, wenn ueber Einwanderungen und Eroberungen gesprochen wird. Also, in dem Sinne:

Zweitens, da die Deutschen und Oesterreicher die Stadt Villa Rica erbauten, gibt es natuerlich Feste bei denen auch unter anderem deutsche Taenze aufgefuehrt werden. So ein Fest, naemlich der gross angekuendigte Geburtstag von der Kleinstadt, habe ich miterleben duerfen. Zwar habe ich die deutschen Taenze verpasst, aber die Ashaneka nicht. Wunderschoen mit den bunten Kleidern und der Musik im Hintergrund. Die traditionellen Taenze richteten sich gegen die Spanier und die damit verbundene Katholizierung des Volkes.  Gross angekuendigt mit Programmheften und angeblich eine Woche Feierei, habe ich erlich gesagt nicht viel mitbekommen, ausser jeden Tag 5 Minuten ein klitzekleines Feuerwerk gestartet wurde. Am Wochenende war mehr davon zu sehen mit Konzerten, Spielwiese (Billiard, Kicker), viel leckerem Essen, Staenden und mit viel Musik, Gesang und Tanz. Zu dem besonderen Ereignis sind auch zwei Freunde aus Oxapampa gekommen, die auch Freiwillige aus Deutschland sind. 

Nach dem doch sehr „deutschem“ Wochenende mit deutschen Freunden, deutscher Geschichte und deutschem Essen, fiel mir ein kurzer Aufenthalt in einem indigenen Dorf schwer. Nicht nur kulturell, sondern irgendwie fiel es mir auch psychisch schwer. Zuerst war ich wieder total beeindruckend mit der Natur, als wir 1 ½ Stunden mit dem Moto durch den Nebenwald und spaeter durch den Regenwald (tiefer gelegen) in den Morgenstunden fuhren. Als wir ankamen, erkannte ich sofort den Baustil der Haeuser. Hier gibt es viele „comunidades nativas“ wie es hier genannt wird, doch viele kennen die indigene Sprache nicht und sind sehr „westlich“. Nur der Bau der Haueser und die Gesichtszuege lassen darauf hinweisen, dass sie Nativas sind.(Ich moechte den Ausdruck Indianer nicht verwenden, weil die Nativas ihn selber nicht verwenden und machne sich sehr beleidigt, erniedriegt und verwundet durch ihn fuehlen fuehlen, da es sehr komplex mit viel Leid, Verwundung und Traumata zusammenhaengt. Ein Ausdruck der ihnen einfach aufgezwaengt wurde durch die Spanier.).

Angekommen, wurde mir irgendwie klar, dass sie sich selber absondern. Direkt gesagt wurde es nicht zu mir von den DESCO-Mitarbeitern, aber hingewiesen. Sie bauen nur das an, was sie selber verzaehren. Besitzen kein Geld und kaufen sich nichts. Den ganzen Tag essen sie nur Yuka (eine Kartoffelart). Zum Fruehstueck vermischt mit viel Wasser und Milch. Mittagessen fritiert. Abendessen gekocht. Fleisch essen sie selten, dann auch fast ausschliesslich Wildfleisch aus dem Wald. Und waehrend mir das gesagt wird, sehe ich ein kleines Maedchen, vielleicht 4 Jahre als, mit einem aufgeblaehten Bau. So ein wie es nur im Fernsehen zu sehen bekommt, Bilder aus Afrika. Nie haette ich gedacht, dass ich selber eins sehen werde. Ich war sprachlos und geschockt. Schnell habe ich meinen Kopf gesenkt. Habe ich gerade wirklich das gesehen? Ja. Noch einmal schaute ich es an. Das Maedchen hatte Angst vor uns und versteckte sich hinter dem Haus. Ich fragte leise Marco, einen Mitarbeiter, und er sagte, dass es von der Fehlernaehrung kommt und von den vielen Wuermern und Parasiten, die z.B. in Fleisch vorkommen. 
 

