So sieht mein Alltag aus, Tag ein... Tag aus. Im Buero muss ich anwesend sein, obwohl es auch eher „mehr schein als sein“ ist. Aber irgendwie passiert doch immer etwas.
Einen Tag fuhr ich auf das Campo. Obwohl das alles auch Alltag fuer mich schon laengst geworden ist, werde ich doch immer wieder auf das Neue ueberrascht. Ob auf der Strasse, im Buero , aber besonders auf dem Campo. Alles fing ganz gewoehnlich an. Mit einer Stunde Verspaetung fuhren wir zu einem 30minuetigen entfernten Dorf und biegten in einen kleinen Waldweg ab, der zwischen Urwald und Fluss entlang fuehrte. Wir muessten eigentlich auf die andere Seite des Flusses und fuhren,fuhren und fuhren bis zur Bruecke. Als wir schon abgebogen sind, sahen wir, dass sie kaputt war. Alle Holzbretter waren morsch und durchgebrochen. Die wenigen Metallstangen hingen mehr oder weniger am richtigen Platz. Walter, ein Kollege, kommentierte bloss laessig: „Huch, vor 2 Wochen bin ich da noch druebergefahren.“. Ich senkte meinen Blick um den Fluss zu sehen und ploetzlich erblickte ich Metallreste und Reifen von einem Auto. Dies koennten wir auch gewesen sein, 20 m tiefer unten als wir eigentlich wollen wuerden.
Wir fuhren weiter gerade aus um vielleicht eine andere Bruecke zu finden. In unserer 1 ½ stuendigen Fahrt begegneteten wir bloss einem anderen Auto und 2 Frauen, die von ihrer Finka nach Hause wanderten. Wir fragten das gruene Auto, wo wir denn eine Bruecke finden wuerden? Er meinte noch weiter gerade aus. Die Kinder, die zum Auto gehoerten, tollten auf dem Weg oder auf dem Pick-up. Wir stiegen ein und fuhren los. Nach 5 „derrumbes“ also Erdrutschen, die wir ueberwinden mussten mit unserem Pick-up, konnten wir einen besonders grossen Erdrutsch nicht ueberwinden. Das Gebiet wo ich lebe heisst „Ceja de la Selva“ (Augenbraue des Urwaldes), wunderschon gelegen zwischen den Auslaeufen der Anden und des tiefen Urwaldes. Bergig und angenehm von der Temperatur ist es jedoch ziemlich gefaehrlich. Es regnet besonders viel, auch angesichts der Regenzeit. Erdrutsche gehoeren zur Normalitaet oder wenn ein Stueck der Strasse weggetragen werden, da Wasser untergespuelt wird und somit das Teerstueck 20 km tiefer im Tal wiedergefunden wird. Somit wurden wir gezwungen den Matsch, die neuen Erdmassen und Steine hinter uns zu lassen als wir auf ein besonders grossen Erdrutsch aufmerksam wurden, der knapp vor uns gedriften ist und kehrten um. Regen ist nun mal eine Naturgewalt vor der ich imensen Respekt habe. Als wir auf dem Nachhauseweg waren, lief ein kleiner, vielleicht 7 jaehriger Junge weinend an uns vorbei. Walter fragte nach, was denn passiert sei. Er war barfuss und hielt nur eine Kokosnuss in der Hand sowie Duengungsmittel fuer Kaffee. Er meinte, er waere einer der Kinder die auf dem Pick-up gespielt haben und man haette ihn einfach da gelassen. Wir hackten nach, wohin er denn muesste. Die Antwort war ein Doerfchen welches 2 Stunden Fahrt entfehrnt ist. Es war schon 5 Uhr Nachmittags und in der Aequatornaehe wird es immer zwischen 18 und 19 Uhr dunkel. Ich war fassungslos und der Blick des Jungen blieb mir fuer mehrere Tage im Gedaechnis. Wie konnte man ein kleines Kind mitten im Urwald vergessen? Walter meinte, dass beim Spielen, so etwas schnell passieren kann. Aber faehrt man nicht zurueck um das Kind dann zu suchen? Kopfschuettelnd fuhren wir weiter und leise betete ich, dass jemand ihn abholen kommt.
Auf dem Rueckweg passierte auch etwas unvorsehbares. Normalerweise stehen Personen auf der Schotterpiste links oder rechts von der Strasse und halten die Hand raus um mitgenommen zu werden. Da es keine oeffentlichen Verkehrmittel gibt, ausser Collectivos, die aber nur selten verkehren, ist es so wie Nachbarschaftshilfe: „Ich nehme dich heute mit und morgen hilfst du mir weiter...“. Da alle Autos Pick-ups sind mit einer Ladeflaeche, steigen die Passagiere hinten auf die Ladeflaeche. Machmal nach einem Campotag nehmen wir um die 15 Leute mit. Oefters sind es aeltere Menschen oder Frauen mit Kindern wobei das juengste Kind mit einem Tuch am Ruecken festgebunden wird. Diesmal waren es zwei Jugendliche, die mitten auf dem Weg standen und die Arme ineinander gehackt haben, somit wir nicht durchkommen. Als wir gebremst haben, schien mir, als ob der Juengere, der links also von der Beifahrerseite, etwas mit dem Arm hatte, denn er hielt ihn auf eine komische Art und Weise und sein Gesicht sah aufgedunsten aus. Er ging zu Walter, dem Fahrer, und sagte etwas was ich akustisch nicht verstand. Ich sah bloss, dass Walter mit der rechten Hand alle Tueren verriegelte. Unschuldig war ich ueberzeugt, dass der Arm vielleicht gebrochen war und er zum naechsten Krankenhaus in Villa Rica musste. Aber nach der Verriegelung der Tueren wusste ich bescheid, dass es nicht harmlos ist. Der Junge der rechts auf dem Weg stand, ging zur Hintertuer, waehrend der Fahrer mit dem anderen Jungen diskutierte und wollte die Tuer aufmachen. Walter schien gereizter und sagte: „Betrunkenen gebe ich kein Geld.“. Als wir weiter fahren wollten, schmiss sich einer der Jungs auf unsere Kuehlhaube, sodass wir nicht weiterfahren konnten. Walter fuhr rueckwaerts um dann mit Schnelligkeit wieder nach Vorne zu fahren. Das Gesicht des Jungens, bei dem ich naiv gedacht habe, dass er verwundet ist, war voller Drogen aufgedunsten, seine Augen rot und wirr. Gefahren kann ich wirklich sehr schlecht einschaetzen, besonders in einem fremden Land. Was waere, wenn er wirklich Hilfe brauchen wuerde? Was waere, wenn ich die Fahrerin waere, ein Auto nur mit Frauen, unter Schock und Angst wuesste ich 100prozentig nicht, was das Richtige ist. Nachdem ich meinem Freund davon berichtet hatte, erzaehlte er mir, dass in diesem Dorf die Jungs meistens mit Waffen die Menschen ausrauben. Also hatten wir vielleicht Glueck im Unglueck. Nur unsere Koepfen waren wieder einmal von Bildern und Geschichten mit „was waere wenn“.
Aber zum Glueck hatten wir alle ein ruhiges
Happy End.
Liebste Bettilein!!!!
AntwortenLöschen...sooo spannend!!!! beim lesen habe ich die "Nägel gekaut"" !!!! Plötzlich hatte ich um dich wirklich Angst
.... bitte, bitte noch mehr! ..Geschichten. Die müssen nicht unbedingt soooooooo spannend sein;-)
...y buen viaje