Samstag, 2. Oktober 2010

Angekommen!

Ich bin angekommen! Endlich da. Das wusstet ihr wahrscheinlich schon einen Monat, genauso wie ich es wusste und weiss. Aber nein- ich meine mental angekommen. Im Kopf.
Die ersten zwei Wochen hatte ich Tage, wo ich an Deutschland and Polen nachgedacht habe, mir ueberlegt habe wie es denn sein wuerde, ich habe mir ausgemalt wie ich mich mit euch wieder begruesse und wie schon es sein wird. Ich gruebelte wieso ich mir immer die “schwereren” Schritte und Ziele im Leben gesetzt habe und nicht die einfachen: ein Jahr Amerika mit kindlichen 16 Jahren, bilinguals Abitur, ein weltwaerts-Jahr. Und das auch noch als eigentlich DAS “Problemkind” schlecht hin (ein Bild aus den Medien)- aus einer Migrantenfamilie stammend und von einer alleinerziehenden Mutter grossgezogen worden zu sein in einem Brennviertel von Berlin (Neukoelln).  Ich koennte es mir doch so viel einfacher gemacht haben…
Seit dem vorletzten Wochenende sind alle Gedanken weg. Also die boesen, die mich davon abgehalten haben, hier anzukommen. An einem Tag hatten wir eine DESCO- Besprechung. Erik und ich haben eine relative verantwortungsvolle Aufgabe bekommen naemlich alles zu fotografieren, zu dokumentieren und die Ergebnisse am Ende jedes Monats nach Lima zu schicken. Man solle schliesslich den Fortschritt der Entwicklungen von den spanischen Entwicklungsgelder sehen (DESCO hat zur Zeit kein Projekt welches Deutschland mitfinanzieren wuerde). Dies gab mir ein Gefuehl des Seins, mehr als des Nicht-Seins davor. Auf den Strassen angegafft zu werden wie ein Auserdischer, fotografiert und angefasst zu werden;  zu kaempfen um gleich viel wie Einheimische im Laden zu bezahlen usw., half da nicht weiter. Autos hielten machmal sogar an um zu gucken. Der kroehnende Hoehepunkt war  als sogar ein Polizeiwagen mitten in der Kurve stehen blieb nur um mir “Hola!” zuzurufen. Aber jediglich eine kleine Aufgabe im Buero, Verantwortung fuer Erik und mich und ein bisschen Verantwortung  fuer das Team zu haben, und schon veraenderte sich mein ganzes Bewusstsein.
Die Hauptstrasse
Am naechsten Tag ging es dann mit einem Mitarbeiter, Erik, Manuel, unserem Fahrer (von uns auch liebevoll als Schumi bezeichnet, weil er den so gern mag. Ralph mehr als Michael ; ) ) und natuerlich mit mir selbst ins 6 Stunden abgelegene Izscozasin in der tropischen Selva. Die Strasse war teilweise schlimmer als alles andere, nicht einmal Schrittgeschwindigkeit auf einer Hauptstrasse, die riesig auf der Landkarte gezeichnet war! In Peru wird nicht in Kilometern gemessen, sondern mit Stunden. Ihr werdet mir eh nicht glauben, dass Izsco “nur” 60 km entfehrnt ist, aber 6 Stunden gebraucht werden um es zu erreichen plus unsere 2 Stunden Bauarbeitenstopp.
Der Amazonaszufluss
Ich hatte so ein schoenes Wochenende. Mit Lourdes, Lia und Miguel im Land des Kakaos. DESCO hat dort eine Zweigstelle mit dem Schwerpunkt auf Kakao. Die zwei Maedchen sind Mitarbeiterinnen und Miguel ist der Freund von dem einem Maedchen, der durch Zufall unser Nachbar in Villa Rica ist. Die Welt ist doch so klein! Wir assen den ganzen Tag selbstgemachtes Milcheis mit Kokosnusssplittern und tranken den leckersten Kakao den es je auf der Welt zu trinken gibt. Lourdes hat Kakao von einer Baeuerin geschenkt bekommen (natuerlich selbst hergestellt) und ihn so schmackhaft zubereiten mit Nelken und Zimt. Goettlich… Wir spielten Volleyball, schwammen und kreuzten einen Amazonaszufluss den ganzen Nachmittag und Abend. Die Kulisse in meinen Gedanken die ich gerade review passiere, ist zu schoen um es mit nichtigen Worten auszudruecken.  Als wir ganz durchnaesst ins Buero ankamen um dort zu Abend zu essen, fing das Gewitter an. Wie ein Sommergewitter in Europa, bloss das es hier zum Alltag gehoert. Kein Strom, unser Dach leckte und wir sassen und schwatzen zu 10 in der Kueche, assen und tranken Kakao im Kerzenschein. Die Stimmung war gelassen und durch einen Moment lang mochte ich gar nicht mehr reden und lachen. Ich brauchte einen Moment um das Alles, die Erfahrugen, diese Freude und Herzlichkeit fuer einen Moment aufzusaugen.
Die Selva-Urwald