So unwahr und sureal wie diese Begegnung war, verlief der Tag auch weiterhin. Der Curso stellte die NRO (nicht-Regierungsorganisation) DESCO  vor und seine Taetigkeiten ueber Kaffee. Die Anfrage um ihnen Starthilfe zu geben, ging von der Comunidad aus, damit sie ein bisschen Geld nebenbei verdienen koennten um z.B. Kleidung und Schulhefte zu kaufen, . Die Fragen anschliessend waren sehr kritisch und machen deutlich, wie verwundbar sie sind. Aus Selbstschutz kritisch... „Wieso wollt ihr uns helfen...“, „wie werden wir in Kontakt verbleiben, wir haben kein Handynetz, werdet ihr uns auch nicht im Stich lassen und/oder vergessen?“. Da wir als Freiwillige vorgestellt wurden, die ueber Kaffee ein bisschen lernen wollen etc., wurde sofort ein Statement vom Praesidenten abgegeben: „Deutsche Freunde, baut uns ein Sendemast, wir wollen ein Handynetz haben.“. Sofort haben sie uns Deutsche mit deutschen Ingeniereun verbunden, die ihnen etwas „schenken“ wollen. Als dann der Praesident in der indigenen Sprache Ashaneka mit den restlichen Zuhoerern gesprochen hat, wandte er sich spaeter an uns und kommentierte, dass „ er nicht in einer fremden Sprache fuer ihn, wichtige Sachen besprechen wuerde, es tut ihm zwar leid, aber verbiegen tut er sich nicht...“. 

Die wunderschoene Selva
Es war eine sehr schoene Erfahrung, auf eine andere Art und Weise, aber doch sehr schoen. Die letzten Tage, hatte ich wieder so schoene Momente. Um 6 Uhr morgens holte mich ein Mitarbeiter ab und wir fuhren ca 2 Stunden ueber eine Holperpiste zu seiner eigenen Finka und dort Fruehstueck zu essen. Fast alle in der Gegend besitzten ein Haus in der Stadt oder im Dorf und eines, naemlich die Kaffeefinka auf dem Land („Campo“). Dort bereiteten wir das Huehnchen vor fuer das Fruehstueck und fuer das Mittagessen. Nach dem Essen fuhren wir weitere 30 Minuten durch Stock und Stein, durch Fluesse und Wasserfaelle. Angekommen an einem Haus, wanderten wir geschwaecht von der Hitze (30 Grad) und Luftfeuchtigkeit zwei Stunden durch den Dschungel. Mit einer Machete um die Lianen und andere Pflanzen aus dem Weg zu schneiden. Wartet mal, bin ich in einem Film? Zwickt mich einer bitte, denn glauben kann ich es immer noch nicht nach fast 2 Monaten Extreme. Nach ca. 1 ½ Stunden Wanderung kamen wir an einen Fluss, der uns seit Villa Rica begleitet hatte. Ich sah die Kaffeepflanzen und die komplementaeren Kulturen, Bananen und Yuka, auf der anderen Seite des Flusses. Aber der Abhang war steinig und zu steil um sich dort runterzuhangeln. Ploetzlich fiel mir die Schnur ueber meinem Kopf auf. Seilbahn! Der Dschungel, der Fluss, die Machete, die Seilbahn und ich? Nein, das muss ein ein Traum sein! Na gut, Traum hin oder her. Auf der anderen Seite angekommen, begruesste uns ein sehr herzlicher alter Mann. Sofort wurde mir eine ganze Papaya in die Hand gedrueckt, zur Staerkung. Ein Getraenk (Flusswasser abgekocht und Limonen aus dem angebauten Baum und Zucker selbst gepresst aus Rohrzucker : ) ) auch gleich hinterher. Der Mitarbeiter und ich schauten uns die Kaffeepflanzen an, besprachen mit dem Bauern was zu verbessern ist, wie die Pflanzen geduengt werden, wie beschnitten werden. Der Mann wohnt allein, seine Frau in dem Haus zwei Stunden Wanderung. Das naechste Dorf/Kleinstadt ist weiter 2  ½ mit Auto entfehrnt. Um die Kaffeeernte zu verkaufen vergehen viele Tage und viele Kilometer per Fuss. Ein Sack Kaffee wiegt 50 kg, 4 mal taeglich wird jeweils ein Sack Kaffee zum naechsten Haus getragen... Ein bewundernswerter, alter, weiser Mann. Er liebt die Natur, er liebt seinen Kaffee und er liebt sein Leben. So viel Zufriedenheit wuerde ich mir in Deutschland wuenschen!
Seilbahn : )

