War ich diejenige die vor ein paar Tagen ueber meine ersten Eindruecke geschrieben hatte, dass es amerikanisch beziehungsweise europaeisch aussaehen wuerden? War ich das wirklich? Wie schnell wir Menschen doch voreingenommen sind, wenn wir etwas kurz sehen und kurz hoeren und sofort daraus Schluesse ziehen.
contra
Na klar, sieht es hier auch amerikanisch aus… wie viele haben Geld, Bildung und all die materiellen Gueter? Viele, sicherlich. Aber bei einer riesigen Metropole von ueber 8 Millionen Einwohnern, wo es tagtaeglich mehr werden, gibt es Beides: extremen Reichtum und extreme Armut. Das Foto ist ein Beweis, dass Limas Grenzen nicht enden moechten. Auf den Berg sind wir ca. 2 Stunden durch Lima gefahren und es kam uns vor als wenn es per Luftlinie ca. 40km von der Pazifikkueste entfehrnt ist, aber gesehen haben wir gerade einmal 5% von der riesigen, ueberdeminsionalen Stadt.
Von dem etwas reicherem, sicherem Stadtviertel, Miraflores, wo sich unser Hostel befindet, haben wir eine alternative Stadtrundfahrt gemacht um die andere Seite von Lima zu sehen, die andere Seite names Realitaet. Die Realtiaet wo wir alle uns aufhalten werden im kommenden Jahr… Wir fuhren und fuhren, es fuehlte sich an wie unendlich viele Ewigkeiten. Kilometer pro Kilometer veraenderte sich das Stadtbild. Gruene Flaechen auf den Strasseninseln, Parks, Baeume veraenderten ihre Gestalt. Ploetzlich waren Laubbaeume abgestorben, vertrocknet und verdorrt. Die Strasseninseln voller Muellberge. Alois, unser “Tourguide”, der selber Deutscher ist, aber seit vielen Jahrzenten im Land wohnt und sogenannte Ecosilos (Lima ist eine Wuestenstadt und wie mit umweltvertraeglichen und nuetzlichen Methoden trotzdem den Garten zum Beispiel begruent mit Kompost), erzaehlte uns die Politik sei Schuld. Lima hat 43 Bezirke (welche auf gar keinen Fall mit der Groesse von Schoeneberg-Tempelhof (Berlin) oder in Warschau mit Mokotow verglichen werden kann) und alle Bezirke haben eigene Buergermeister, die eigene Regeln, Gesetze etc . verfassen und durchsetzen. Jetzt sind auch Kommunalwahlen, die besonders wichtig sind. Die Buergermeister sind korruptiv, wie die meisten Politiker hier, deswegen ist es auch so lukrativ in die Politik einzusteigen. Die Bevoelkerung sagt auch nichts oder nicht viel zu der Korruption, fuer sie ist es wichtig, dass ueberhaupt etwas gemacht wird, egal was, hauptsache etwas. Und wenn dass der Fall ist, darf er auch sich “etwas-mas o menos” in die eigene Tasche stecken. Ueberall in der Stadt werden gigantische Wahlplakate vorgefunden, sogar auf Huegeln werden Namen, Kampagnen und Wahlpropaganda vorgefunden.
Um zurueck zu der Thematik des Vertrocknens zu kommen, ist es so: Politiker werden gewaehlt, Stadtsanierungsprogramme werden entworfen, die aber nicht geeignet sind fuer die Wuestenregion. Alles wird kuenstlich bewaessert. Aber nach der Amtszeit kommt meist ein neuer Buergermeister an die Macht, der andere Projekte-auch Verschoenerungsprojekte hervorruft, aber natuerlich andere, damit er wiedergewaehlt wird. Deswegen sieht Lima so aus wie sie aussieht. Eine Metro/U-Bahn wurde geplant, Projekte entworfen, Bauarbeiten angefangen und schon war die Amszeit um und das Projekt, Bauarbeiten sind stillgelegt und seit 25 Jahren in Lima findet man die gleiche Baustelle mitten in der Stadt vor.
Mit dem Touristenbus, der super luxurioes war, fuhren wir ins “Armenviertel”. Alois bezeichnet diese nicht als Armenviertel, sondern Menschen die Ziele, Traeume und Vorstellung haben und das Beste aus ihrer Situation machen. Die Menschen die wir kennengelernt haben, waren so guetig, nett, hilfsbereit und so unglaublich freundlich. Alle waren offen und bezaubernd, wollten alles ueber uns wissen. Ich habe mich aber auch sehr schlecht gefuehlt mit einem supertollen Bus durch ein Gebiet zu fahren, wo Menschen mit weniger als 2 US $ am Tag leben und wir sie wie im Zoo beaeugen. Machne waren auch verwundert und verwirrt. Genauso war ich verwirrt… soll ich zurueckwinken und noch mehr Distanz schaffen? Oder es einfach hinnehmen als Armentourismus? Oder soll ich es als Horizonterweiterung ansehen mit negative Auswirkungen…?
