Dienstag, 21. September 2010

Learning by Doing


Vor genau 2 Wochen bin ich voller Erwartungen, Traeumen und Vorstellung nach Villa Rica gekommen. Obwohl ich immer diejenige war, die davon gepredigt hat niemals “Erwartungen” zu haben, den diese werden in den meisten Faellen nicht in Erfuellung gehen und somit ist die Enttaeuschung um so groesser. Erwartungen zu haben ist menschlich; menschlich ist auch, dass das Beste fuer die eigene Person nicht einmal gut genug ist. Wer moechte nicht noch reicher,  noch huebscher sein mit einem noch groesserem Freundeskreis?
Mein Haus befindet sich unten auf der Karte, links von der Hauptstrasse.
Das Buero befindet sich gaaanz weit oben auf der Hauptstrasse :)
Und trotzdem hatte ich Erwartungen. Ich kam in der Nacht an und habe auf dem Boden von Erik, einem anderer weltwaerts-Freiwilliger der mit mir bei DESCO arbeitet fuer das kommende Jahr, geschlafen. Am naechsten Morgen als ich aus der Haustuer rauskam, fiel mir eines sofort auf. Staub. Ueberall Staub. Die nicht geteerte Strasse, in Deutschland wuerde es nicht einmal Feldweg genannt werden,  von La Marced nach Villa Rica (ca 2 Stunden Fahrt)  streckte sich auch fort durch die kleine Stadt und weiter ins Campo. Das Staedchen liegt ca. 1,600m ueber dem Meeresspiegel und wird auch liebevoll als “Cejas de la Selva” genannt, die Augenbraue der Selva. Obwohl es  Selva Central heisst, liegt es auf Huegeln oder sogar Bergen und ist angenehm kuehler als die tropische Selva. Das Atmen faellt schwer, wenn die zahlreichen Mototaxis oder Pick-Ups durch die Gassen duesen.  Es gibt eine Hauptstrasse, 2 oder 3 kleinere Parallelen dazu und viele kleine Gassen. Kurz gesagt, es ist ziemlich uebersichtlich und zugleich unuebersichtlich. “Wo war nochmal der kleine Stand mit den gekochten Bananen im Teig? Gegenueber von der  fuenften Apotheke , 3 Gasse vom Baecker… oder doch die 8?”
Das Buero von DESCO liegt genau auf der anderen Seite der Stadt auf einem Huegel ungefahr 15 Minuten Fussweg von meinem Haus; 30 Minuten wenn der Frisch gepresste Orangensaft (Papaya, Bananen, Surtido oder all die zahlreichen anderen Varianten) mit gerechnet werden soll, den ich  fast jeden Morgen vor der Arbeit trinke.
Das Team ist relative jung und sehr nett. Sofort wurde ich mit einem Kuesschen auf die Wange begruesst. Der erste Tag im Buero verlief schleppend. Ich hatte nichts zu tun und war die meiste Zeit damit beschaeftigt meine Zeit im Internet zu vergeuden, obowhl ich doch so viel Besorgungen machen wollte. Von 8:30 Uhr bis 13 Uhr und von 15 Uhr bis 18:30Uhr/19 Uhr bin ich und sollte ich eigentlich mit Spanisch lernen verbringen. Na gut, Plaene muessen ja nicht immer umgesetzt werden. Nach der Arbeit habe ich mit meiner Vermieterin gesprochen und konnte gleich einziehen. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und das Badezimmer waren inbegriffen. Meine erste Wohnung, MEINS. Meins. Meins, dass mir keiner so schnell wegnehmen. Meins, mit dem ich bestimmt kann was ich moechte. So langsam habe ich es eingerichtet. Ich habe mir einen Schrank, Geschirr, Wasserkocher, Bettbezug etc. gekauft. Jetzt moecht ich es nur noch ein bisschen gemuetlicher machen, obwohl es mir das Herz zerreist daran zu denken, dass ich das Alles was ich hier mir zurecht zaubere nach meinen Vorstellung, mein erstes Eigentum, zuruecklassen muss.
eine Kaffeefinka mit Bananen
An meinem 2. Arbeitstag ging es dann endlich ins Campo. (Als Campo wird alles ausserhalb der Stadt genannt, in meinem Fall: Kaffeeplantagen sogenannte Finkas oder Doerfer mitten im Urwald (Selva). Endlich etwas Grunes sehen, nach der tristen Lima, nach der staubigen Villa Rica, glitzerten meine Augen und ich konnte mich gar nicht statt sehen. Alles ist gruen und es wird es auch so bleiben ein ganzes Jahr lang. An dem Tag habe ich Kaffeebauern besucht. Sie wurden ueberprueft, ob auch alles mit der Be-, Entwaesserung, Kompostierung und so weiter mit den oekologischen Richtlinien uebereinstimmt. Viele produzieren den aufwendigeren und teureren oekologischen Kaffee, leider nur sehr wenige Fair Trade. Aber dazu komm ich spaeter. Dies ist nu rein Teil mit dem sich DESCO befasst. DESCO ist eine 44 Jahre alte NGO (Nicht-Regierungs-Organisation), die sich mit der sozialen Entwicklung und Staerkung der Leistungsfaehigkeit der Sektoren beschaeftigt.