Auf der noch laengeren Wanderung zurueck zum Haus, viel der Aufstieg natuerlich noch schwerer. Nicht zu vergessen ist, dass ich viel mehr Gewicht im Rucksack hatte. Der Mann der fast nichts besitzt, nur das was er selber anbaut, gab mir eine weitere Papaya, viele Limetten und Zitronen als Geschenk. Die Frau des Bauern begruesste uns schon mit einem weiterem Getraenk im Schatten eines Mangobaumes. Nach dem Mittagessen, selbst gebratenes Huehnchen aus Tupperdosen, auf dem Rasen im Schatten, kam uns ein weiterer Bauer entgegen, den wir schon vorher gesucht hatten. Doch auf seiner Finka war er nicht aufzufinden, da er seinen Bullen suchen gegangen war, der abgehauen ist. Natuerlich ist der Bulle sehr kostbar, und eine gefaehrliche Wanderung von 2 Tagen ist es wert, einen kostbaren Schatz der seine 3 Monatseinkommen kostet, zu suchen. Der Mann lied uns ebenfalls zu sich ein. Er strahlte so viel Waerme und Gastfreundlichkeit aus; sofort stellte er viele Minibanen und grosse Bananen auf dem Tisch und wir unterhielten uns. Als er fragte wie es mir denn gefiel die Selva, unterbrach der Mitarbeiter mich und ergaenzte als Information, dass ich aus Deutschland sei. Der herzliche Mann, laechelte mich an, sodass seine Augen glaenzten und sagte als Entschuldigung fuer sein kleines, schmutziges Zuhause: „Mein Haus ist klein, aber mein Herz ist gross.“.  Ich war unglaublich geruehrt, ich hatte Traenen in den Augen. Wie gut kann ein Mensch sein... einer Fremden mit so viel Liebe entgegen zu kommen... Er sagte zum Schluss, dass ich Peru,sein geliebtes Land, kennenlerne und dass er gern mein Land kennenlernen moechte. Ich bejahte, so herzlich wie moeglich, doch mit einem Kloss in meinem Hals. Der Mann hat nichts und wird wahrscheinlich auch nichts haben, so leid es mir auch tut, aber dies ist die bittere Wahrheit. Er kann sich nicht einmal ein richtiges, vollwertiges Mittagsessen kochen... Wie soll er mich denn besuchen kommen, so sehr ich mir es auch wuenschen koennte? Er reichte mir weitere 2 kg Bananen und  4 Maiskolben. Mehr als „muchisima gracias“ und ein Haendeschuetteln mit 2 meiner Haende konnte ich ihm nicht geben. Koennt ihr euch vorstellen, dass dieser inspirierende Mann sich bei mir bedankt hat?

Am Abend fuhren wir zurueck zu der Finka von dem Mitarbeiter und wir ernteten Avocados, da sie sonst ueberreifen. Er kletterte auf den grossen Baum und pflueckte die Avocados und schmiss sie zu mir und ich sammelte sie. 150 Stueck ingesamt. Davon 30 fuer mich. 

Fuer solche Momente weiss ich wieso ich hier bin! Immer wieder werde ich daran erinnert wie gut mir dieses Jahr tut, was fuer eine Freundlichkeit, Herzlichkeit mir entgegen gestrahlt wird. Diese Waerme, nicht nur Sonnenwaerme, werde ich auftanken und zu euch bringen, nach Deutschland und Polen : ) 
Versprochen!

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Gekaufte Stimmen ?



Am Sonntag hat endlich, endlich die absurde Non-Stopp-Party der verschiedenen Partein ein Ende genommen. Der 3.10.2010 war ein bedeutener Tag fuer alle Perunar – bedeutend  fuer die regionalen Politiker, deren Familienangehoerigen und teuer, armutsfoerdernd  fuer die Waehler.