Was stellst du dir vor, wenn du das Bild siehst? Welche Vorstellung hast du wie die Menschen leben? Wahrscheinlich denkst du genau das Gleiche wie ich. Aber eigentlich ist es gar nicht so wie es auf den ersten Blick scheint! Die Menschen die sich so eine Huette leisten koenne, muessen Geld auf dem Konto haben. Viele, fast alle Kinder gehen auf Privatschulen. Keiner sieht schmutzig oder verhungert aus. Das Bild truebt; das habe ich gelernt. Die Land-Stadt-Flucht ist in Peru anders als in der ganzen Welt aufgrund der besonderen Geografie des Landes. Die Migranten reisen in Etappen, z.B. von einem Andendorf in eine groessere Stadt wo Arbeit gesucht und gefunden wird. Kurze Zeit spaeter zieht man weiter in Richtung Lima und macht mehrere Stopps die auch Wochen oder sogar Jahre dauern koennen. Die Stroh-, Holzhuetten auf den Bildern sind Landbesetzungen. Es ist Land welches nie Wasser haben wird und wo nur selten Stromanschluss moeglich ist- das Niemandsland. Die Landbesetzung wird toleriert und ist sogar ein strategisches Vorgehen der Bevoelkerung und der Politiker. Das Niemandsland muss 5 Jahre lang besetzt werden, dann wird es ins Grundgesetzbuch eingetragen. Spaeter kann die Bevoelkerung das Grundstueck mit Haus verkaufen und haben Geld. Zuerst wird wie gesagt nur eine kleine Minihuette gebaut, falls es keine Aufstaende oder Sonstiges gibt, wird es verschoenert, ausgeweitet, umzaeunt und so weiter. Viele der Menschen haben auch mehrere solcher Haeuser um spaeter daran Geld zuverdienen. Das Interesse der Poltiker ist immens, denn die Wahlpflicht verpflichtet jeden zu waehlen (sonst gibt es Geldstrafen, Bankkonto wird entzogen, Identitaetsverlust etc.). Die Buergermeister werben mit Propaganda, dass die Grundstuecke der “Landbesetzungsbevoelkerung” fruehzeitig legal werden. Dieses Versprechen klingt verlockend und der Buergermeister bekommt besonders viele Stimmen und somit besonders viel Geld und eventuell eine laengere Amtszeit.
Der Grund fuer die beliebten Privatschulen ist, dass die staatliche Schule wenig Geld hat und die Lehrer unterbezahlt und unmotiviert sind. Es gibt auch ein generelles Missvertrauen gegenueber der staatlichen Schule und Universitaeten. Die Menschen in jenem Viertel sind arm, dass kann nicht geleugnet werden. 8 Soles pro Tag (ca. 2 US $) haben die meisten; ein Mittagessen kostet in Lima allein schon 10 Soles. Alle arbeiten fuer ihre Kinder, damit sie eine bessere Zukunft haben. Was bleibt ihnen den anderes uebrig als zu hoffen und das beste Tun fuer die naechste Generation. Viele wuerden alles geben, ihr ganzes Leben, damit ihre Kinder zur Schule gehen koennen, somit eine gute Arbeit finden und eine bessere Zukunft haben als die ihre. Aber auch jene Menschen erzaehlen mir wie gluecklich sie sind und mir scheint als fehle ihnen an nichts. Sie sind gluecklich, haben sich arrangiert mit ihrer Situation- was bleibt ihnen noch anderes?
Der Grund fuer die beliebten Privatschulen ist, dass die staatliche Schule wenig Geld hat und die Lehrer unterbezahlt und unmotiviert sind. Es gibt auch ein generelles Missvertrauen gegenueber der staatlichen Schule und Universitaeten. Die Menschen in jenem Viertel sind arm, dass kann nicht geleugnet werden. 8 Soles pro Tag (ca. 2 US $) haben die meisten; ein Mittagessen kostet in Lima allein schon 10 Soles. Alle arbeiten fuer ihre Kinder, damit sie eine bessere Zukunft haben. Was bleibt ihnen den anderes uebrig als zu hoffen und das beste Tun fuer die naechste Generation. Viele wuerden alles geben, ihr ganzes Leben, damit ihre Kinder zur Schule gehen koennen, somit eine gute Arbeit finden und eine bessere Zukunft haben als die ihre. Aber auch jene Menschen erzaehlen mir wie gluecklich sie sind und mir scheint als fehle ihnen an nichts. Sie sind gluecklich, haben sich arrangiert mit ihrer Situation- was bleibt ihnen noch anderes?
Lima- eine Stadt der Gegensaetze.
Liebste Betti,
AntwortenLöschen... bezaubernd!
... du schreibst ....- für mich-wunderschön, ... du erstellst BIlder mit deinem Schreiben. Es sind Reportagen wie aus "Frankfurter Allgemeinzeitung"
Ich bin ... wie noch mal in der Schule, nur diesmal habe ich eine besonderes Geographie-Unterrricht :über Peru, über Lima in vielen Aspekten: politisch, ökonomisch, wirtschaftlich, klimatisch, soziologisch, antropologisch,..., ... .
Mama
hey betty :D
AntwortenLöschenich freu mich immer wieder deinen blog zu lesen. du schreibst so unglaublich toll!!!
ich kann es mir immer richtig vorstellen :)
wow!
kuss
nino