Ich am Rohrzucker knabbern
Angkommen in Villa Rica bin ich die folgenden Tage immer auf dem Campo gewesen. Die meiste Zeit mit Frederico, einem 35 jaehrigen Vater. Zwei Geschwister von ihm leben  in Deutschland. Noch kleiner wird die ach-so-grosse Welt : ). Er ist so lustig und herzerwaermend, er haelt sogar machmal mitten auf der Strasse um mir etwas zu erklaeren. Mit ihm unterwegs zu sein ist mehr Vergnuegen als Arbeit. Wir kaufen uns immer Obst auf dem Markt und nehmen es mit um es spaeter zu essen. Vielleicht tut er dies mir zu Liebe, da er rausgehoert hat, dass ich den Reis mit Huhn und Kartoffeln nicht mehr sehen kann. Jedenfalls setzen wir uns um 13 Uhr auf den Strassenrand, meistens neben einem kleinen Wasserfall um das Obst zu waschen. Auf dem Gras sitzend, knacken wir unsere Grenadine oder Maracuja mit den Fingern und lutschen die kleinen, saftigen Koerner aus. Oft mopsen wir uns auch eine reife Papaya vom Strassenrand. Nicht einmal in meinem kuehnsten Traeumen konnte ich mir vorstellen mitten im Urwald Obst zu naschen mit meinen Haenden, die als Werkzeug dienen. Das Wasser vom Wasserfall plaetschern hoeren und die bunten Voegel ueber meinen Koepfen kreisen zu zusehen.
 Die Menschen auf den (Kaffee-)Finkas sind unglaublich gastfreundlich. Zuerst sind sie gegenueber mit etwas zurueckhaltend, doch wenn sie merken, dass ich interessiert bin und mit meinem  zusammengereitem Spanisch etwas frage, oeffnet sich ihr grosses Herz. Obwohl die so wenig haben, schenken sie mir so viel. Nicht nur die Waerme die von ihnen ausstrahlt, sondern auch Obst, Gemuese und Getraenke. Wie oft wurde ich mit Frederico an einem “Arbeitstag” zu 5 Inkakolas (das Lieblingsgetraenk der Peruaner, leider von der Coca-Cola Company aufgegekauft und somit ist der Stolz der Perunaner gebrochen) eingeladen oder zu selbst gemachten Papaya-Bananen-Milch-Smoothy eingeladen, machmal bekommen wir ganze Mittagsessen oder ich komme mit 4 kg Bananen, 2 Ananas, Grenadinen und 2 kg Zitronen nach Hause an.
Mein Zimmer: links mein kleienr Schrank,
rechts mein Bett, mein Koffer als Nachttisch
dienend, und mein voller Tisch mit Obst, Ge-
muese, 50% bestimmt geschenkt bekommen!
Die Dankbarkeit die ich verspuer ist immens.  Aber die Woerter die ich ihnen sage, druecken nicht aus was ich spuere. “Gracias” und Variationen davon wie “vielen Dank” , “Danke sehr”, “ach nein,  es ist zu viel des Guten, danke” spiegeln nichts wieder wie ich empfinde. Allein auch im Team, wie oft ich nachfrage und wegen mir wir langsamer voran kommen mit unseren Aufgaben.  Oder zum Beispiel auf dem Markt, wenn mir Marktfrauen alles zum x-Mal die Unterschiede zwischen diesen und jenen Orangen, zwischen diesen Koernern und jenen Koernern, Bananen und Fruechten erklaeren, die ich noch nie gesehen hab. Wie oft lassen sie mich probieren und kaufen sogar Zucker und Salz nur um es mir schmackhafter zu machen. Ich fuehle mich so dankbar, dass ich das alles hier erleben kann und darf. Nur es erschreckt mich zu wissen, dass ich ihnen nichts wieder gegeben kann ausser 1 kg Bananen zu kaufen.
Wasserfall
Rolly, ich und Miguel
Dankbar bin ich auch fuer Miguel, unserem Nachbar. Er zeigt Erik und mir alles sehenswerte. Er ruft uns an und moechte mit uns etwas unternehmen. Wir waren zusammen mit noch einem anderem Freund, Rolly,den ich auf der Arbeit im Campo kennengelernt habe, als wir Honig hergestellt haben, (Eine Aktion fuer Kleinbauern um sich noch zusaetzlich ein anderes kleines Standbein zu bekommen.) 5 km wandern um zum Wasserfall von Villa Rica zu gelangen. Es war auch so ein traumhaft schoener Tag. Miguel und ich haben am Vortag beim Billiard spielen verloren und unsere Strafe war kochen. Er kochte zuerst und packte es in Tupperware ein und wir picknickten (drei Mal duerft ihr raten was wir assen? Faellt es euch nicht ein? Na kommt, so schwer ist es nicht… Reis, Huhn, Kartoffeln : D ) am Wasserfall und sprangen nach dem Essen in das eiskalte Wasser. Wir erklimmten den Berg und lachten viel. Der kroehnende Schluss war, als wir auf dem Nachhauseweg von Miguel kleine, suesse Orte gezeigt bekommen haben, die ich sonst nie gesehen haette. Ein kleines ca. 1,50m hohes Tor? Ein Zugang zu einem sehr idyllischen Plaetzchen am Fluss. Eine normale Kaffeefinka, die es hier millionenfach gibt? Nein- eine Rekreationsfinka mit Restaurant, Sportplatz, Karaoke etc.
In Deutschland war meine groesste Angst hier kein Anschluss zu finden. Alle Jugendlichen/jungen Erwachsenen sind weg. Entweder studierend in einer groesseren Stadt oder arbeitend auf den zahlreichen Finkas. Koennte ich mir jemals vorgestellt haben nach der dritten Woche wirkliche Freunde gefunden haben? Ach, mir geht es gerade so gut, das wollte ich euch wissen lassen. Und ich hoffe wirklich vom ganzen Herzen, dass ich euch ein Bild vermitteln kann wie atemberaubend die Natur, Menschen, Situationen und das Leben fuer mich hier ist.