1.)    Verarbeitung und Vermarktung von Kaffee bezogen auf die Produktion, Wertschoepfung von Kaffee und komplementaeren Kulturen
2.)    Ernaehrungssicherheit und Ernaehrung allgemein, Produktion fuer den Eigenverbrauch (Hauswirtschaften und Kleinvieh), Fragen ueber Gesundheit, Ernaehrung und die Foerderung des gesunden Wohnens
3.)    Umwelt und laendlicher Tourismus, im Zusammenhang mit der Erhaltung der tropischen Waelder und  Schutzgebieten, Vorteile des Potentials fuer die Entwicklung des Fremdenverkehrs wecken
4.)    Organisation und lokaler Mangament, wobei der Schwerpunkt auf die Staerkung der Erzeugergemeinschaften, Produzenten und Unterstuetzung der lokalen Verwaltung bei der Umsetzung der Entwicklungsprozessen

Ich finde es spannend  und faszinierend alles mitzuerleben- hautnah,was die Medien, die Schule, die Bevoelkerung einem jungen Menschen vergeblich (wahrscheinlich zu 90% vergeblich) vermitteln moechte an Wissen, Moralvorstellungen, Idealen und Werten. Ein Buch, ein Vortag, eine Praesentation koennen mir nie das Bewusstsein vermitteln wie viel Kraft, Arbeit, Fleiss und Geduld hinter einer Tasse Kaffee stecken. Bei meinem stressigen Grossstadtleben in Berlin, von Schule ueber  meinem Sportverein zur Arbeit bis hin zur naechtlichen Hausaufgabenschichten, trank ich Kaffee wie Wasser. Hab ich jemals nachgedacht was hinter meinem Lebenselixir steckt? Wasser, H20,… Wasserhahn auf, Wasserhahn zu. Aber Kaffee? Nur die Geniesser-Werbungen im Fernsehen; irgendetwas von Arabica mild und fein, herb; Cappuccino. Ach doch, da daemmert mir noch etwas von: oekologischem- und Fair Trade Kaffee. Jetzt seh ich mit meinen eigenen Augen, fuhle mit meinen eigenen Haenden was es bedeutet eine Tasse Kaffee zu geniessen. Wie sehr ich mir doch gewuenscht haette, frueher zu wissen was ich den Menschen die es pflanzen, mit Chemikalien vollspruehen, die es pruefen, die es pfluecken, die es trocknen, die es waschen, die es roesten, die es mahlen,die es verpacken; der Natur und mir selber an tue mit einem konventionellen Kaffee.


Zwischen den Bildern gibt es halt immer noch viel, viel mehr Arbeitschritte. Die Planzen wachsen ein Jahr gesondert, muessen spaeter umgepflanzt werden, besprueht werden. Kaffee wird das ganze Jahr ueber geerntet, da es keine Jahreszeiten gibt wie bei uns. Nach dem Ernten, wird die Kaffeefrucht, die 2 kleine Kaffeebohnen hat, 2 mal gewaschen. Spaeter getrocknet. Dann nach der Groesse sortiert. Im geheizten Ofen wird dann die Schale weggerubbelt. Noch einmal trocknen. Verkauft. Zur Roesterei gebracht und wieder 3 verschiedene Maschienen. Nach dem Roesten, werden die besonders dunklen Bohnen per Hand weggeschmissen. Eine weitere Maschine zermahlt die braunen Bohnen.
Und das Alles ist auch nur die extreme Kurzfassung  =)




Nie koennte mir ein Buch, ein Vortrag, eine Praesentation nie das Wissen vermitteln koennen ueber Monokulturen, neuen Schnitttechniken, neuen Methoden zur Melioration (3 verschiedene Etappen, alles oekologisch, ohne viel Aufwand, ohne Geldinvestitionen), ueber die Bodenbeschaffenheit und den natuerlichen Zyklus.
Neue Kueche mit Ofen und Belueftung