Haeuserwaende, grosse Steine und alles
was eine Flaeche zum Werben bietet wird
genutzt
Wieso demokratische Wahlen teuer und armutsfoerdernd sind, fragt ihr euch? Es gibt Wahlpflicht in Peru. Dies bedeutet, dass die Millionen von Einwohner wie in biblischen Zeiten zu deren Anmeldeorten  pilgern muessen. Machmal auch mehrere Tage. Dies ist natuerlich fuer die Bauern unmoeglich. Haus, Vieh, Kinder nur  fuer 4 Kreuzchen allein lassen und die lange, teure Reise in Kauf nehmen (die machmal mehrere Wochengehaelter kostet der Bauern) ist aufwendig und nahezu unmoeglich. Den Anmeldeort zu wechseln ist auch nicht so einfach wie es leicht ueber die Lippen kommt oder wie leicht der banale Gedanke im Kopf schwirrt. Fuer die Behoerdengaenge  braeuchte man mehrere Tage oder sogar Wochen, moeglicherweise auch “Trinkgeld” welches natuerlich Korroptionsgeld ist mit dem der Prozess sich ploetzlich beschleunigen liese. Die Reise zu den Behoerden gestaltet sich schon schwierig. Wie soll den die arme Baeuerin erst in eine Stadt kommen, wenn sie schon zum naechsten Lebensmittelgeschaeft in ein Dorf mit 3 Haeusern 2 Stunden in eine Richtung wander muss!

Fuer die vielen Faellen der Unmoeglichkeit zu waehlen, auch auf Grund der besonderen Geografie Perus, hat die Regierung natuerlich einen Masterplan entwickelt: Die Bankkarte wird gesperrt, der Personalausweis entzogen und eine Strafe von 180 Soles folgt (zum Vergleich: ein Mittagsmenu kostet  5 Soles, 1,40 Euro, dies ist trotzdem nicht fuer alle erschwinglich). Die Reise wuerde ungefaehr das Gleiche kosten, nur das Plus ist, dass Vieh, Feldarbeiten und Kinder nicht vernachlaessigt werden.

Das beste Beispiel des "einander Uebertrumpfens":
Ein Wahrzeichen von Villa Rica. Am Anfang als ich ankam gab
 es nur das Herz. Spaeter folgen "Peru". Dies liesen die Fujimoris nicht durchgehen und kreierten das K. Zum Schluss kam der Slogen: "Alcade (Buergermeister) la Torre". Zwischendurch natuerlich das"SOMOS Peru" im Herzen!


Sogar die Palmen werden in Herzchen geformt...
Everybody goes loco!



Auch fuer mich war der Tag bedeutend: Endlich in Ruhe schlafen koennen, endlich ueber die Strasse gehen zu koennen und nicht ins Kichern zu kommen, wenn mein “Chef” mit mir in seiner politischen Gestalt redet. Wieso ich Chef in Anfuehrungsstrichen geschrieben habe, ist leicht zu erklaeren. Er ist Chef der NICHT-REGIERUNGSORGANISATION DESCO, taetig als Politiker wo er natuerlich auch Gehalt bekommt… Hmmm… Widerspruchlich? Seit dem Monat den ich in Villa Rica verbracht habe, habe ich ihn kein einziges Mal bei seiner richtigen Arbeit im Buero gesehen. Zusaetzlich hat mich es stutzig gemacht, dass er seit 3 Jahren in einer Beziehung mit einem Maedchen ist, das jetzt  erst 18 Jahre alt geworden ist. Zur Information, er ist 45 Jahre alt und kandidierte als President des Bundeslandes Pasco.