3 Kommentare:

  1. Diękujemy Ci, że jesteś ipiszesz.Czytam wszystko po pare razy a co najgorsze muszę rodzince tłumaczyć a to mi cieżko idzie. Pozdrawiamy serdecznie. Tata

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  2. Witamy Cie Betty dzieki ze piszesz taka poezje dzis czytalismy razem z twoja mama i Ewelina Kamila jest w Kanadzie od dzis bede stala twoja czytelniczka jestem zachwycona twoim stylem i pomyslem tego w jaki sposob to przekazujesz dalej Serdecznie Cie pozdrawiamy z ,,cywilizacji,,Iwona z Ewelina

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  3. Meine süße,
    ich komme endlich mal dazu deine Berichte in Ruhe zu lesen und immer wieder erwische ich mich dabei, wie mir Tränen kommen, weil ich mich so für dich freue und am liebsten diese ganzen Erfahrungenmit dir zusammen machen würde! Es ist so unglaublich, wie du alles beschreibst und wie intensiv du alles wahr nimmst. Ich bin sehr glücklich, dass es dir gut geht und du Anschluss gefunden hast, aber wie sollte es bei dir auch anders sein! :) Ich denke sehr oft an dich und freue mich, diese ganzen Geschichten noch einmal von dir persönlich erzählt zu bekommen! Schicke dir 100000 Küsse <3

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