Alte Kueche
Ja ja, so putzt man Zaehne
Noch nie, obwohl meiner sehr guten Abiturnote in Geographie (Thema: Entwicklungszusammenarbeit), habe ich mir Gedanken gemacht wie der “westliche Lebensstil” in einem Entwicklungsland vorangetrieben wird. Was habe ich mir unter Aufklaerung der Bevoerlkerung vorgestellt? Ich weiss es nicht mehr. Das alles wird so schnell zum Alltag fuer mich. Als ich das erste Mal bei einem Kurs zur “Bevoelkerungaufklaerung ueber Hygiene”, Bau von Latrinen und Kuechenstellen mit meinem Team auf das Campo gefahren bin, habe ich mir machmal gedacht wie hier Menschen leben koennen. Mitten in der Pampa, mitten im Urwald, 5 Stunden durch Schutt-,Stein-,Wasserfallpisten, von meiner winzigen Stadt entfehrnt leben, die ich sogar als etwas primitiv empfinde…ohne Supermarkt. Eine Geburt, ein Todesfall, eine Krankheit… alles aufwendig. Alles minimum 5 Stunden entfehrnt, falls ein Pick-Up, wie das von meinem Team, vorbei kommt und so guetig ist jemanden mitzunehmen. Waehrend des Kurses war ich fassungslos; um erlich zu sein, habe ich mich dabei ertappt. Wie peinlich ich es fande 20 Menschen, allen Altersstufen, meine Kollegin dabei zuzusehen wie sie ueber das Zaehneputzen und das “richtige” Haendewaschen sprach. Es waren ja keine kleinen Kinder, es waren Erwachsene, die es “auch irgendwie” 60 Jahr lang geschafft haben, ohne zu wissen-wie es richtig geht. Ich fuehlte mich wie im Kindergarten. Und der Latrinenbau, kurz gesagt Plumsklo. Ich sehe die Vorteile eine Latrine zu besitzten, ich sehe aber mehr Vorteile eine richtige Toilette zu haben. Dies sind wahrscheinlich meine Denkmuster, die sehr kapitalistisch und aus meiner priviligierten Weltanschauung stammen. Leider. Doch ich merke wie schnell ich diese ablege und gar nicht mehr nachdenke. Ein tolles Beispiel hierfuer: Ich habe nur kaltes Wasser in der Dusche, obwohl ich ein stolzer Warmduscher bin. Das Leitungswasser gibt es nicht 24 Stunden ueber 7 Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr. Abends, ab circa 20 Uhr wird es abgeschaltet (obwohl es keine bestimmte Zeit gibt, machmal frueher, manchmal spaeter) bis morgens um 7 Uhr und mittags fehlt es auch oefters. Es ist sehr schwer Milchprodukte zu kaufen, wenn es doch der Fall ist, dann sind diese ueberteuert (--> Subventionierung Europas erlebe ich wieder hautnah) und die Milch ist Kondesmilch die ich mit Chlorwasser verduennen muss… Oder ich kaufe mir ueberteuertes Milchpulver welches auch aus Europa stammt. Doch habe ich dieses hier in meinem Blog erwaehnt oder in meinem Tagebuch? Die ersten Tage waren eine Umstellung fuer mich, doch jetzt fallen mir diese Kleinigkeiten gar nicht mehr auf.

Nur eines, das faellt mir schwer. Zwar sagen viele Gourmes, die peruanische Kueche sei eine der Besten der Welt, doch ganz hinter dieser Aussage stehe ich nicht. Jeden Tag, machmal 2 oder sogar 3 mal am Tag (falls das Team und ich den ganzen Tag im Campo sind) esse ich Reis, Kartoffeln (oder Maniok) und Huhn. Jeden Tag, 2 oder 3 mal am Tag, die letzten 3 Wochen… Die einzige Variation ist die Sosse, die entweder fuer den europaeischen Gaumen zu salzig oder zu scharf ist und das Stueck Huhn. Doch vielleicht gewoehne ich mich auch daran. Vamos a ver- wir werden sehen. A propos, diese Redewendung hoert man sehr oft. Das Warten und die Unpuentklichkeit, die in den Medien und diversen Buechern vermitteln werden, stimmt mit meinen Erlbenissen ueberein.
Trotzdem freue ich mich auf jeden Tag der kommt. Denn es kommt immer anders als ich mir es vorstelle. Vamos a ver.

Samstag, 11. September 2010

Vom Chaos bis zur tiefsten Stille

Als ich am Montag frueh mit 2 anderen Freiwillgen vom unserem vorbestelltem (!) Taxifahrer abgeholt worden sind, habe ich doch nichts ahnen koennen, wie der Tag weiter verlaufen wird. Wir sollten mit einem Bus ca 10 Stunden ueber die Anden fahren bis nach La Marced, wo wir jeweils von Projektmitarbeitern abgeholt worden wuerden.

