Als ich am Montag frueh mit 2 anderen Freiwillgen vom unserem vorbestelltem (!) Taxifahrer abgeholt worden sind, habe ich doch nichts ahnen koennen, wie der Tag weiter verlaufen wird. Wir sollten mit einem Bus ca 10 Stunden ueber die Anden fahren bis nach La Marced, wo wir jeweils von Projektmitarbeitern abgeholt worden wuerden.
Um 7:15 Uhr waren wir schon am Busbahnhof. Der Bus, fuer den wir vorreservierte Tickets hatten, sollte aber erst in 1 ½ Stunden abfahren. Wir fragten nach, ob wir hier richtig waeren (da das Gebiet wieder etwas gefaehrlicher aussah) oder ob wir noch was machen sollten (wie z.B. Koffer wiegen). Die Dame verneinte die Fragen, also stellten wir unsere Koffer/Rucksaecke etc schon im Bus ab. Jeder von uns hatte einen schweren Koffer, jeweils einen grossen und einen kleinen Rucksack und immer noch was in der Hand. Die naechsten 1 ½ Stunden wollten einfach nicht vergehen. Die Vorfreude auf unser neues Zuhause, auf unsere Arbeit und auf unser neues Leben waren greifbar.
Tja, wie ihr schon ahnen koennt, war es wieder einmal anders als geplant und wie es gedacht worden war. 5 Minuten vor der Abfahrt wurden wir zum ersten Mal misstrauisch. Auf dem Hof standen 3 Busse, wo eigentlich nur Platz fuer 2 Busse war (theoretisch : ) ), aber das schafft man hier : ). Ploetzlich fuhren ein Bus nach dem Anderen ab. Wir setzten uns schon einmal auf unsere Plaetze im Bus hin und ploetzlich schreit ein juenger Mann: “Neeeiiinnnn”. So ploetzlich wie das Nein in den Raum ausgesprochen wurde, haben wir uns nicht angesprochen gefuehlt. Der Mann hatte doch schon unsere 6-8 Koffer eingepackt und unser Ticket auch angeschaut… Was war den das Problem? Er meinte er fahert doch nicht nach La Marced! Bitte was? Und wo faehrt der richtige Bus ab? …Die Antwort war vernichtigend. 2 Quadras, vllt uebersetzt so viel wie 2 Blocks weiter. Aber unsere Koffer waren doch im Bus, und wie sollen wir denn vollgepackt mit jeweils gefuehlten 10000 kg noch 1 km sprinten, ohne Wegkenntnisse, ohne Sprachkenntnisse (wegen dem Schock) und so wie so… in 3 Minuten???
Wir dachten nicht nach, wir liefen einfach drauf los. Um es bildlich zu machen, stellt euch, 3 “reiche Weisse” im aermlichen Viertel vor, die um ihr Leben rennen mit vollbepackten Armen, die total verwirrte und hilflose Augen haben. Ich glaube wir waeren leichte Beute fuer einen Raubueberfall. Aber naja, die Taxis riefen uns nach, Leute lachten und wollten uns helfen, wahrscheinlich um Geld zu verdienen. Auf halber Strecke drehten wir um, da es sinnlos fuer uns sinnlos erschien einem Bus hinterher zu laufen, der wahrscheinlich eh schon weg ist. Wir kehrten um. Ploetzlich kam der Mann, der dieses verdammte “Nein” gesagt hat, uns entgegen und wollte uns die Koffer wegreisen. Der wollte wahrscheinlich wieder Geld, dachten wir, aber nein. Er meinte er wird uns helfen. Irgendwas redete er vor sich hin, eigentlich zu uns, aber wir waren so verwirrt, sodass wir nicht einmal einen klaren Gedanken fassen konnten. Er nahm unsere Koffer ab und packte sie wieder dort hin, zur Gepackabgabe des Busses, wo sie am Anfang waren. Die Geschichte haben wir selber zusammen gereimt: Er wuerde uns mit einem total anderem Bus mitnehmen und irgendwie in 15 min wuerden wir ankommen an einem Ort, wo der urspruengliche Bus auf uns warten wuerde. Ich rief unsere Zustaendige an. Sie verstand uns nicht, genau wie wir selber. Wir reichten das Handy weiter zu dem verrueckten Mann. Die konnten sich auch nicht verstaendigen und sie legte auf. Ich versuchte sie zurueck anzurufen. Was sollten wir denn machen? In einen Bus einsteigen, der in eine ganz andere Richtung fahert? Und unsere geliebten Koffer, unser Hab und Gut fuer das naechste Jahr ist, einfach stehen lassen? Oder blind vertrauen, einem Mann, den niemand verstehen kann? Ich konnte sie nicht erreichen, unsere “Retterin”. Wir resignierten und stiegen in den Bus ein, der uns auch nach Mexico bringen koennte. Die geplanten 15 Minuten vergingen, 30 Minuten vergingen, 45 Minuten vergingen. Und dann klingelte mein Handy. Ein Anwalt. Ein peruanischer Anwalt. Ich war so hilflos und resigniert; ich gab einfach den Hoerer kopfschuettelnd dem “komischen Mann” weiter. Wir hoerten wuetende Geraeusche, sehr laute Geraeusche aus dem Hoerer. Der eigentlich komische Mann wurde ganz blass. Unsere zustaendige Person in Lima hat einen Anwalt eingeschaltet, damit wir sicher sind. Er weiss bestimmt was man mit 3 “reichen, weissen” Deutschen machen koennte. Zudem haben wir hier in Peru sowas in der Art wie ein Diplomaten-Visum…
Endlich nach einer Stunde stoppte der Bus und wir liefen einfach raus. Schnappten uns unsere Koffer und stiegen mit in den richten Bus ein, nachdem wir uns bei 10 verschiedenen Leuten auch wirklich, auch wirklich 5 mal versichert haben, ob der Bus nach La Marced faehrt.
Die Moral der Geschichte, der angeblich komische und verrueckte Mann wollte wirklich nur Gut. Aber wir haben uns nicht einmal bedankt, die Zeit blieb uns einfach nicht.
Die Fahrt, die 10 Studen gedauert hat,hat alle Sorgen weggeblasen. Von 20 m ueber dem Meeresspiegel auf fast 5000 m und wieder runter auf 1600m ueber dem Meeresspiegel hat uns verzaubert. Ich moechte auch nicht viel mehr sagen, als dass ich richtige, wild Lamas in Herden gesehen habe, wie sie idyllisch gegrast haben und wie sie die Berge hochliefen.
Traumschoen- wirklich traumhaftschoen.
oh bettina ich kann nicht glauben was du schreibst!! schoen, dass es dir gutgeht, wie haette das jahr aufregender und gefaehrlicher anfangen koennen??
AntwortenLöschentolle fotos, ich kann nur ahnen, wie es in wirklichkeit aussehen muss...
liebe,
maren