Es ist sehr lukrativ Politiker zu sein in Peru. Den Waehlern ist bewusst, dass der Politiker Geld, Staatsgelder in die eigene Tasche steckt. Stoeren tut es so lange nicht, wie der Politiker “noch” etwas tut. Auch wenn die Taten, Plaene und Organisation sinnlos, unsinnig und absurd ist. Hauptsache sei, er mache “etwas”.
Mein Gesicht spricht Baende...
Ich empfinde den ganzen Monat als ein einziges Werben, Einkaufen und Fiesta machen fuer die Partein. Erik und ich mussten immer lachen, als die Tausenden Karawanen in herzchenformten Verziehrungen von “Somos Peru” (“Wir sind Peru”) oder das orangene Meer von “Fuerza 2011” (“Staerke 2011” -->Fujimoris) an uns vorbeizogen. Dabei war es unmoeglich ohne stundenlang zu warten, die kleine Strasse zu ueberqueren. Wie oft sahen wir auf der Strasse kostenlose Mittagessen, alkoholische Getraenke oder sonstige Beguenstigungen fuer Passanten direkt vor einem Wahllokal oder einer Parteikammern. Wie oft ging es laut her als eine Partei lange in die Nacht feierte mit Propagandaschreien und Jingles (Musikuntermahlungen). Wie oft sah es laecherlich aus, als mein Chef durch die Strassen mit schoener Kleidung entlangspazierte. Vor allem in der Mittagshitze mit Calvin Klein und Joop Kleidung? In einem Dorf welches 100% aus Kaffeebauern besteht die immer mit Gummistiefel und schmutziger Kleidung umherlaufen? Dies habe ich meine Bekannten gefragt. Ich fragte verschiedene Leute aus allen Schichten, allen Altersgruppen und verschiedenen Bildungsgraden. Ich fragte sogar die Partein ob ich nicht eine Broschuere, eine Information oder einen (Propaganda-)Flyer bekommen koennte. In den meisten Faellen bekam ich nichts- es gab nichts. Zwei Mal bekam ich einen Zettel mit dem Parteinamen und allen Namen, die fuer die Partei arbeiten. Nicht zu vergessen ist natuerlich das Bild des Hauptkandidatens- schoen angezogen, mit der Gattin/Gatten an der Seite, oder mit einem Ingineurhelm. Nichts, keine einzige Information zum Programm, zum Grundgedanken der Partei oder sonst irgendwelche bedeutenden Flosskel ausser Namen…

Als Antwort fuer meine bohrenden Fragen bekam ich immer wieder : “ Der kommt aus einer guten Familie.”, “Er besitzt ein grosses Haus.”, “Er ist Ingenieur und wird uns helfen.”, “Ich mag seine Familie.”, “Aus Loyalitaet, schliesslich ist er mein Chef.”, “Er und seine Frau sind sehr sympatisch.”.
 So, ich glaube dies wird Realitaet genannt.

Die Hauptstrasse von Villa Rica  -  Kampf der Giganten


























 Sogar die einfachsten Fragen nach der politschen Richtung konnte mir keiner Beantworten. Es sei ja eh unwichtig. Der Kandidat muesse bloss Charisma besitzen und die Redenskunst beherrschen. Dies schockte mich noch mehr als das ganze Kindertheater mit den Parties, Stimmenkaufen, Autoschlangen, dass es niemanden interessiert ob die Partei liberal oder eher konservativ ist. Sogar Akademiker (Mitarbeiter) wuerden es nicht wagen “Somos Peru” (Chef) in Frage zu stellen. In jedem Haus haengen Fahnen mit dem jeweiligen Namen der geliebten, loyalen Partei. Jeder Mensch traegt entweder ein T-Shirts, Buttons, oder die Farben der Partein. Geheime Wahlen? Fehlanzeige- offener geht es kaum. Ich wurde sogar schief angeschaut als ich mit “no name” durch die Strassen wanderte. Als ich zufaelligerweise ein weisseses T-Shirt anhatte, wurde ich zu “Somos Peru” zugeordnet. (Ihr Symbol ist ein rotes Herz auf weissem Hintergrund.)

Plakate ueber Plakaten-
Wer behaelt da noch den Ueberblick?

Wer gewonnen hat ist eh unwichtig, aendert sich sowieso nichts. Jedenfalls hat “Somos Peru” gewonnen. Mein Chef, sein Bruder, und der ganze Rest des Vetternklans. Vernichtend finde ich das Resultat. Ach ja, der Bruder meines Chefes ist Ingeneur. Und es gibt 13 weitere Geschwister… 


Wenn sich “eh nichts aendert”, wieso muessen sich dann die Millionen von armen Menschen tief verschulden? Macht fuer euch keinen Sinn? Fuer mich auch nicht. Beendet wird die grosse Party/Fiesta/Siesta  auch nicht, schliesslich wird im April der President von Peru gewaehlt. Die Party, die Fahnen und die T-Shirts bleiben. Das Chaos geht weiter. Die Schulden der Bauern, Unterschichtlern und Mittelschichtlern muessen beglichen werden bis die naechsten unsinnigen Schulden angehaeuft werden.

Auf Hoch auf die Demokratie mit geheimen, offenen Wahlen!