Um 7:15 Uhr waren wir schon am Busbahnhof. Der Bus, fuer den wir vorreservierte Tickets hatten, sollte aber erst in 1 ½ Stunden abfahren. Wir fragten nach, ob wir hier richtig waeren (da das Gebiet wieder etwas gefaehrlicher aussah) oder ob wir noch was machen sollten (wie z.B. Koffer wiegen). Die Dame verneinte die Fragen, also stellten wir unsere Koffer/Rucksaecke etc schon im Bus ab. Jeder von uns hatte einen schweren Koffer, jeweils einen grossen und einen kleinen Rucksack und immer noch was in der Hand. Die naechsten 1 ½ Stunden wollten einfach nicht vergehen. Die Vorfreude auf unser neues Zuhause, auf unsere Arbeit und auf unser neues Leben waren greifbar.

Tja, wie ihr schon ahnen koennt, war es wieder einmal anders als geplant und wie es gedacht worden war. 5 Minuten vor der Abfahrt wurden wir zum ersten Mal misstrauisch. Auf dem Hof standen 3 Busse, wo eigentlich nur Platz fuer 2 Busse war (theoretisch : ) ), aber das schafft man hier : ). Ploetzlich fuhren ein Bus nach dem Anderen ab. Wir setzten uns schon einmal auf unsere Plaetze im Bus hin und ploetzlich schreit ein juenger Mann: “Neeeiiinnnn”. So ploetzlich wie das Nein in den Raum ausgesprochen wurde, haben wir uns nicht angesprochen gefuehlt. Der Mann hatte doch schon unsere 6-8 Koffer eingepackt und unser Ticket auch angeschaut… Was war den das Problem? Er meinte er fahert doch nicht nach La Marced! Bitte was? Und wo faehrt der richtige Bus ab? …Die Antwort war vernichtigend. 2 Quadras, vllt uebersetzt so viel wie 2 Blocks weiter. Aber unsere Koffer waren doch im Bus, und wie sollen wir denn vollgepackt mit jeweils gefuehlten 10000 kg noch 1 km sprinten, ohne Wegkenntnisse, ohne Sprachkenntnisse (wegen dem Schock) und so wie so… in 3 Minuten???

Wir dachten nicht nach, wir liefen einfach drauf los. Um es bildlich zu machen, stellt euch, 3 “reiche Weisse” im aermlichen Viertel vor, die um ihr Leben rennen mit vollbepackten Armen, die total verwirrte und hilflose Augen haben. Ich glaube wir waeren leichte Beute fuer einen Raubueberfall. Aber naja, die Taxis riefen uns nach, Leute lachten und wollten uns helfen, wahrscheinlich um Geld zu verdienen. Auf halber Strecke drehten wir um, da es sinnlos fuer uns sinnlos erschien einem Bus hinterher zu laufen, der wahrscheinlich eh schon weg ist. Wir kehrten um. Ploetzlich kam der Mann, der dieses verdammte “Nein” gesagt hat, uns entgegen und wollte uns die Koffer wegreisen. Der wollte wahrscheinlich wieder Geld, dachten wir, aber nein. Er meinte er wird uns helfen. Irgendwas redete er vor sich hin, eigentlich zu uns, aber wir waren so verwirrt, sodass wir nicht einmal einen klaren Gedanken fassen konnten. Er nahm unsere Koffer ab und packte sie wieder dort hin, zur Gepackabgabe des Busses, wo sie am Anfang waren. Die Geschichte haben wir selber zusammen gereimt: Er wuerde uns mit einem total anderem Bus mitnehmen und irgendwie in 15 min wuerden wir ankommen an einem Ort, wo der urspruengliche Bus auf uns warten wuerde. Ich rief unsere Zustaendige an. Sie verstand uns nicht, genau wie wir selber. Wir reichten das Handy weiter zu dem verrueckten Mann. Die konnten sich auch nicht verstaendigen und sie legte auf. Ich versuchte sie zurueck anzurufen. Was sollten wir denn machen? In einen Bus einsteigen, der in eine ganz andere Richtung fahert? Und unsere geliebten Koffer, unser Hab und Gut fuer das naechste Jahr ist, einfach stehen lassen? Oder blind vertrauen, einem Mann, den niemand verstehen kann? Ich konnte sie nicht erreichen, unsere “Retterin”. Wir resignierten und stiegen in den Bus ein, der uns auch nach Mexico bringen koennte. Die geplanten 15 Minuten vergingen, 30 Minuten vergingen, 45 Minuten vergingen. Und dann klingelte mein Handy. Ein Anwalt. Ein peruanischer Anwalt. Ich war so hilflos und resigniert; ich gab einfach den Hoerer kopfschuettelnd dem “komischen Mann” weiter. Wir hoerten wuetende Geraeusche, sehr laute Geraeusche aus dem Hoerer. Der eigentlich komische Mann wurde ganz blass. Unsere zustaendige Person in Lima hat einen Anwalt eingeschaltet, damit wir sicher sind. Er weiss bestimmt was man mit 3 “reichen, weissen” Deutschen machen koennte. Zudem haben wir hier in Peru sowas in der Art wie ein Diplomaten-Visum…

Endlich nach einer Stunde stoppte der Bus und wir liefen einfach raus. Schnappten uns unsere Koffer und stiegen mit in den richten Bus ein, nachdem wir uns bei 10 verschiedenen Leuten auch wirklich, auch wirklich 5 mal versichert haben, ob der Bus nach La Marced faehrt.

