Die Wueste rief mich- und somit gings weiter fuer mich. Von Santiago gings noch ein paar Stunden durch Weingebiete mit dem Bus, aber nach knapp 1 oder 2 Stunden war alles vorbei... Kein gruen mehr weit und breit zu sehen, nur noch die trockenste Wueste der Welt, die Atacamawueste. Unglaublich langgestreckt, so viele unglaublich viele Kilometer wurde nichts gesehen ausser Sandkoerner. Nicht einmal Fliegen, Muecken, Spinnen oder jedliche andere Lebewesen wurden in den knapp 24 Stunden gesehen, die ich im Bus verbracht habe. Kein Leben, denn zum Leben wird Wasser gebraucht. Landsleute sagen, dass nur jede 10 bzw 20 Jahre Regen faellt. Aber auch kein Regen so wie in der Selva, es nieselt bloss ein bisschen. Aber dann blueht die Wueste auf, ich habe bloss Bilder gesehen, aber ich stelle mir es unglaublich vor, und vor allem wie gesegnet man sein muss um genau in dieser Zeit in der Atacamawueste zu sein.
Angekommen in San Pedro de Atacama, war ich froh als Hostels sich angeboten haben in Form von Promotern im Busbahnhof. Wasser, Lebensmittel und Hostels sollten teuer sein, so wurde mir das gesagt, denn weit und breit gab es ja nichts.

Am naechsten Morgen hatte ich eine Tour gebucht. Um erlich zu sein wusste ich nicht recht was mich erwarten wuerde. Und somit wurde ich natuerlich positiv ueberrascht und es war die beste Tour, die ich in San Pedro gemacht habe. Zuerst ging es zu drei Salzseen, die unglaublich kalt waren. Keiner weiss wie tief diese 10-15m breiten Seen oder eher gesagt Loecher sind. Darwin hatte sogar versucht sie zu ermessen, aber vergeblich. Man ist auf 80m gestossen, aber es geht noch viel viel tiefer. Der Salzgehalt war 3 mal so hoch wie im Meer, deswegen schwebte man im Wasser,unmoeglich zu ertrinken aber auch zu schwimmen. Weiter gings in 2km entfehrnte Seen bzw. Loecher, sie komischerweise extakt gleich gross sind,vom All sehen sie aus wie Augen. Die Loecher haben Suesswasser, welches aber relativ salzig ist. Das aussergewoehnliche ist, dass die unterschiedlichen Loecher untererdisch miteinander verbunden sind, aber wie kamen sie zu Stande und wieso sind die einen Suesswasser und die anderen Salzwasser?

Weiter gings in ein Tal, una Valle. Da fliesst ganzjaehrig ein kleiner Fluss, der vielleicht 30cm tief und 50 cm breit ist. Aber was fuer eine Vegetation dort herrscht im Umkreis von 5km von dem Fluss. Die kleinen Bauern haben winzge Parzellen, die sie sehr auf gerinsgte nuetzen und Obst oder Gemuese anbauen. Faszinierend war es zu sehen, was es bedeutet Wasser zu haben und wie ich, jetzt in der Selva lebend, es fuer selbstverstaendlich ansah, dass Wasser die ganze Zeit fliesst, da es zum natuerlichen Kreislauf gehoert.
Und dann kam der Teil der mich am meisten fasziniert hat. Ich habe Schwaerme von Flamingos ueber meinem Koepfen fliegen gesehen! Traumhaft! Nicht nur, dass diese wunderbaren, grazielen Tierchen mit ihrem rosanden Kleid zu meinen Lieblingen gehoeren, sondern ich sah sie in ihre natuerlichen Laufbahn, wie und wo sie leben, was sie essen. Beim Sonnenuntergang sassen wir, meine neu gewonnen Freunde und ich, im Salz am Seerufer und schwiegen.


