Am Sonntag hat endlich, endlich die absurde Non-Stopp-Party der verschiedenen Partein ein Ende genommen. Der 3.10.2010 war ein bedeutener Tag fuer alle Perunar – bedeutend fuer die regionalen Politiker, deren Familienangehoerigen und teuer, armutsfoerdernd fuer die Waehler.
| Haeuserwaende, grosse Steine und alles was eine Flaeche zum Werben bietet wird genutzt |
Wieso demokratische Wahlen teuer und armutsfoerdernd sind, fragt ihr euch? Es gibt Wahlpflicht in Peru. Dies bedeutet, dass die Millionen von Einwohner wie in biblischen Zeiten zu deren Anmeldeorten pilgern muessen. Machmal auch mehrere Tage. Dies ist natuerlich fuer die Bauern unmoeglich. Haus, Vieh, Kinder nur fuer 4 Kreuzchen allein lassen und die lange, teure Reise in Kauf nehmen (die machmal mehrere Wochengehaelter kostet der Bauern) ist aufwendig und nahezu unmoeglich. Den Anmeldeort zu wechseln ist auch nicht so einfach wie es leicht ueber die Lippen kommt oder wie leicht der banale Gedanke im Kopf schwirrt. Fuer die Behoerdengaenge braeuchte man mehrere Tage oder sogar Wochen, moeglicherweise auch “Trinkgeld” welches natuerlich Korroptionsgeld ist mit dem der Prozess sich ploetzlich beschleunigen liese. Die Reise zu den Behoerden gestaltet sich schon schwierig. Wie soll den die arme Baeuerin erst in eine Stadt kommen, wenn sie schon zum naechsten Lebensmittelgeschaeft in ein Dorf mit 3 Haeusern 2 Stunden in eine Richtung wander muss!
Fuer die vielen Faellen der Unmoeglichkeit zu waehlen, auch auf Grund der besonderen Geografie Perus, hat die Regierung natuerlich einen Masterplan entwickelt: Die Bankkarte wird gesperrt, der Personalausweis entzogen und eine Strafe von 180 Soles folgt (zum Vergleich: ein Mittagsmenu kostet 5 Soles, 1,40 Euro, dies ist trotzdem nicht fuer alle erschwinglich). Die Reise wuerde ungefaehr das Gleiche kosten, nur das Plus ist, dass Vieh, Feldarbeiten und Kinder nicht vernachlaessigt werden.
| Das beste Beispiel des "einander Uebertrumpfens": Ein Wahrzeichen von Villa Rica. Am Anfang als ich ankam gab es nur das Herz. Spaeter folgen "Peru". Dies liesen die Fujimoris nicht durchgehen und kreierten das K. Zum Schluss kam der Slogen: "Alcade (Buergermeister) la Torre". Zwischendurch natuerlich das"SOMOS Peru" im Herzen! |
| Sogar die Palmen werden in Herzchen geformt... Everybody goes loco! |
Auch fuer mich war der Tag bedeutend: Endlich in Ruhe schlafen koennen, endlich ueber die Strasse gehen zu koennen und nicht ins Kichern zu kommen, wenn mein “Chef” mit mir in seiner politischen Gestalt redet. Wieso ich Chef in Anfuehrungsstrichen geschrieben habe, ist leicht zu erklaeren. Er ist Chef der NICHT-REGIERUNGSORGANISATION DESCO, taetig als Politiker wo er natuerlich auch Gehalt bekommt… Hmmm… Widerspruchlich? Seit dem Monat den ich in Villa Rica verbracht habe, habe ich ihn kein einziges Mal bei seiner richtigen Arbeit im Buero gesehen. Zusaetzlich hat mich es stutzig gemacht, dass er seit 3 Jahren in einer Beziehung mit einem Maedchen ist, das jetzt erst 18 Jahre alt geworden ist. Zur Information, er ist 45 Jahre alt und kandidierte als President des Bundeslandes Pasco.
Es ist sehr lukrativ Politiker zu sein in Peru. Den Waehlern ist bewusst, dass der Politiker Geld, Staatsgelder in die eigene Tasche steckt. Stoeren tut es so lange nicht, wie der Politiker “noch” etwas tut. Auch wenn die Taten, Plaene und Organisation sinnlos, unsinnig und absurd ist. Hauptsache sei, er mache “etwas”.
| Mein Gesicht spricht Baende... |
Als Antwort fuer meine bohrenden Fragen bekam ich immer wieder : “ Der kommt aus einer guten Familie.”, “Er besitzt ein grosses Haus.”, “Er ist Ingenieur und wird uns helfen.”, “Ich mag seine Familie.”, “Aus Loyalitaet, schliesslich ist er mein Chef.”, “Er und seine Frau sind sehr sympatisch.”.
So, ich glaube dies wird Realitaet genannt.
| Die Hauptstrasse von Villa Rica - Kampf der Giganten |
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| Plakate ueber Plakaten- Wer behaelt da noch den Ueberblick? |
Wer gewonnen hat ist eh unwichtig, aendert sich sowieso nichts. Jedenfalls hat “Somos Peru” gewonnen. Mein Chef, sein Bruder, und der ganze Rest des Vetternklans. Vernichtend finde ich das Resultat. Ach ja, der Bruder meines Chefes ist Ingeneur. Und es gibt 13 weitere Geschwister…
Wenn sich “eh nichts aendert”, wieso muessen sich dann die Millionen von armen Menschen tief verschulden? Macht fuer euch keinen Sinn? Fuer mich auch nicht. Beendet wird die grosse Party/Fiesta/Siesta auch nicht, schliesslich wird im April der President von Peru gewaehlt. Die Party, die Fahnen und die T-Shirts bleiben. Das Chaos geht weiter. Die Schulden der Bauern, Unterschichtlern und Mittelschichtlern muessen beglichen werden bis die naechsten unsinnigen Schulden angehaeuft werden.
Auf Hoch auf die Demokratie mit geheimen, offenen Wahlen!

Woher nehmen diese armen Menschen Hoffnung und die Kraft, jeden Tag von Neuem zu beginnen? Oh, wie mich das wütend macht!!! LG Ute
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