Die Moral der Geschichte, der angeblich komische und verrueckte Mann wollte wirklich nur Gut. Aber wir haben uns nicht einmal bedankt, die Zeit blieb uns einfach nicht.

Die Fahrt, die 10 Studen gedauert hat,hat alle Sorgen weggeblasen. Von 20 m ueber dem Meeresspiegel auf fast 5000 m und wieder runter auf 1600m ueber dem Meeresspiegel hat uns verzaubert. Ich moechte auch nicht viel mehr sagen, als dass ich richtige, wild Lamas in Herden gesehen habe, wie sie idyllisch gegrast haben und wie sie die Berge hochliefen.

Traumschoen- wirklich traumhaftschoen.


Sonntag, 5. September 2010

Gegensaetze


War ich diejenige die vor ein paar Tagen ueber meine ersten Eindruecke geschrieben hatte, dass es amerikanisch beziehungsweise europaeisch aussaehen wuerden? War ich das wirklich? Wie schnell wir Menschen doch voreingenommen sind, wenn wir etwas kurz sehen und kurz hoeren und sofort daraus Schluesse ziehen.


                      contra



Na klar, sieht es hier auch amerikanisch aus… wie viele haben Geld, Bildung und all die materiellen Gueter? Viele, sicherlich. Aber bei einer riesigen Metropole von ueber 8 Millionen Einwohnern, wo es tagtaeglich mehr werden, gibt es Beides: extremen Reichtum und extreme Armut. Das Foto ist ein Beweis, dass Limas Grenzen nicht enden moechten. Auf den Berg sind wir ca. 2 Stunden durch Lima gefahren und es kam uns vor als wenn es per Luftlinie ca. 40km von der Pazifikkueste entfehrnt ist, aber gesehen haben wir gerade einmal 5% von der riesigen, ueberdeminsionalen Stadt. 

Von dem etwas reicherem, sicherem Stadtviertel, Miraflores, wo sich unser Hostel befindet, haben wir eine alternative Stadtrundfahrt gemacht um die andere Seite von Lima zu sehen, die andere Seite names  Realitaet. Die Realtiaet wo wir alle uns aufhalten werden im kommenden Jahr… Wir fuhren und fuhren, es fuehlte sich an wie unendlich viele Ewigkeiten. Kilometer pro Kilometer veraenderte sich das Stadtbild. Gruene Flaechen auf den Strasseninseln, Parks, Baeume veraenderten ihre Gestalt. Ploetzlich waren Laubbaeume abgestorben, vertrocknet und verdorrt. Die Strasseninseln voller Muellberge. Alois, unser “Tourguide”, der selber Deutscher ist, aber seit vielen Jahrzenten im Land wohnt und sogenannte Ecosilos (Lima ist eine Wuestenstadt und wie mit umweltvertraeglichen und nuetzlichen Methoden trotzdem den Garten zum Beispiel begruent mit Kompost), erzaehlte uns die Politik sei Schuld. Lima hat 43 Bezirke (welche auf gar keinen Fall mit der Groesse von Schoeneberg-Tempelhof (Berlin) oder in Warschau mit Mokotow verglichen werden kann) und alle Bezirke haben eigene Buergermeister, die eigene Regeln, Gesetze etc . verfassen und durchsetzen. Jetzt sind auch Kommunalwahlen, die besonders wichtig sind. Die Buergermeister sind korruptiv, wie die meisten Politiker hier, deswegen ist es auch so lukrativ in die Politik einzusteigen. Die Bevoelkerung sagt auch nichts oder nicht viel zu der Korruption, fuer sie ist es wichtig, dass ueberhaupt etwas gemacht wird, egal was, hauptsache etwas. Und wenn dass der Fall ist, darf er auch sich “etwas-mas o menos” in die eigene Tasche stecken. Ueberall in der Stadt werden gigantische Wahlplakate vorgefunden, sogar auf Huegeln werden Namen, Kampagnen und Wahlpropaganda vorgefunden. 