Am naechsten Tag ging es gleich weiter um 4 Uhr in der Morgendaemmerung. Die Wueste ist ein Phaenomen, das schwer zu begreifen ist. Tagsueber schwuehl heiss mit 30 Grad, wo man Schatten braucht und sucht. In der Nacht kuehlt es bis zu Minusgraden ab. Die Tour sollte uns zu den Geyser fuehren auf 4300m ueber dem Meeresspiegel. Keine Eiweissprodukte und Kohlenhydrate durften wir zu uns nehmen am Abend und Morgen. Zuerst lachte ich, aber dann verstand ich es. So frueh morgens, war es dunkel wie ich es selten gesehen habe. Der Mond versteckte sich hinter den Vulkanen der Anden. Um 6 Uhr war es heller, die Sonne zeigte sich aber nicht bis 8 Uhr. Die Kaelte war bedrueckend bei minus 15 Grad. Meine Haende und Lippen waren blaeulich und ich konnte mich einfach nicht mehr daran erinnern, wie es sich anfuehlt bei -25 Grad in den polnischen Wintern. Da ich schon Geyser gesehen habe, war es nichts neues fuer mich, aber doch war es schoen. So stelle ich mir die Landschaft auf dem Mars vor, wie ich sie dort vorgefunden habe. Sobald die Sonne hinter der Gebirgkette hervorgeblickt hatte, waermte sich der ganze Koerper auf. Anschliessend ging es zum Baden in die kochend heissen Quellen.


Am Nachmittag fuhr ich noch in das Valle de la Luna und Valle de la Muerta, welches auch sehr schoen war im Sonnenuntergang.



Am naechsten Tag wollte ich allein weiterreisen ueber Calama nach Arica. Aber meine neuen Freunde aus Chile und Spanien dachten sie wuerden mir einen Gefallen tun, wenn sie mich begleiten wuerden. Also ging es weiter mit der lustigen Truppe. In Calama habe ich ein Gefaengnis besucht. Die Chilenen haben ein sehr besonderes Verhaeltnis zu Peruanern, Bolivianern und Argentiniern. Mir scheint es als wenn Chile streitsuechtig waere, denn nie sei es deren Schuld, sondern immer der Nachbarlaender. Sie haben sogar einen Konflikt mit deren Indigen im Sueden von Chile. Im Gefaengis wimmelt es bloss von Peruanern und Bolivianern, die Drogen rein in das Land geschmuggelt haben auf der Suche nach schnellem Geld, auf der Flucht von der Armut. 10 Tage und Naechte sind diese Herden von Menschen durch die Anden, durch die Wueste durchgewandert. Bewunderswert, aber doch illegal. Da sich kaum etwas in der Wueste bewegt was Leben angeht, zeigen die Helikopter mit Infrarotausruestung fast alle warmen Koerper, die illegal Kokainpaste reinschuggeln.
Das Gefaengis war erschreckend. Ich habe einen netten, aelteren Herren im Bus von Santiago kennengelernt, der dort Krankenpfleger ist. Er hatte mich eingeladen ein Gefaegnis von innen zu sehen. Ich sagte zu, ohne zu wissen, wie sehr es mich mitnehmen wuerde. Es gibt bloss 170 Plaetze bzw. Betten. Zur Zeit befinden sich aber 700 Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen in dem Gefaegnis. Auf 2 x 4 m Raum schlafen bis zu 15 Menschen, geplant waren 8. Toilette und Kueche befindet sich ebenfalls auf dem kleinsten Raum. Gewalt und Aggresion steht auf der Tagesordung. Der Geruch der an einem haften bleibt ist wiederlich. Die Waerter sagen, dass es der Geruch vom Teufel ist. Sie erzaehlten mir, dass sie jede Nacht Geister und komische Dinge sehen. Sie sagen, dass sie den Teufel jede Nacht ins Gesicht sehen. Die Waerter wollten mir zeigen, wie wichtig ihre Arbeit ist und wie gut sie es machen, stolz Gefaegniswaerter zu sein. Ich ging in die verschiedenen Gassen, fuehlte mich wie im Zoobesuch, beaeugend die Menschen hinter den kleinen Gittern. Abgegrenzt waren die Chilenen, Homosexuellen, Frauen, Evangelisten, Vergewaltiger/Moerder und die Auslaender. Die Waerter lachten, denn sie meinten ich saehe blass aus, als wenn ich krank waere. Sie fragten ob mich das berueht, wie ich es finde und alles... ich war sprachlos.... Als ich rausging, uebergab ich mich. Das erste Mal in meinem Leben war ich geschockt, so tief beruehrt, sodass ich aus Emotionen mich uebergeben habe. Nach paar Minuten ging es weiter mit dem Bus nach Arica. Der Geruch der Gefaengiszelle, der Geruch von Vekalien, Suppe, Schweiss, Schmutz und Muell haftete an mir. Meine Gedanken verbesserten sich nicht, denn im Bus zeigten sie einen Film ueber die schlimmsten Gefaegnisse der Welt... eines davon in Peru und Mexico, wo die Verhaeltnisse 1000mal schlimmer waren.
Der kurze Stopp in der Wueste war vieles. Bis heute erinnere ich mich mit Respekt an die Naturgewalt und Menschgewalt.