Um zurueck zu der Thematik des Vertrocknens zu kommen, ist es so: Politiker werden gewaehlt, Stadtsanierungsprogramme werden entworfen, die aber nicht geeignet sind fuer die Wuestenregion. Alles wird kuenstlich bewaessert. Aber nach der Amtszeit kommt meist ein neuer Buergermeister an die Macht, der andere Projekte-auch Verschoenerungsprojekte hervorruft, aber natuerlich andere, damit er wiedergewaehlt wird. Deswegen sieht Lima so aus wie sie aussieht. Eine Metro/U-Bahn wurde geplant, Projekte entworfen, Bauarbeiten angefangen und schon war die Amszeit  um und das Projekt, Bauarbeiten sind stillgelegt und seit 25 Jahren in Lima findet man die gleiche Baustelle mitten in der Stadt vor.
Mit dem Touristenbus, der super luxurioes war, fuhren wir ins “Armenviertel”. Alois bezeichnet diese nicht als Armenviertel, sondern Menschen die Ziele, Traeume und Vorstellung haben und das Beste aus ihrer Situation machen. Die Menschen die wir kennengelernt haben, waren so guetig, nett, hilfsbereit und so unglaublich freundlich. Alle waren offen und bezaubernd, wollten alles ueber uns wissen. Ich habe mich aber auch sehr schlecht gefuehlt mit einem supertollen Bus durch ein Gebiet zu fahren, wo Menschen mit weniger als 2 US $ am Tag leben und wir sie wie im Zoo beaeugen. Machne waren auch verwundert und verwirrt. Genauso war ich verwirrt… soll ich zurueckwinken und noch mehr Distanz schaffen? Oder es einfach hinnehmen als Armentourismus? Oder soll ich es als Horizonterweiterung ansehen mit negative Auswirkungen…?


Was stellst du dir vor, wenn du das Bild siehst? Welche Vorstellung hast du wie die Menschen leben? Wahrscheinlich  denkst du genau das Gleiche wie ich. Aber eigentlich ist es gar nicht so wie es auf den ersten Blick scheint! Die Menschen die sich so eine Huette leisten koenne, muessen Geld auf dem Konto haben. Viele, fast alle Kinder gehen auf Privatschulen. Keiner sieht schmutzig oder verhungert aus. Das Bild truebt; das habe ich gelernt. Die Land-Stadt-Flucht ist in Peru anders als in der ganzen Welt aufgrund der besonderen Geografie des Landes. Die Migranten reisen in Etappen, z.B. von einem Andendorf in eine groessere Stadt wo Arbeit gesucht und gefunden wird. Kurze Zeit spaeter zieht man weiter in Richtung Lima und macht mehrere Stopps die auch Wochen oder sogar Jahre dauern koennen. Die Stroh-, Holzhuetten auf den Bildern sind Landbesetzungen. Es ist Land welches nie Wasser haben wird  und wo nur selten Stromanschluss moeglich ist- das Niemandsland. Die Landbesetzung wird toleriert und ist sogar ein strategisches Vorgehen der Bevoelkerung und der Politiker. Das Niemandsland muss 5 Jahre lang besetzt werden, dann wird es ins Grundgesetzbuch eingetragen. Spaeter kann die Bevoelkerung das Grundstueck mit Haus verkaufen und haben Geld. Zuerst wird wie gesagt nur eine kleine Minihuette gebaut, falls es keine Aufstaende oder Sonstiges gibt, wird es verschoenert, ausgeweitet, umzaeunt und so weiter. Viele der Menschen haben auch mehrere solcher Haeuser um spaeter daran Geld zuverdienen. Das Interesse der Poltiker ist immens, denn die Wahlpflicht verpflichtet jeden zu waehlen (sonst gibt es Geldstrafen, Bankkonto wird entzogen, Identitaetsverlust etc.). Die Buergermeister werben mit Propaganda, dass die Grundstuecke der “Landbesetzungsbevoelkerung” fruehzeitig legal werden. Dieses Versprechen klingt verlockend und der Buergermeister bekommt besonders viele Stimmen und somit besonders viel Geld und eventuell eine laengere Amtszeit.
Der Grund fuer die beliebten Privatschulen ist, dass die staatliche Schule wenig Geld hat und die Lehrer unterbezahlt und unmotiviert sind. Es gibt auch ein generelles Missvertrauen gegenueber der staatlichen Schule und Universitaeten. Die Menschen in jenem Viertel sind arm, dass kann nicht geleugnet werden. 8 Soles pro Tag (ca. 2 US $) haben die meisten; ein Mittagessen kostet in Lima allein schon 10 Soles. Alle arbeiten fuer ihre Kinder, damit sie eine bessere Zukunft haben. Was bleibt ihnen den anderes uebrig als zu hoffen und das beste Tun fuer die naechste Generation. Viele wuerden alles geben, ihr ganzes Leben, damit ihre Kinder zur Schule gehen koennen, somit eine gute Arbeit finden  und eine bessere Zukunft haben als die ihre. Aber auch jene Menschen erzaehlen mir wie gluecklich sie sind und mir scheint als fehle ihnen an nichts. Sie sind gluecklich, haben sich arrangiert mit ihrer Situation- was bleibt ihnen noch anderes?

 Jene Menschen haben Ziele, arbeiten hart fuer diese und kreieren wundersame Sachen- wie diese junge, begabte Frau wunderschoene Teppiche (Arbeitszeit: 4 Wochen), Lesezeichen (2 Tage)  und Postkarten herzaubert.




Lima- eine Stadt der Gegensaetze.

Samstag, 4. September 2010

La vida loca en Lima


Um 22 Uhr kamen 10 von uns Freiwilligen (ich bin eine der 10) auf die brilliante Idee Lima by night und die Clubszene zu erkunden. (Kurz davor haben wir von den Risiken und Gefahren von Taxis erfahren, vom starken Drogenkonsum und damit verbundene Gewalt etc.  gehoert)
So, kurz zuvor Ausgesprochen und schon standen wir auf der Strasse und haben 3 Taxis genommen fuer einen Hungerlohn von 5 Soles, umgerechnet ca. 1,40 Euro fuer eine 25-minuetige Fahrt. Und was soll ich da gross erzaehlen, dass war wie eine Achterbahnfahrt oder noch besser, 100 % Adrenalin. Der Mann manovierte uns durch den Strassenverkehr als wenn es um sein eigenes Leben ginge und er in hoechster Lebensgefahr schwaebte. Und dann… standen wir genau so quer an einer Kreuzung um zu warten wie ich es euch schon zuvor erzaehlt habe, nur jetzt mitten im Geschehen. Auf dem anderen Fahrstreifen der anderen Spur und vor uns war ein anderes Auto quer und alles war einfach so ein Durcheinander. Ich haette da einfach resigniert als Autofahrer, zumal das Auto, das auf der richtigen Spur und richtig zum Vekehr stand, uns immer weiter bedraengt hatte und uns sogar “gedroht” hat uns anzufahren. Aber schon gebte unser Taxifahrer gas und weg waren wir.

Angekommen im Kneipen- und Discoviertel standen wir 10 Weissen, “Gringos” hier genannt, und waren ueberfordert in der Menge von Peruanern, die Geld verdienen wollten… Barranco, das Viertel, besteht jediglich aus einer Strasse mit vielen Bars, Kneipen und allem was dazu gehoert. Zuerst liefen wir einmal die Strasse hoch und runter, versuchten vergeblich niemanden anzuschauen, denn vor jedem Eingang standen ungefahr 3 Maenner, die versuchten  uns “ihren” Club attraktiv zu machen und uns dort reinzuziehen. Oder andere widerrum, versuchten uns irgendwelche Pfefferminzpastillen zu verkaufen, die “seeeeehr” stark machen wuerden. Nach ein paar Minuten des sehr Unwohlseins, haben wir uns Gringos entschlossen dort hinzugehen, wo viele andere Leute schon bereits sassen. Ich hab mich noch nie so geschaemt weiss zu sein, oder besser gesagt nur mit Weissen unterwegs zu sein. Alle starrten uns an und sahen in uns Geld. Ich glaub Comicfiguren mit Dollerzeichen in den Augen verkoerpern uns ganz gut hier.  In der Cocktailbar haben uns 10 (!!!) Leute bedient. Sogar Personal von dem unterem Stockwerk wurde zu uns gerufen… das war wirklich befremdlich. Und als wir dann auch “nur” das guenstige Bier gekauft haben, taten sie mir sogar etwas Leid. Aber gut, das Bier war mit Wasser gemischt ( ½ Wasser und ½ Bier), vielleicht kann ich das als Entschaedigung ansehen, dass sie nicht so viel an uns verdient haben wie sie gern haetten.
Und dann fuhren wir wieder zurueck in unser Hostel. Ich hab ersteinmal schoen den Preis fuer das Taxifahren runtergehandelt : ) Die Botschaft und die DED-Menschen haben uns erzaehlt, dass viele Taxifahrer auf Droge sind um ein paar Naechte durchzuhalten. Zudem trinken auch sehr viele Alkohol, dies wird gar nicht so als Straftat gehandelt. Unser Taxi hatte hinten kein Licht, kein Anschnaller und und und, ABER die Hupe funktionierte : ) Um erlich zu sein, fand ich die erste Fahrt aufregend, aber die Zweite machte mir Angst. Der Fahrer schien wirklich unzurechnungsfaehig zu sein, fuhr links und rechts Schleifen, aber als wir schon was sagen wollten, waren wir schon angekommen im Hostel… gluecklich, zufrieden und mit einer Menge an neuen Eindruecken.
Zum kroenenden Abschluss des Tages, sind noch 3 Jungs und ich in den Pool des Hostels gesprungen um 1 Uhr nacht : D
…la vida loca en Lima…

Freitag, 3. September 2010

Alles was gruen ist- ist nicht gruen; alles was scheint- muss nicht wahr sein


So, jetzt sitz ich gerade auf der wunderschoenen Terasse meines Hostels in Lima, esse eine reife Mango, die duftet als wenn jemand sie mit “kuenstlichen Aroma-Perfum” (weil sie so unwirklich utopisch duftet) begesprueht hat und trinke Aprikosensaft, der schmeckt als wenn jemand die Aprikose direkt vor meinen Augen gepfluekt und ausgepresst hat…  kann es mir anders als gut gehen?
Von Berlin aus nach Frankfurt, von Frankfurt ueber  Caracas (Venezuela) nach Lima, das heisst uber 26 Stunden auf den Beinen, war ich froh und uebermuedet mit all den 27 Freiwilligen endlich in Lima angekommen zu sein. Die Fahrt zu unserem Hostel, die wieder endlose 1 ½ Stunden gedauert hat, war interessant und zugleich ungewoehnlich gewoehnlich. Die Autos sehen zwar alle sehr verbeult aus und wuerden den TUEV wahrscheinlich in Deutschland nicht mehr bestehen (manche Autos haben keine Tuer, kein Licht und all die anderen Varianten), aber dennoch sieht alles so Amerikanisch/Europaeisch aus. Ueberall riesige Billbords, McDonalds, KFC, Burger King wo man nur hinschaut, Casinos und und und.
Zwar ist jetzt hier in Peru Winter beziehungsweise Herbst, aber mit 18 Grad in der Nacht ziemlich angenehm fuer uns, doch die Limanesen oder wie die Bevoelkerung sich hier nennt, ist dick angezogen mit Winterjacken und Stiefeln : )
Ein Raetsel fuer mich ist und bleibt wahrscheinlich der Fahrstil oder der Rhythmus der Strasse, damit mein ich auch die Fussgaenger. Wie um Gottes Willen schafft man eine riesige Kreuzung so zu verstopfen, dass alle Autos quer stehen, und wie loest sich so ein Chaos den auf? Und das Hupen…, hinter dem hupen muss ein System stecken, da bin ich mir sicher. Denn wer haette Lust immer zu huben?... immer!? Beim Abbiegen und beim Fahrstreifenwechsel wird die Hupe benutzt, also kein Blinker. Genauso wie beim Anhalten und sowieso immer wenn es geht, hupt man. Vielleicht ist das ja das nationale Hobby : D Und genauso wird es zur Herausforderung ueber die Strasse zu gehen, also die gerade Strecke weiterlaufen und “kleinere” dschungelartige Strassen zu passieren. Es gibt hier nur bei den riesigen Kreuzungen Fussgaengerampeln, aber auch wenn es fuer uns Fussgaenger gruen ist, duerfen wir nicht gehen, dass hab ich mit einer impulsive Show selber miterlebt, wenn Peruaner weiter stehen bleiben und nur die waghalsigen Deutschen ueber die Strasse gehen wollen und die Autos einfach weiterhin abbiegen oder weiterfahren und uns fast umfahren. Lieber geht man wenn es rot ist, hab ich das Gefuehl, denn da gucken wir “befremdete Auslaender” wenigstens richtig. Auf den anderen Kreuzungen (ohne Fussgaengerampel), muss man theoretisch auf die Autoampel gucken, denn wenn sie rot beziehungsweise gruen haben, duerfen wir Fussgaenger theoretisch gehen,… also wieder alles theoretisch. Am Besten die Augen immer schoen offen halten und immer kritisch alles beaeugen : )
Heute habe ich mir ein super tolles und super altes Handy gekauft plus SIM-Karte und ich habe ein peruanisches Bankkonto eroeffnet. Ausserdem, hab ich den Deal des Jahres gemacht und insgesamt 70 Euro fuer ein riesigen 60l Backpacking-Rucksack und eine qualitative hochwertigen Schlafsack  gekauft. Alles war so weit runtergesetzt, urspruenglich war der Preis fuer die Sachen 250 Euro hoch.  Deal or no deal?
Naja, und wie schon gesagt, mir geht es echt super. Habe heute schon peruanisch gegessen, naemlich: Kichererbsen-Kartoffelbrei , Reis und undefinierbares Fleisch mit einer Coca-Cola-Sosse : ) Hmm, lecker und schoen viele Kohlenhydrate : D
Ich esse jetzt noch mal frische Mango auf und gehe schlafen- ohne jeglichen Jet-leg.
Buenos noches!